Zitat zum Sonntag – Camus‘ Lieblingswörter: Das Meer (2)

„Ein heller Morgen erhob sich strahlend über dem klaren Meer. Vom Himmel, der morgendlich rein und frisch war, kam ein flimmerndes Licht, das jedem Haus, jedem Baum eine sichtbare Zeichnung gab, eine wundersame Neuheit. Am ersten Morgen der Welt muss die Erde in ähnlichem Licht aufgetaucht sein.” (1)

Carloforte/Sardegna, 13. April 2014. Immer wieder gibt es solche Fundstücke bei Camus, angesichts derer ich mich frage, wie und warum ich jemals noch selbst etwas schreiben sollte: Er hat es ja immer schon gesagt, und besser ausdrücken kann man es nicht. So geht es mir auch heute an diesem strahlend hellen Morgen mit Blick auf das klare Meer, über mir ein reiner, frischer Himmel, der jedem Haus, jedem Baum eine sichtbare Zeichnung gibt und es wie eine wundersame Neuheit erscheinen lässt. Am ersten Morgen der Welt muss die Erde in ähnlichem Licht aufgetaucht sein.

Ganz sicher ist Camus auf diese Fleckchen Erde, auf dem ich mich gerade befinde und das neben dem Südzipfel Sardiniens im thyrrenischen Meer schwimmt, nie gewesen. Eine Reise „Auf den Spuren von Camus“ ist dies also gewiss nicht. Aber zumindest gefühlt ist es von hier zu Camus niemals weit…

 

(1) Albert Camus, Heimkehr nach Tipasa, in: Literarische Essays, Rowohlt-Verlag, Hamburg 1959, S. 174 (erstmals erschienen in Heimkehr nach Tipasa, Arche-Verlag, Deutsche Übersetzung von Monique Lang).

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