Christian Polke bei der Düsseldorfer Ringvorlesung (8): Sisyphos oder die Geburt einer existentiellen Anthropologie

„Wie soll man sich denn Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen? Hat das nicht etwas Masochistisches? Oder meint er das ironisch?“ – So in etwa lauten einig der Fragen, die mir im Zusammenhang mit Albert Camus am häufigsten gestellt werden. Mit der auf Ewigkeit angelegten Mühe des Sisyphos, der seinen Stein wieder und wieder den Berg hinauf rollen muss, hat unsere Vorstellung von Glück doch so gar nichts gemein. Glück, das ist doch gerade die Erfüllung durch eine sinnvolle Tätigkeit – oder vielleicht auch das von jeder Anstrengung befreite, genießende Dolce-far-niente! Und wie kann überhaupt der Zusammenhang von Glück und Absurdität gedacht werden?

Aufschluss zu diesem für die „Philosophie des Absurden“ zentralen Themas verspricht der Vortrag von Christian Polke bei der Düsseldorfer Camus-Ringvorlesung am morgigen Montag, 21. Juni 2021, mit dem Titel

„‚Man sollte sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen
vorstellen
‚ – Zu einer anthropologischen Figur bei Albert Camus“

Hierzu schreibt er:

Vielleicht kein anderer Autor hat der antik-mythologischen Figur des Sisyphos im 20. Jahrhundert zu einer derartigen Renaissance verholfen, wie Albert Camus. Mitten im Zweiten Weltkrieg 1942 erschienen, legt der philosophierende Schriftsteller mit Verve Zeugnis über seine Sicht auf die menschliche Situation, die Conditio Humana, ab; und zwar nicht nur in den Wirren des Krieges. Neben Prometheus – und womöglich Adam – stellt der Sisyphos ein anthropologisches Figurativ dar. In der Auslegung und Deutung dieser mythischen Figur im Angesicht der Gegenwart werden wir der Geburt einer existentiellen Anthropologie gewahr, für die Camus steht. Deren Hauptbegriffe sind Freiheit, Solidarität, das Absurde und nicht zuletzt die Idee des Glücks. Zugespitzt gefragt: Gibt es Sinn und Glück für uns nur, weil unsere Lage letztlich absurd ist? Dieser These Camus‘ gilt es kritisch nachzugehen.

Zur Person:
Prof. Dr. Christian Polke, geb. 1980 in München, Studium der ev. Theologie in Berlin, Heidelberg und Tübingen; nach Promotion und Habilitation seit 2016 Professor für Ethik im Rahmen der Systematischen Theologie an der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität; u.a. Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Religionsphilosophie (DGR) und des German Pragmatism Network. Forschungsschwerpunkte: Rechts- und Politische Ethik, Religionsphilosophie, Sozialtheorie. 2010 gewann er mit einer Arbeit zur weltanschaulichen Neutralität des Staates den „John F. Templeton Award for Theological Promise“ des Heidelberger Forschungszentrums Internationale und Interdisziplinäre Theologie.

Jüngste Veröffentlichungen:
Expressiver Theismus. Vom Sinn personaler Rede von Gott, Tübingen 2020
Josiah Royce. Pragmatist, Ethicist, Philosopher of Religion (Hg., gem. mit Chr. Seibert, Tübingen 2021).

***

Die Ringvorlesung läuft bis zum 12. Juli 2021 und wird über das Internet gestreamt. Alle Termine im Blog hier

Die Vorträge mit anschließendem Zoom-Gespräch finden jeweils von 16.30 bis 18 Uhr statt. Alle Interessierten, die sich nicht über das Studierendenportal der Uni Düsseldorf anmelden können, wenden sich bitte per Mail an Oliver.Victor@uni-duesseldorf.de, um die Zugangsdaten zu erhalten. Bitte beachten Sie, das Gasthörer herzlich willkommen sind, bei der Diskussion jedoch die Studierenden Vorrang haben.

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Camus‘ „Die Pest“ ist in Wiesbaden zurück auf der Bühne

„Die Pest“ nach Albert Camus in einer Fassung von Sebastian Sommer am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Auf dem Bild: Matze Vogel in der Solorolle. Foto: Karl und Monika Forster

Die Inzidenzzahlen der Covid-Infektionen sinken stetig, das Leben kehrt zurück, und auch die Kultur ist wieder da. Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden (Kleines Haus) kehrt damit Camus‘ Epidemie-Roman Die Pest in einer Bearbeitung von Sebastian Sommer zurück auf die Bühne. Aber will man dieses ganze Seuchenthema und damit auch Camus‘ Roman, der während der Pandemie wieder zum Bestseller geworden war, nicht endlich hinter sich lassen? Der Wunsch wäre verständlich – aber umso mehr lohnt es sich, noch einmal ganz genau hinzuhören auf das, was Camus uns da über uns selbst vorführt. Mir scheint es, als würde gerade eine so wenig naturalistische Inszenierung wie in Wiesbaden dazu eine gute Gelegenheit sein (Inszenierung Sebastian Sommer, Bühne Fabian Wendling, Kostüme Wicke Naujoks ). Einen interessanten Einblick bietet der Trailer auf der Theaterwebseite:

https://www.staatstheater-wiesbaden.de/programm/spielplan/die-pest/7587/

Termine:
19./25. Juni, 8., 13., 14. Juli, jeweils 19.30 Uhr. Zu den Tickets hier.

