Albert Camus und seine Briefpartner sind Thema bei den Rencontres Méditerranéennes im Oktober in Lourmarin

Blick auf Lourmarin, wo im Oktober wieder die Rencontres Méditerranéennes Albert Camus stattfinden. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

So gerne denke ich an meinen Aufenthalt in Lourmarin vor zwei Jahren, als ich bei den Rencontres Méditerranéennes einen Vortrag halten durfte, so viele andere Camus-Kennerinnen und -Enthusiasten kennenlernte und von Camus‘ Terrasse aus auf die Hügel in der Abenddämmerung blickte. Das waren unvergessliche Momente!

Auch in diesem Jahr finden die Rencontres wieder statt, diesmal mit dem Thema „En amitié proche: Albert Camus et ses correspondants.“ Ein spannendes Thema, offenbart sich in den erst in den letzten Jahren nach und nach veröffentlichten Briefwechseln etwa mit René Char, Roger-Martin du Gard oder Jean Grenier doch noch einmal sehr viel mehr vom Menschen Albert Camus, als wir durch seine Werke und deren Interpretationen kennen. Ich wünsche schon jetzt allen Camus-Freunden und -Freundinnen zwei wunderbare, inspirierende Tage!

Info: Die XXXIV. Rencontres Méditerranéennes finden am Freitag und Samstag, 6. und 7. Oktober 2017, im Salle Camus in Lourmarin statt. Das genaue Programm siehe unten oder auf der Webseite sowie auf der Facebook-Seite der Rencontres.

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„Der Berg liest“ – und 365 Tage Camus ist auch dabei

Der Berg liest  und 365 Tage Camus ist auch dabei. In diesem Jahr habe ich mich entschlossen, bei dieser schönen Aktion am 1. Oktober einmal nicht als Zuhörerin unterwegs zu sein sondern selber vorzulesen. Gar nicht so leicht diese Entscheidung, denn es macht immer großen Spaß, den ganzen Tag lang nach Lust und Laune von Ort zu Ort zu gehen und den verschiedendsten Lesungen zu lauschen. Und dabei bei wildfremden Menschen im Wohnzimmer, in der Küche, auf dem Dachboden, im Treppenhaus oder meinetwegen auch in der Garage zu sitzen. Es soll sogar schon mal jemand im Auto oder in einer Telefonzelle vorgelesen haben, aber das habe ich nicht selbst erlebt. Vorgelesen wird das, was dem Vorlesenden am Herzen liegt – egal ob eigene Texte, Gedichte, Romanauszüge, Märchen oder Kurzgeschichten, ob Zeitgenössisches oder Klassiker.

Dabei kann man natürlich schöne Entdeckungen machen. Literarische Entdeckungen, menschliche Entdeckungen, die eigene Nachbarschaft entdecken und das Viertel, denn gelesen wird auchin Ladenlokalen, Kneipen, Ateliers, Klassenzimmern, Werkstätten und Cafés. „Der Berg“, das ist die Wuppertaler Nordstadt, der „Ölberg“, der so heißt, weil dieses Viertel einst als letztes der Stadt elektrifiziert wurde und die Bandweber, die hier vorwiegend lebten, ihre Heimarbeit bis in die Nacht beim Schein der Öllampen verrichteten. Es ist übrigens eines der größten sanierten Altbaugebiete mit Bebauung überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und der Jahrhundertwende in Deutschland, das glücklicher Weise von den verheerenden Bombenangriffen auf Wuppertal im Zweiten Weltkrieg verschont blieb. Ich finde: Auch wenn die Idee dieses Lesefestival vielleicht erstmal die war, dass Nachbarn sich gegenseitig und ihr eigenes Viertel besser kennenlernen, ist es auch für auswärtige Besucher eine ganz besondere Gelegenheit, einen sehr schönen Teil von Wuppertal zu entdecken und seine netten Bewohner kennenzulernen. Und wollten Sie nicht sowieso immer schon mal mit der Schwebebahn fahren?