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Albert Camus geht in Brasilien über einen Strand – eine Notiz zum „Welttag des Tagebuchs“

Albert Camus war kein Tagebuchschreiber im klassischen Sinne. Seine Carnets sind eine Mischung aus Notizen zu allem, woran er arbeitete, was er las, worüber er nachdachte; passagenweise ganze Textentwürfe, die sich manchmal fast eins zu eins in einem der späteren Werke wiederfinden, Aphorismenhaftes – und eher wenig Privates. An einer Stelle bedauert er sogar, vermehrt Dinge aufschreiben zu müssen, weil er befürchtete, sein Gedächtnis lasse nach. Den „privaten“ Camus lernen wir ganz sicher viel mehr im Briefwechsel mit seiner Geliebten Maria Casarès kennen, der vor kurzem bei Rowohlt in deutscher Übersetzung* erschienen ist, als in den Tagebüchern.

ABER: Heute, am 12. Juni, wird der Welttag des Tagebuchs gefeiert (in Erinnerung an Anne Frank, die an diesem Tag im Jahr 1942 in Amsterdam von ihrem Vater ein Notizbuch geschenkt bekam, und die uns das wohl bis heute berühmteste und berührendste Tagebuch überhaupt hinterlassen hat). Und weil wir hier im Blog gerade so viel über Camus sprechen, aber ihn wenig selbst zu Wort kommen lassen, nehme ich das zum Anlass, einfach mal einen Tagebuchband von Camus aufzuschlagen. Zwischen den vielen Arbeitsnotizen gibt es immer wieder Stellen, in denen Camus plötzlich ganz lebendig wird, nah und greifbar.

Ich habe immer das Meer an den Stränden geliebt. Und dann hat der Kramladen an den menschenleeren Stränden meiner Jugend zu blühen begonnen. Jetzt liebe ich nur noch die Mitte der Meere, dort, wo das Vorhandensein von Ufern unwahrscheinlich erscheint. Aber eines Tages, an den Stränden Brasiliens, habe ich von neuem erkannt, dass es für mich keine größere Freude gibt, als über einen unberührten Sand zu gehen, auf der Suche nach einem tönenden, vom Zischen der Wogen erfüllten Licht.“ **

Ich wünsche allen Blogleserinnen und Camus-Freunden noch ein schönes Wochenende! Gibt es unter euch eigentlich Tagebuchschreiberinnen oder Tagebuchschreiber?

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**Albert Camus, Tagebücher 1951-1959. Deutsche Übersetzung von Guido G. Meister. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1991, S. 65f. Eintrag ca. 1952.
* Albert Camus – Maria Casarès. Schreib ohne Furcht und viel. Eine Liebesgeschichte in Briefen 1944-1959,
übersetzt von Claudia Steinitz, Andrea Spingler, Tobias Scheffel. Rowohlt Verlag, Hamburg 2021.

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Düsseldorfer Ringvorlesung (7): Svantje Guinebert erklärt, warum die Poesie bei Camus revolutionär ist

Eine ganze Reihe interessanter Aspekte hat die Camus-Ringvorlesung an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität schon beleuchtet – und immer wieder geht es um die Frage, die als Titel über der gesamten Reihe steht: „Albert Camus – ein Philosoph wider Willen?“ War er also ein Philosoph, wollte er überhaupt einer sein? Unstrittig ist, dass Camus seine philosophischen Gedanken in verschiedenen „Disziplinen“ ausgedrückt hat, nämlich im philosophischen Essay, im Roman und im Drama. Am kommenden Montag, 14. Juni 2021, bietet sich die schöne Gelegenheit, mehr über die Verflechtung des zentralen Themas „Solidarität und Revolte“ im Essay und im Drama bzw. zwei Dramen bei Camus zu erfahren. Unter dem Titel

‚Poesie ist revolutionär‘ – Albert Camus‘ Reflexion von Solidarität und Revolte im philosphischen Essay und im Drama

nimmt Dr. Svantje Guinebert nämlich genau dies in den Blick. Dazu schreibt sie:

„Poesie ist revolutionär“ – wenn sie eine Revolte versinnbildlicht, die auf der
Solidarität der Menschen gründet. In diesem Vortrag sollen einige Überlegungen zu Camus‘ Reflexionen über Solidarität und Revolte vorgestellt werden, um darüber der Frage nachzugehen, inwiefern es ihm gelingt, durch verschiedene Formen der Verschriftlichung Gedanken aus unterschiedlichen Perspektiven zu begreifen und zu vermitteln. Mit Blick auf Der Mensch in der Revolte und die Dramen Die Gerechten sowie Die Besessenen werden einige Hinweise darauf ausgearbeitet, wie mit Camus Revolte und Solidarität zu verstehen sind. Dabei wird untersucht, inwiefern diese Aspekte philosophisch, literarisch und dramaturgisch aufbereitet sind. Was kann das Drama, was das philosophische Essay nicht kann? An welchen Stellen wird dagegen eine philosophische Arbeitsweise deutlich – vielleicht sogar in gewissem Sinne für Camus notwendig? Eine Zusammenführung dieser Überlegungen wird schließlich erkennen lassen, dass Camus – gerade indem er sich einer eindeutigen Zuordnung versperrt – eine Perspektive einnimmt, die ihm besondere Möglichkeiten eröffnet: Zwischen allen Stühlen ist es wahrlich nicht immer gemütlich, aber erst als eine liminale Gestalt, d.h. als jemand, der auf der Grenze zwischen verschiedenen Disziplinzuordnungen und Welten steht, kann Camus das ausdrücken, worum es ihm geht.

Zur Person:
Dr. Svantje Guinebert war von 2012 bis 2021 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie der Universität Bremen tätig, wo sie 2017 mit einer Dissertation über Die Selbstzuschreibung letztinstanzlicher Autorität promoviert wurde. Diese Arbeit erschien 2018 bei mentis unter dem Titel Hörigkeit als Selbstboykott. Eine philosophische Studie zu Autorität, Selbstkonstitution und Autonomie. Seit April 2021 ist sie Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Philosophie der Universität Leipzig. Zudem war sie Projektleiterin des vielbeachteten Projekts Die Universität Bremen liest Albert Camus: Die Pest, das im Rahmen der Initiative „Eine Uni – Ein Buch“ organisiert wurde (mehr dazu hier im Blog: Solidarität neu befragen – eine ganze Uni liest „Die Pest“). Ihre Forschungsinteressen liegen in der Existenzphilosophie, der Moralbegründung, der Philosophie des Humors und der Philosophiedidaktik.

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Die Ringvorlesung läuft bis zum 12. Juli 2021 und wird über das Internet gestreamt. Alle Termine im Blog hier

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Verwandte Beiträge:
Solidarität neu befragen – eine ganze Uni liest „Die Pest“

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Düsseldorfer Ringvorlesung (6): 70 Jahre „Der Mensch in der Revolte“ – unter die Lupe genommen von Lou Marin

Ein Kaffee mit Lou Marin: Der Übersetzer von Camus‘ Combat-Texten an einem sonnigen Januarmorgen 2015 an seinem Wohnort Marseille. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Von den Jugendschriften Camus‘ die Oliver Victor in der vergangenen Woche kompetent gewürdigt hat, springen wir am kommenden Montag mit einem großen Satz über das Absurde hinweg mitten in die Revolte: Lou Marin, einer der wichtigsten Camus-Kenner der „Revolte“ überhaupt, spricht über

 „70 Jahre Der Mensch in der Revolte von Albert Camus. Kontroversen und Verteidigungen direkt nach Erscheinen 1951/52″

Lou Marin schreibt dazu:


Das vor 70 Jahren erschienene Hauptwerk von Albert Camus, Der Mensch in der Revolte, basiert auf einer ahistorischen Wertsetzung am Ursprung der Revolte und der fortlaufenden Treue (fidélité) zu diesem Wert. Das Ideal der reinen Verweigerung, das „Nein!“, darf nicht durch das Überschreiten einer Grenze auf dem Weg von der Revolte zur Revolution, nämlich die Reproduktion der Gewalt der Herrschenden und mit ihnen Kollaborierenden, gegen die sich die Revolte ursprünglich richtete, verraten (trahision) werden. Diese Grundthese implizierte am Ende des Buches eine Positionierung Camus‘ auf der bakunistisch-anarchistischen Seite der histoirschen I. Internationale und gegen Marx.
Sie rief unmittelbar, noch 1951 in der Literaturzeitschrift Arts, die Verurteilung durch André Breton und die Surrealisten hervor, 1952 die Verdammung durch Francis Jeanson, Jean-Paul Sartre und die Marxist*innen in Les Temps modernes. Im Vortrag werden beide Angriffe sowie die Verteidigungen Camus‘ unter Rückgriff auf die libertäre Strömung eines Dritten Wegs dargestellt – unter den manichäischen Bedingungen des Kalten Krieges. Camus kritisierte einen grenzenlosen Nihilismus an Breton sowie eine an keinen ahistorischen Wert gebundene marxistische Geschichtsphilosophie bei Sartre. Gegen die zeitgenössische Unterstellung der marxistischen Linken, Camus vertrete eine solitäre, wirkungslose, isolierte („Luft!“) Position wird die Solidarität mehrerer anarchistischer und syndikalistischer Strömungen durch die Positionen von Georges Fontenis, Gaston Leval, Maurice Joyeux, André Prudhommeaux, Rirette Maîtrejean, Simone Weil, Heiner Koechlin und Yves Dechezelles dokumentiert.