Die Idee zu diesem Lesefestival, das heuer schon zum vierten Mal stattfindet, hatte der Verein „Unternehmer/innen für die Nordstadt e.V.“. Der Verein koordiniert die Aktion und organisiert die Öffentlichkeitsarbeit. Beim letzten Mal gab es 200 Lesungen an 70 Orten, und die Veranstalter hoffen natürlich, dass diese Zahl auch in diesem Jahr wieder erreicht wird. Für Nordstädter und Ölbergerinnen, die hier mitlesen: Bis zum 14. September kann man sich noch anmelden. Macht doch auch mit!

Bei so einem Angebot fällt die Auswahl natürlich schwer, aber ich hoffe, dass doch der ein oder die andere den Weg zu mir und Camus finden wird. Ich lese allerdings nicht im Wohnzimmer sondern in unmittelbarer Nachbarschaft in der Diakoniekirche, Friedrichstraße 1. Keine Sorge, sakral wird es nicht. Die frühere Kreuzkirche wird von der Diakonie als ein sozio-kultureller Nachbarschaftstreffpunkt betrieben, mit einem Gemeinschaftsgarten, Suppenküche und Café und verschiedenen Angeboten. Sie liegt freilich am Rande des „Ölbergs“ und somit nicht im Zentrum des Geschehens. Umso besser geeignet als Ausgangs- oder Endpunkt der Lesetour, für die man am 1. Oktober von 10 Uhr bis Mitternacht Zeit hat. Alle Leseorte werden in einer Karte verzeichnet, die man sich hier schon mal anschauen kann. Sicher werden aber noch Stationen hinzukommen.

Bis dahin habe ich noch Zeit mich zu entscheiden, was ich Ihnen vorlesen werde. Fest steht bislang nur, dass es eine Auswahl aus den Literarischen Essays von Camus sein wird (und vielleicht auch die ein oder andere Kleinigkeit aus dem Blog). In kleinen Portionen von 20 bis maximal 30 Minuten, und zwar um 15.10 Uhr, 16.20 Uhr, 17.45 Uhr, 19.10 Uhr, 20.20 Uhr. Am besten, Sie merken sich das schon mal vor. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, Sie zu sehen! In diesem Sinne: à bientôt!

Termin: 1. Oktober 2017. Sie treffen mich in der Diakoniekirche, Friedrichstr. 1, Wuppertal-Elberfeld. Uhrzeiten siehe oben.

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Schockstarre oder Selbstgerechtigkeit? Camus-Gesellschaft in Aachen lädt wieder zur Diskussionsrunde ein

Auch die Albert Camus-Gesellschaft in Aachen kehrt aus der Sommerpause zurück und lädt wieder einmal im Monat zum offenen Gesprächskreis ein. Wenn ich die Ankündigungen lese, tut es mir immer leid, nicht dabei sein zu können. Denn hier treffen sich keine Camus-Experten, die über die einzig gültige Auslegung der Textpassage xy im Vergleich zu yz debattieren. Das kann zwar auch interessant sein, aber mir gefällt, wie Gesprächsleiter Sebastian Ybbs immer wieder die Brücke von Camus zu ganz und gar gegenwärtigen Themen schlägt und die Teilnehmer*innen dazu bringt, nicht nur über Camus sondern auch über sich selbst und die Welt, in der wir leben, nachzudenken und sich darüber auszutauschen.

Schockstarre oder Selbstgerechtigkeit?
Wie reagieren wir, wenn wir Menschen in Not wahrnehmen?

So lautet das Thema zur Saisoneröffnung am kommenden Dienstag, 5. September. Als Impuls und Brücke zu Camus hat Sebastian Ybbs eine schöne Passage aus Der Fall gefunden:

«Es war eine Stunde über Mitternacht; ein feiner Regen fiel, ein Nieseln vielmehr, dass die vereinzelten Fußgänger verscheuchte. Ich kam eben von einer Freundin, die nun gewiss bereits schlief. Ich war glücklich über diesen Gang durch die Nacht, ein wenig benommen, und das Blut, das meinen beruhigten Körper durchpulste, war sanft wie der Regen. Auf der Brücke erblickte ich eine Gestalt, die sich über das Geländer neigte und den Fluss zu betrachten schien. Im Näherkommen gewahrte ich, dass es eine schlanke, schwarz gekleidete junge Frau war. Zwischen dem dunklen Haar und dem Mantelkragen war ein frischer, regennasser Nacken sichtbar, der mich nicht gleichgültig ließ. Eine Sekunde lang zögerte ich, dann setzte ich meinen Weg fort. Auf dem anderen Ufer schlug ich die Richtung zum Platz Staint-Michel ein, wo ich wohnte. Ich hatte schon etwa fünfzig Meter zurück gelegt, als ich das Aufklatschen eines Körpers auf dem Wasser hörte; in der nächtlichen Stille kam mir das Geräusch trotz der Entfernung ungeheuerlich laut vor. Ich blieb jäh stehen, wandte mich jedoch nicht um. Beinahe gleichzeitig vernahm ich einen mehrfach wiederholten Schrei, der flussabwärts trieb und dann plötzlich verstummte. In der unvermittelt erstarrten Nacht erschien mir die zurückgekehrte Stille endlos. Ich wollte laufen und rührte mich nicht. Ich glaubte, dass ich vor Kälte und Fassungslosigkeit zitterte. Ich sagte mir, dass Eile not tat, und fühlte, wie eine unwiderstehliche Schwäche meinen Körper überfiel. Ich habe vergessen, was ich in jenem Augenblick dachte. „Zu spät, zu weit weg ..“ oder etwas Derartiges. Regungslos lauschte ich immer noch. Dann entfernte ich mich zögernden Schrittes im Regen. Ich benachrichtigte niemand.»¹

Termin: Dienstag, 5. September, 20 Uhr, im LOGOI, Jakobstraße 25a in Aachen (kein Eintritt). Weitere Termine: 17. Oktober, 7. November, 5. Dezember.

¹ Albert Camus, Der Fall. Deutsch von Guido G. Meister. Rowohlt Sonderausgabe März 1961, Seite 75-76. Originalausgabe: La chute, Gallimard, Paris 1957.

 

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Ein Spielplatz für Sadisten? – „Caligula“ hatte am Hessischen Staatstheater in Darmstadt Premiere

Caligula (Christoph Bornmüller) schaukelt am Hessischen Staatstheater Darmstadt. Im Vordergrund seine Geliebte Drusilla (Gabriele Drechsel), hinten Stefan Schuster und Yana Robin la Baume. ©Foto: Robert Schittko.

Da habe ich den Caligula in Berlin und Düsseldorf in der Saisonvorschau angekündigt und dabei übersehen, dass er in Darmstadt schon längst gestartet ist… Aber beim Fischen im Worlwideweb rutscht halt öfter mal was durchs Netz. Premiere war am 25. August beim Hessischen Staatstheater Darmstadt, und so gibt es auch schon einige Premierenkritiken. Christoph Mehlers Inszenierung kommt dabei nicht sonderlich gut weg. Von „zähem Witzeaufsagen, langwierigem Hin und Her, strapaziösem Gezeter und Gezicke“ berichtet Shirin Sojitrawalla auf Nachtkritik.de; dass andererseits „dem Abend im Zusammenspiel des Schurken-Paares rührende Momente“ gelingen scheint da ein bisschen wenig. Stefan Benz wundert sich in der  Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift „Spielplatz für Sadisten“: „Uli Aumüllers Übersetzung von Albert Camus‘ Drama ,Caligula‘ liest sich als Polit- und Psychothriller so packend, dass einem die Maßlosigkeit des Diktators erschreckend aktuell vorkommen muss. Das Darmstädter Staatstheater reagiert mit seiner ersten Saison-Premiere dieses selten gespielten Stücks also auf die Krise der Demokratien und den Vormarsch der Autokraten. Und das Bemerkenswerteste an Christoph Mehlers Inszenierung in den Kammerspielen ist, dass sie dieses Angebot konsequent ignoriert.“ Was stattdessen aus Sicht des Kritikers geboten wird, gibt der Text zwar durchaus her, klingt aber langweilig: „Caligula macht aus Rom ein Bordell, und bei Hofe ergehen sie sich unter der Sado-Schaukel ruckelnd und juckelnd in masochistischer Erregung.“ Auch Judith von Sternburg in der Frankfurter Rundschau ist nicht überzeugt: „In den Kammerspielen in Darmstadt zeigt sich die Geschichte um den Politiker, der sich alle Freiheiten nimmt, als am Ende liebevoll, aber unverbindlich inszenierter Alptraum.