Zur Person:
Lou Marin, hat vielfach über Albert Camus veröffentlicht. Ein Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf dem Werkabschnitt der Revolte und den Verbindungen Camus‘ zu anarcho-syndikalistischen Kreisen. 2008 hat er Camus‘ Libertäre Schriften erstmals im französischen Original und 2013 von ihm selbst übersetzt auf deutsch herausgebracht. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen nicht nur über Albert Camus sondern auch über Mahatma Gandhi, Martin Buber und vieles mehr. Lou Marin, geboren 1961, lebt seit 2001 als Journalist, Autor und Übersetzer in Marseille und ist dort Mitglied im „Centre International de Recherches sur l’anarchisme; Internationales anarchistisches Forschungszentrum“ und seit 2013 in der Gruppe „Cercle libertaire et non-violente de Marseille“. 

Lou Marin ist seit 1979 aktiv in gewaltfreien Aktionsgruppen im Rahmen der Anti-AKW-Bewegung bis hin zu Castor-Blockaden, Friedensbewegung der 1980er-Jahre, Netzwerk antirassistischer Notruftelefone sowie Männergruppen gegen Männergewalt in den 1990er-Jahren. Von 1984-2001 war er Mitglied verschiedener Haupt- und Regionalredaktionen der Monatszeitung Graswurzelrevolution (für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft; seit 1972), und ist heute weiterhin regelmäßiger Autor und Mitglied des Herausgeber*innenkreises der Graswurzelrevolution.

Zu seinen zahlreichen Publikationen und Übersetzungen gehören u.a.: 

  • Lou Marin (Hg.): Albert Camus – Libertäre Schriften (1948-1960), Übersetzung aus dem Französischen von Lou Marin, Laika Verlag, Hamburg 2013, 24,90 Euro.
  • Jacqueline Lévi-Valensi (Hg.): Albert Camus – Journalist in der Résistance. Leitartikel und Artikel in der Untergrund- und Tageszeitung Combat von 1944 bis 1947, zwei Bände (übersetzt von Lou Marin), Laika Verlag, Hamburg 2014, je Band 24,90 Euro.
  • Camus gegen Sartre. Gewaltkritischer Anarchismus gegen marxistischen Linksradikalismus als prägende Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts, in: Philippe Kellermann (Hg.): Begegnungen feindlicher Brüder. Anarchismus & Marxismus, Band 2, Unrast 2012, S. 62-80.
  • Rirette Maîtrejean. Attentatskritikerin, Anarchafeministin, Individualanarchistin, Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2016. 
  • Ursprung der Revolte. Albert Camus und der Anarchismus, Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 1998 (überarbeitete Neuauflage in Vorbereitung)

    In Französisch:
  • * Camus et sa critique libertaire de la violence, Éditions Indigène, Montpellier 2010.

Ich habe Lou Marin mehrfach als einen fesselnden Redner kennengelernt, der frei vortragend aus einem immensen Wissenschatz schöpfen kann und freue mich auf seinen Vortrag! Zu unserer Begegnung 2015 in Marseille geht es hier:
„Freiheit um der Freiheit willen“ – Eine Begegnung mit Lou Marin
Vor einem Jahr habe ich hier im Blog einen lesenswerten Gastbeitrag von Lou Marin veröffentlicht:
Albert Camus‘ Kampf gegen die „braune Pest“ – Ein Gastbeitrag von Lou Marin
2017 habe ich ihn anlässlich eines Vortrages in Wuppertal zu Rirette Maîtrejean befragt:
Eine „femme revoltée“: Lou Marin über Rirette Maîtrejean

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Die Ringvorlesung läuft bis zum 12. Juli 2021 und wird über das Internet gestreamt. Alle Termine im Blog hier

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Düsseldorfer Ringvorlesung (5): Oliver Victor nimmt Albert Camus‘ Jugendschriften unter die Lupe

Nach der Pause am vergangenen Pfingstmontag geht es am kommenden Montag, 31. Mai 2021 weiter mit der Düsseldorfer Camus-Ringvorlesung – und das wird spannend. Wer die Vorlesung bislang verfolgt hat, der kennt Oliver Victor bereits als Mitorganisator der Reihe und als kenntnisreichen Moderator der anschließenden Gespräche. Für seinen Vortrag hat er sich ein Thema vorgenommen, das in der Camus-Forschung keine besonders große Aufmerksamkeit genießt, obwohl dort ohne Zweifel schon manche Quelle der späteren philosophischen Entwicklung Albert Camus‘ verborgen liegt: nämlich seine so genannten „Jugendschriften“, mithin die Schriften aus seiner Studienzeit. Titel seines Vortrags ist:

„Zwischen Neuplatonismus und Nietzsche: Camus‘ Jugendschriften“

Dazu schreibt er: Camus‘ berühmte philosophische Essays wie Der Mythos des Sisyphos oder Der Mensch in der Revolte wurden ebenso umfassend rezipiert wie seine literarischen Texte. Weniger bekannt sind indes Schriften aus seiner Studienzeit, die zum einen noch vor den ersten literarischen Essays aus Licht und Schatten verfasst wurden und zum anderen außerhalb der drei großen Werkzyklen des Absurden, der Revolte und der Liebe einzuordnen sind. Dies lässt sie allein aus werkgeschichtlicher Perspektive äußerst interessant erscheinen, zumal sich zeigt, dass in ihnen zentrale Topoi seines späteren Ouvres bereits grundgelegt sind. Vermittels einer Analyse der Écrits de jeunesse (1932-1934) und unter Rekurs auf spätere Texte lässt sich herauskristallisieren, wie sich Camus‘ Werk Stück für Stück konstituiert und transformiert. Zu guter Letzt rücken jene Jugendschriften einmal mehr den Philosophen Camus in den Fokus, dessen detailreiche Nietzsche-Rezeption, Begeisterung für bestimmte Motive neuplatonischer Philosophie und Reflexionen über die Rolle der Kunst dort eindrucksvoll zum Vorschein kommen.
Ausgehend von einer Untersuchung von Form und Inhalt der Jugendschriften möchte der Vortrag die Bedeutung jener Texte insbesondere unter werkgenetischen Gesichtspunkten hervorheben und aufzeigen, dass eine Studie zur Genese des Camusschen Werks um diese Schriften keineswegs herumkommt.

Zur Person:
Dr. Oliver Victor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Heinrich Heine Universität Düsseldorf. Er promovierte mit einer Arbeit zu Kierkegaard und Nietzsche. Initialfiguren und Hauptmotive der Existenzphilosophie (Berlin: de Gruyter, 2021). Seine Forschungs- und Interessensgebiete liegen insbesondere in der Existenzphilosophie und im französischen Existenzialismus, der Geschichte der Philosophie mit besonderem Schwerpunkt auf der Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, der Anthropologie und der Philosophie des Alter(n)s.

Publikationen von Oliver Victor zur Vortragsthematik:

  • „Ich verdanke Nietzsche einen Teil dessen, was ich bin.“ Zur Nietzsche-Rezeption von Albert Camus, in: Geschichte und Gegenwart der Existenzphilosophie, hrsg. v. D. Sölch, O. Victor, Basel: Schwabe, 2021, S. 227-262.
  • Existenzialismus und Alter(n)sreflexion. Zur Anthropologie Albert Camus, in: Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 42/2 (2017), S. 209-234 (mit Christoph Kann).

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Die Ringvorlesung läuft bis zum 12. Juli 2021 und wird über das Internet gestreamt. Alle Termine im Blog hier

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Rebellen im Geiste: Albert Camus, Bob Dylan und Dylan Thomas. Bob Dylan zum 80sten Geburtstag.

Bob Dylan und Albert Camus, wie der Maler Oliver Jordan sie sieht. In dem Fall beide mit Zigarette – nicht das einzige, was die beiden verbindet. @Oliver Jordan

Im Anschluss an einen der vergangenen Vorträge bei der Camus-Ringvorlesung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf fragte eine Studentin (vermutlich der Anglistik) nach einer möglichen Verbindung zwischen Albert Camus und Dylan Thomas. Ob man wisse, ob Camus sein Werk gekannt habe? Gäbe es da nicht Gemeinsamkeiten zum Beispiel in der Haltung der Revolte? – Die Frage blieb unbeantwortet, aber ich musste gerade an sie denken, weil heute allenthalben ein anderer Dylan gewürdigt wird, der aber wiederum, wie es heißt, seinen Namen just aus Verehrung für Dylan Thomas gewählt hat: Bob Dylan, geboren am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmermann in Minnesota/USA und einer der besten Songwriter aller Zeiten, feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Ich weiß nicht, ob die fragende Studentin hier mitliest oder vielleicht noch zufällig bei Recherchen zu Dylan Thomas auf den Blog stößt, aber wäre ihre Frage an mich gegangen, ich würde sie so beantworten:

Dass Camus das Werk des um ein Jahr jüngeren, 1914 im walisischen Swansea geborenen Dichters kannte, ist zwar ziemlich unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Thomas‘ erste Gedichtsammlung 18 Poems erschien bereits 1934 in London, und er war bis zu seinem frühen Tod als Schriftsteller sehr erfolgreich. Seine größte Ausstrahlung zu Lebzeiten dürfte allerdings weniger im französischsprachigen als im englischsprachigen Raum gelegen haben – auch aufgrund von vier großen Lesereisen, die ihn in den USA sehr populär machten. Die Kreise von Dylan Thomas und Albert Camus dürften sich wohl kaum überschnitten haben; Thomas verbrachte sein Leben in dem südwalisischen Fischerdorf Laugharne, wo er auch beigesetzt wurde; er starb 1953 in New York an einer aufgrund seiner anhaltenden Alkoholexzesse nie auskurierten Lungenentzündung. Ob Camus diese betrübliche Nachricht nun zur Kenntnis genommen hat oder nicht, ob er das heute zweifellos berühmteste Gedicht von Dylan Thomas nun kannte oder nicht – eben jenes Gedicht macht die beiden in meinen Augen zu verwandten Seelen – und Bob Dylan können wir getrost noch als dritten in den Bund mit aufnehmen. Wer wie Dylan Thomas dichtet

Do not go gentle into that good night.
Rage, rage against the dying of the light

der ruft auf zur Revolte gegen den Tod, für den ist, wie für Camus unser ganzes Reich von dieser Welt. Der feiert das Licht und das Leben wie Camus, als er schrieb „man kann sein Leben nicht verfehlen, wenn man es ins Licht stellt.“ Kannte Dylan Thomas Camus‘ Essay Der Mythos von Sisyphos? Vermutlich nicht, denn die englische Übersetzung erschien erst nach seinem Tod 1955. Aber Camus‘ Interpretation des Sisyphos als Rebell gegen die Götter, der den Tod überlistet und in Ketten legen lässt, der aus dem Hades entwischt und noch viele Jahre lebt – am leuchtenden Meer, auf der lächelnden Erde – die hätte ihm ganz ohne Zweifel gefallen.

Nur das zählt: Leib und Seele. Der Leib hat seine eigene Seele. Es ist Körper und Pulsschlag, was Camus und Dylan verbindet. Es ist das Existentielle, was sie vor allem Establishment und dessen Negationen schützt (…)“ – das sagt der Kölner Philosoph Theo Roos und hätte dabei wohl auch Camus und Dylan Thomas meinen können, sprach allerdings über Camus und Bob Dylan. Das Interview mit ihm, das sich zu einem veritablen, überaus kenntnisreichen Referat über die Verbindung zwischen den beiden auswuchs, führte ich mit ihm anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises an Bob Dylan 2016. Kennengelernt haben wir uns anlässlich der großen Ausstellung von Oliver Jordan zu Albert Camus 2014 im LVR-Museum Bonn. Den (mit zahlreichen weiterführenden Links zu Bob Dylan versehenen) Beitrag Albert Camus und Bob Dylan erhalten den Literaturnobelpreis möchte ich hiermit allen Albert-Camus-Bob-Dylan-Thomas-Freunden aus Anlass seines heutigen 80sten Geburtstages nochmal ans Herz legen.

Allen Dylan-Camus-Dylan verwandten Rebellen im Geiste empfehle ich die vollständige Lektüre von Do not go gentle into that good night. Den anderen, die das Licht eher auf der anderen Seite sehen, wünsche ich Frohe Pfingsten.

Verwandte Beiträge:
Albert Camus und Bob Dylan erhalten den Literaturnobelpreis
Poeten, Rebellen, Verwandte im Geiste: „Singer, Songwriter & Poets“ von Oliver Jordan im Stadtmuseum Siegburg

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„Schreib ohne Furcht und viel“ – aber versende nicht mit DHL

Ich hatte mich so auf das Paket vom Rowohlt-Verlag mit der druckfrischen deutschen Ausgabe des Briefwechsels von Albert Camus und Maria Casarès gefreut… Schon vor einer Woche wollte ich hier davon berichten, allein: Das Paket ist verschollen. Der bei DHL gestellte Nachforschungsantrag bedürfe einer Bearbeitungszeit von zwei bis sechs Wochen, ich möge mich bitte „ein klein wenig“ gedulden, teilt man mir nach acht Tagen auf Nachfrage mit.

Wobei schon die Nachfrage nicht ganz einfach war, denn zuerst versteht der Bot, bei dem man telefonisch landet, bevor man einen lebenden Menschen an die Strippe kriegt und nachdem man bis an die äußersten Grenzen der Geduld in der dudelnden Leitung gehangen hat, die mitgeteilte Sendungsnummer nicht. Ich trickse ihn mit einem „die Sendungsnummer ist mir nicht bekannt“ aus, aber mein Triumph ist nur von kurzer Dauer, denn beim nächsten Schritt versteht er auf die Frage „handelt es sich um eine Lieferung innerhalb Deutschlands“ das schlichte, klar und deutlich gesprochene Ja nicht. Irgendwann aber gab es dann doch noch Lebendkontakt mit einer durchaus bemühten Person. Die mir nach einiger Nachforschung mitteilt, dass das Paket nie in der auf dem Zustellungszettel angegebenen Packstation angekommen sei. Das wiederum wusste ich schon, denn bei eben dieser Packstation erhielt ich mit meiner Sendungsnummer die Auskunft, es läge keine Sendung für mich vor. Warum könne sie auch nicht sagen, so die freundliche Person weiter. Vermutlich sei die Station voll oder defekt gewesen. – Ich versuche mal kurz, den Vorgang zu rekonstruieren: Paketzusteller*in trifft mich nicht zuhause an. Er oder sie wählt statt einen der drei im nahen Umkreis liegenden, von echten Menschen betriebenen Paketshops eine weiter entfernt liegende Packstation aus, ohne zu wissen, ob da noch Platz ist oder ob sie überhaupt funktioniert. Fährt mit meinem Paket dorthin, um festzustellen, dass kein Platz ist oder sie nicht funktioniert. Legt das Paket wieder in den Wagen. Der nächste Schritt verläuft im Dunkeln…

Tatsächlich habe ich jetzt sogar noch einige Zwischenschritte beim Versuch der Kontaktaufnahme und Nachforschung ausgespart, ich wollte Eure Geduld nicht weiter strapazieren. Ich bin im Prinzip ein eher geduldiger Mensch, habe mich aber doch ein ganz klein wenig aufgeregt.

Da kann man wohl nur froh sein, dass es zu Camus‘ Zeit noch kein DHL gegeben hat. Man stelle sich nur mal vor, Albert hätte auf diesem Weg ein Manuskript an Gallimard schicken wollen – Die Pest wäre vielleicht nie erschienen.

Premierenlesung am 18. Mai per Stream aus Freiburg

Ein kleiner Trost ist die Tatsache, dass wir uns schon am morgigen Dienstag, 18. Mai 2021, erstmals aus dem unter dem Titel Schreib ohne Furcht und viel. Eine Liebesgeschichte in Briefen 1944-1959 aus dem am selben Tag bei Rowohlt veröffentlichten Briefwechsel vorlesen lassen können. Möglich macht es die Lesereihe Freiburger Andruck, welche Lesung und Gespräch mit dem Übersetzer Tobias Scheffel als Livestream im Netz überträgt. Der umfangreiche Briefwechsel von Albert Camus und Maria Casarès aus den Jahren 1944-1959 wurde erstmals 2017 in Frankreich bei Gallimard veröffentlicht. Der Rowohlt Verlag veröffentlicht die deutsche Übersetzung von Claudia Steinitz, Andrea Spingler und Tobias Scheffel.

Der Freiburger Übersetzer Tobias Scheffel stellt den Briefwechsel im Gespräch mit dem Chefdramaturgen des Theater Freiburg Rüdiger Bering vor. Gemeinsam mit der Schauspielerin Anja Schweitzer liest er ausgewählte Briefe.

Termin:
Dienstag, 18. Mai 2021, 19.30 Uhr. Die Veranstaltung findet als Livestream aus dem Literaturhaus auf der Seite www.infreiburgzuhause.de statt. Der Stream ist kostenlos, eine Spende ist erwünscht. Weitere Informationen: www.freiburg.de/freiburgerandruck

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Düsseldorfer Ringvorlesung (4): Holger Vanicek spricht über „Die Zerrissenheit bei Albert Camus“

Am kommenden Montag, 17. Mai 2021, geht die Ringvorlesung „Albert Camus – ein Philosoph wider Willen?“ der Heinrich Heine Universität Düsseldorf in die vierte Runde.

Nachdem es bei zwei der drei vergangenen Veranstaltungen um Camus im Vergleich mit (und Konkurrenz zu) Jean-Paul Sartre ging, steht er diesmal im Zentrum der Betrachtung, und zwar mit einem Thema, das sicherlich sowohl für sein Denken als auch für sein Leben zentral ist: Die Zerrissenheit bei Albert Camus lautet der Titel des Vortrags von Holger Vanicek.

Vorgetragen wird das Thema diesmal von einem Referenten, der an dieser Stelle durchaus bekannt erscheinen mag, wenn auch eher unter seinem „Zweitnamen“ Sebastian Ybbs: Holger Vanicek ist Vorsitzender der Albert Camus Gesellschaft in Aachen. Zu seinem Thema schreibt er:


„Die Diskrepanz zwischen Selbst-Sein und Sein in der Welt löste bei Albert Camus vielfach das Gefühl der Zerrissenheit aus. Seine Erörterungen in grundlegenden Fragen des Lebens geben zwar Aufschluss darüber, wie er den Herausforderungen begegnen wollte, lösen sich jedoch nicht in befriedigende Antworten auf. Der Terminus taucht in seinem gesamten Werk immer wieder auf, ebenso in seinen Selbstbetrachtungen, dabei geht es mehr als nur um eine Umschreibung bestimmter Sachverhalte. Die Zerrissenheit wird selbst zum Begriff einer Lebenshaltung, die es ablehnt, über vereinfachte Lösungen inneren und äußeren Konflikten auszuweichen.“