Aber wie immer gilt: Man muss sich selbst ein Bild machen.

Im Programmheft, das man über die Theaterseite runterladen kann, heißt es: «Regisseur Christoph Mehler liest „Caligula“ als „Oratorium für einen Despoten“, eine Sinn-Suche, bei dem alle Figuren des Stücks das Gedankenspiel eines Menschen sind. In Kaiser Caligulas Kopf kommt es dabei zu einer Verschiebung: von der Normalität zur Perversität. Ein großer, oft chorischer Todesgesang erklingt. Kaiser Caligula wird zum „Negativ Jesus“, der die Grundfesten der Gesellschaft erschüttert, sie auf den Prüfstein stellt und Möglichkeiten zu einer Umwälzung, einer neuen Gesellschaft gibt. Er tut das mit eigenem, schmerzhaften Einsatz, indem er sein Leben zur Disposition stellt. „Caligula“ als Spiel über Leben und Tod, Gott und Teufel und einen Kaiser, der sich seiner gestalterischen Machtposition bewusst wird und die hedonistische, vorteilsbedachte, egoistische Patriziergemeinschaft in ihren Grundfesten erschüttert.»

Ebenfalls dort findet sich ein Kurzinterview mit Christoph Mehler. Auf die Frage, warum das Stück gerade jetzt für ihn so wichtig sei, antwortet der Regisseur: „Caligula ist sicherlich ein wichtiges Stück, weil es uns dazu auffordert über den Sinn und Unsinn des Lebens nachzudenken. Es ist ein unangenehmes Stück, weil es uns keine Antworten liefert, sondern uns in Caligulas schrecklichen Abgrund zieht, in eine Welt voll Chaos, Hass und Gewalt. Ich lese das Material als einen Aufruf für Menschlichkeit, Solidarität, Altruismus, Empathie und Liebe.

Das hat Christoph Mehler aus meiner Sicht schön und richtig auf den Punkt gebracht. Nun bin ich aber sehr neugierig geworden, ob und wie sich diese Auffassung entgegen der Kritiken in seiner Inszenierung nicht vielleicht doch noch wiederfindet. Die Termine sind jedenfalls schon mal vorgemerkt!

Termine: 
2. und 9. September, 1. Oktober, 5. und 10. November. Info und Karten hier.

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Saisonstart an den Theatern: Caligula ist eine Frau, und Clamence tanzt. Meursault und Moussa kommen wieder.

Das Euro Theater Central in Bonn bringt Camus‘ Roman „Der Fall“ in einer Fassung für einen Schauspieler (Raphael Traub) und einen Tänzer (Olaf Reinecke) auf die Bühne. ©Foto: Lilian Szokody

Im September gehen bei den Bühnen im Land die Vorhänge wieder auf. Da wird es Zeit, sich die Theaterprogramme für die kommende Spielzeit vorzunehmen und nach Camus zu durchforsten. Das April-Hoch mit zwölf deutschsprachigen Bühnen, die Camus spielen, wird in dieser Saison wohl nicht erreicht werden. Aber immerhin habe ich doch schon einige Premieren entdeckt, ebenso wie Häuser, die „ihren“ Camus aus der abgelaufenen mit in die kommende Spielzeit nehmen. Das Neue aber zuerst.

Caligula in Berlin und in Düsseldorf

Sowohl das Schauspielhaus in Düsseldorf als auch das Berliner Ensemble bringen eine neue Inszenierung von Camus‘ Caligula heraus. Das Berliner Ensemble (BE) eröffnet am 24. September die erste Spielzeit unter der Intendanz von Oliver Reese gar mit Caligula – ein starkes Statement zur Aktualität von Camus. Schließlich hat Oliver Reese es  ausdrücklich als Auftrag an das Berliner Ensemble formuliert, „sich mit den drängenden Themen unserer Zeit zu beschäftigen und gesellschaftliche Fragen auf der Bühne zu diskutieren“. Despotismus, übersteigerter Machtwille, Willkürherrschaft und die vielfältigen Weisen, darauf zu reagieren – an aktuellen Bezügen zur Gegenwart besteht gewiss kein Mangel, und man darf gespannt sein, wie sich das in der Inszenierung von Antú Romero Nunes niederschlagen wird. Die Titelrolle hat der Regisseur mit einer Frau besetzt: Constanze Becker kehrt mit dieser Inszenierung von Frankfurt/Main nach Berlin zurück. Caligulas Geliebte Caesonia wird konsequenter Weise von einem Mann (Oliver Kraushaar) verkörpert. Termine: Premiere 21. September (ausverkauft), 29. September., 1., 2., 10., 17., 18., 25., 29. Oktober. Infos zum Vorverkauf hier. Auf die Inszenierung am Schauspielhaus Düsseldorf muss man leider noch etwas länger warten, die Premiere ist erst für März 2018 angekündigt.