Zur Person:
Holger Vanicek ist Bildhauer und Schriftsteller (unter dem Pseudonym Sebastian Ybbs).
In seiner Jugend hatte er mit den Schriften von Nietzsche seine erste Berührung mit der Philosophie, die Ausgangspunkt einer nicht zu stillenden Neugierde wurde. Durch seine spätere Beschäftigung mit den französischen Existenzialisten stieß er auf Albert Camus, der ihn seitdem nicht mehr losgelassen hat. Zwischen Ready-Mades und Abstraktionen beruft er sich in seiner künstlerischen Arbeit unter anderem auf Grundkonzeptionen der Phänomenologie, die auch die narrativen Aspekte seines schriftstellerischen Schaffens bestimmen. Seine Romanfiguren brauchen keine große Gesten, um sich auszudehnen, sie entfalten sich im Nichts, vor dem Hintergrund großer Ereignisse.

Holger Vanicek ist Präsident der 2014 gegründeten deutschsprachigen Albert Camus Gesellschaft. Aus seiner Beschäftigung mit der Zerrissenheit bei Albert Camus ist bereits ein belletristisches Werk erschienen (Die Unendlichkeit geteilter Tage, Schardt-Verlag, 2019), dem in Kürze seine analytische Abhandlung des Sujets folgen wird.

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Die Ringvorlesung läuft bis zum 12. Juli 2021 und wird über das Internet gestreamt. Alle Termine im Blog hier

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Düsseldorfer Ringvorlesung (3): Heiner Wittmann über Philosophie, Literatur und Kunst bei Sartre und Camus

„Ohne Zweifel ist Jean-Paul Sartre der bessere Philosoph, Camus vielleicht der bessere Schriftsteller.“ Das findet jedenfalls der Romanist, Historiker und Politikwissenschaftler Heiner Wittmann, der am kommenden Montag, 10. Mai 2021, den dritten Vortrag bei der Düsseldorfer Camus-Ringvorlesung halten wird. Man darf gespannt sein, ob der Referent darauf näher begründend eingehen wird, und wie sich dies in sein Hauptthema einfügt, das da lautet:

„Philosophie, Literatur und Kunst. Albert Camus und Jean-Paul Sartre.“

Dazu schreibt er in der Ankündigung:

„Beide Autoren haben ihre philosophischen und theoretischen Werke mit fiktionalen Texten illustriert. Genauso wie beim Philosophen Sartre waren auch Camus‘ theoretische Überlegungen ganz besonders eng mit der (Tages-)politik verbunden. Zur Bestimmung des philosophischen Gehalts ihrer Werke muss aber auch das jeweilige Gesamtwerk betrachtet werden, in dem bei beiden Autoren philosophische Überlegungen jeweils ein Werkteil ist, der bei beiden durch die Literatur ergänzt wird. Es ist bemerkenswert, dass in der Forschung noch immer ein dritter Werkteil beider Autoren, nämlich die Kunst(-philosophie), ihre Überlegungen zur Ästhetik, unterbewertet wird.“

Zur Person:
Dr. Heiner Wittmann (geb. 1955 in Köln) hat in Paris und Berlin Romanistik, Geschichte und Politikwissenschaften studiert. Er ist Mitglied des Vorstandes der Sartre-Gesellschaft. Seit 1989 war er in verschiedenen Verlagen der Klett-Gruppe in Stuttgart tätig, seit 2010 in der Presseabteilung der Ernst Klett AG. Seit 2006 führt er den blog www.france-blog.info; außerdem schreibt er auf dem blog von klett-cotta. Seine Website: www.romansitik.info. 2012 wurde er mit der Ernennung zum Chevalier dans l’Ordre des Palmes Académiques geehrt. Dem Thema der Ästhetik widmet sich Heiner Widmann schon lange: Bereits seine Dissertation 1987 galt der Ästhetik im Werk von Jean-Paul Sartre. Veröffentlichungen u.a.:

  • Von Wols bis Tintoretto. Sartre zwischen Philosophie und Kunst , (Bonner Romanistische Arbeiten hg. von Wolf-Dieter Lange, Eberhard Leube und Heinz-Jürgen Wolf), Bonn 1987
  • Sartre und die Kunst. Die Porträtstudien von Tintoretto bis Flaubert. Tübingen 1996
  • Albert Camus. Kunst und Moral. Frankfurt am Main 2009
  • Sartre, Camus und die Kunst. Die Herausforderung der Freiheit. Frankfurt am Main 2020.

Die Ringvorlesung läuft bis zum 12. Juli 2021 und wird über das Internet gestreamt. Alle Termine im Blog hier

Die Vorträge mit anschließendem Zoom-Gespräch finden jeweils von 16.30 bis 18 Uhr statt. Alle Interessierten, die sich nicht über das Studierendenportal der Uni Düsseldorf anmelden können, wenden sich bitte per Mail an Oliver.Victor@uni-duesseldorf.de, um die Zugangsdaten zu erhalten.

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