Der Fall als getanzter Bühnenmonolog in Bonn

Beim kleinen Euro Theater Central in Bonn waren die Inszenierungen von Camus‘ Die Gerechten und Der Fremde über Jahre Dauerbrenner. Jetzt sind sie (vorerst) aus dem Programm verschwunden. Dafür kommt aber zum Saisonstart am 14. September eine neue Produktion heraus: In Zusammenarbeit mit der Tanzkompanie bo komplex entsteht eine Bühnenversion von Camus‘ Roman Der Fall (Inszenierung: Bärbel Stenzenberger, Musikkomposition: Helena Rüegg). Eine Tanztheaterproduktion auf so kleiner Bühne bei so großer Nähe zum Publikum ist eine spannende Sache. Ebenso die Frage, wie die Inszenierung Körper- und gesprochene Sprache bei diesem Text, der ein einziger großer Monolog ist, zusammenbringen wird. Ein Schauspieler (Raphael Traub) und ein Tänzer (Olaf Reinecke) werden gemeinsam auf der Bühne agieren. Termine: 14., 15., 16. September, 20 Uhr, 17. September, 18 Uhr, 23. und 24. Oktober, 20 Uhr. Infos zum Vorverkauf hier.

Der Fremde auf der Bühne des Societätstheaters in Dresden

Der Fremde ist zwar bekanntermaßen kein Theaterstück, dennoch hat es in jüngerer Zeit mehrfach Bühnenfassungen von Camus‘ Roman gegeben. Darunter auch das Societätstheater in Dresden, das die Inszenierung von Arne Retzlaff aus der vergangenen Saison wieder aufnimmt. Termine: 14. und 30. Oktober, 20 Uhr.

Der Fall Meursault bei den Münchner Kammerspielen

Furore gemacht hat die „Gegendarstellung“ zu Camus‘ Roman von Kamel Daoud Der Fall Meursault, in dem der von Meursault getötete namenlose Araber einen Namen, Moussa, und eine Geschichte erhält – erzählt von seinem Bruder. Auch dieser Roman hat es ja schon längst mehrfach auf die Bühne geschafft. Bei den Münchner Kammerspielen erfährt die Inszenierung von Amir Reza Koohestani eine Neuauflage. Termine: 6. und 29. Oktober, 20 Uhr. Eine Kostprobe gibt’s hier im Video:

 

Ich würde natürlich wieder mal am liebsten für sämtliche Aufführungen quer durch die Republik reisen. Leider bleibt es aus Mangel an Zeit und Gelegenheit zumeist bei den Ankündigungen. Aber wenn Sie, liebe Blog-Leserinnen und Camus-Freunde, eine Aufführung gesehen haben, dann berichten Sie doch hier im Kommentar davon. Ich bin mir sicher: Auch die anderen Leser*innen werden sich freuen! In diesem Sinne: Auf eine spannende Theatersaison 2017/18 und à bientôt!


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Mit Camus, Campino und den Toten Hosen am Wannsee

Zum Ausklang eines selbst in Wuppertal unverhofft schönen Sommersonntages hier einfach mal ein bisschen Musik… Hören, schauen und staunen, wo man überall Camus begegnet! Zu gerne wüsste ich, wer von den Toten Hosen darauf gekommen ist, das Mädel im Video zur aktuellen Single Wannsee ausgerechnet Die Pest lesen zu lassen… Mir gefällt’s jedenfalls! Kluges Kind findet die womöglich erste Sommerliebe seines Lebens, die prompt von spießigen Eltern durchkreuzt wird – da ist Revolte angesagt! Passt doch alles ;-). Allen Bloglesern und Camus-Freundinnen und allen, die sich jetzt gern an ihre erste Sommerliebe erinnern, wünsche ich noch einen schönen Restsonntag und einen guten Start in die Woche!

www.dietotenhosen.de

 

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Camus auf dem Coffeetable – „Der Fremde“ mit Illustrationen von José Muñoz (75 Jahre „Der Fremde“ 4)

Möglich, dass der eine oder die andere die von mir ziemlich hymnisch besprochenen Graphic-Novel-Versionen von Camus-Werken doch eher als ungebührliche „Camus-Comics“ benaserümpft oder sie allenfalls als literarische Lockvogelangebote für auf visuelle Reize sozialisierte Jugendliche durchgehen lässt. Nun, für all jene hätte ich da noch was anderes im Angebot, nämlich eine Ausgabe von Der Fremde als Coffeetable taugliches Bilderbuchgroßformat für Erwachsene mit Illustrationen von José Muñoz. Gallimard hat diese Ausgabe bereits 2012 zum 70. Jahrestag des Erscheinens von Camus‘ erstem Roman in seiner Reihe Futuropolis herausgebracht. Anders als bei der Graphic Novel von Jacques Ferrandez wird hier der Text nicht in Bilder umgesetzt bzw. von diesen ersetzt, sondern der französische Originaltext wird vollständig wiedergegeben. Einen gewissen Eingriff erfährt der Text dennoch, da er mit vielen Absätzen und Weißräumen gesetzt ist – was zusammen mit den Schwarz-Weiß-Illustrationen von José Munoz einen stimmigen, ausgewogenen Gesamteindruck ergibt. Dazu kommt der verblüffende Effekt, wie viel „lebendiger“ die Hauptperson Meursault als Erzähler dadurch wird: Man „liest“ die Weißräume zwischen den Zeilen oder Absätzen automatisch als Sprechpausen und Atemholen und folgt diesem vorgegebenen Rhythmus statt einem eigenen Lesetempo.

Der 1942 in Buenos Aires geborene Zeichner José Munoz ist für seine expressiven Schwarz-Weiß-Illustrationen bekannt (und mehrfach ausgezeichnet), die in ihrer kontrastreichen Flächigkeit stark an Holz- oder Linolschnitte erinnern, obwohl er mit Pinsel und schwarzer Tusche arbeitet. Dabei greift der Illustrator einzelne, besonders prägnante Szenen heraus, ohne dass er die gesamte Geschichte in Bildern nacherzählt. Ein „Film im Kopf“ wie bei der Graphic Novel entsteht dabei nicht. Durch ihre expressive Überzeichnung und ihren starken Abstraktionsgrad behaupten die oft ganzseitigen Illustrationen neben dem Text eine starke künstlerische Eigenständigkeit. Ob dieser Stil gefällt oder nicht, ist dann letztlich Geschmackssache. Um ehrlich zu sein, bin ich in dieser Hinsicht mit mir selbst ein wenig uneins. Die unzweifelhaft hohe künstlerische Qualität spricht mich an, aber mit der überzeichneten, holzschnittartigen Physiognomie der Charaktere fremdele ich. Allemal ist es aber ein schönes Gefühl, diesen gewichtigen Band in die Hände zu nehmen – ein ganz anderes Schau- und Lesevergnügen als man es bei einem schlichten Taschenbuch hat und deshalb auch ein schöner Anreiz, den Text (wieder oder vielleicht erstmals) im französischen Original zu lesen.

♦ Albert Camus: L’Étranger. Accompagné des Dessins de José Muñoz. Gallimard/Futuropolis, Paris 2012. 144 p., 240 x 335 mm, 24 Euro.

Ein Beitrag in einem englischsprachigen Blog mit weiteren Illustrationen hierZur Webseite von José Muñoz hier. In der gleichen Reihe ist auch eine von José Muñoz illustrierte Ausgabe von Le premier homme erschienen.

Auf youtube kann man José Muñoz beim Zeichnen zuschauen:

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Ein großer Hörgenuss: Ulrich Matthes liest „Der Fremde“ (75 Jahre „Der Fremde“ 3)

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