Heinrich Böll trifft Albert Camus und wird dabei von Oliver Jordan porträtiert. Eric Andersen macht die Musik dazu.

René Böll (li.) und Oliver Jordan bei der Eröffnung der Ausstellung „Augenblicke. Hommage an Heinrich Böll“ in der Kulturkirche Ost in Köln. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Heinrich Böll, klar, hab‘ ich gelesen. Schon länger her. Ansichten eines Clowns, Billiard um halbzehn, Die verlorene Ehre der Katharina Blum… Aber mal ehrlich: Schon den Titel Gruppenbild mit Dame kennen vermutlich die meisten nicht, weil sie Bölls Roman gelesen haben, sondern weil den lieben Journalistenkollegen in den Lokalzeitungen zwischen Flensburg und Oberpfaffenhofen nichts anderes einfällt, was sie unter das jährlich wiederkehrende Gruppenfoto der örtlichen Parteispitze (wahlweise der Wirtschaftsfördergesellschaft, der IG-Einzelhandel oder sonstiger männlich dominierter Gremien) schreiben könnten, sobald sich neben diversen Herren auch eine Dame auf dem Bild befindet. Sein 100. Geburtstag am 21. Dezember diesen Jahres wird ihm sicher wieder mehr Aufmerksamkeit verschaffen, aber das ist ja auch noch ein bisschen hin. Böll gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern, keine Frage, und als solcher abgespeichert lagert er friedlich und nicht weiter beachtet in meinem persönlichen Bildungsspeicher. Lagerte. Bis vor ein paar Tagen.

Vor ein paar Tagen war Pfingstsamstag, und ich folgte einer Einladung von Oliver Jordan zu seiner Ausstellung Augenblicke. Hommage an Heinrich Böll in der Kulturkirche Ost in Köln-Buchforst. Am selben Ort stand am Abend ohnehin schon das Konzert von Eric Andersen auf dem Plan. Ein Treffen von Camus-Freunden gewissermaßen. Denn sowohl die Malerei von Oliver Jordan als auch die Musik von Eric Andersen habe ich erst durch Camus kennen- und dann erst auch ganz unabhängig davon schätzen gelernt. Nach ihrem gemeinsamen Camus-Projekt 2013 und einem weiteren zu Lord Byron widmen sie sich jetzt also Heinrich Böll.

Im harten Licht: Camus von Oliver Jordan in der Kulturkirche Ost. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Der Weg zur Kulturkirche Ost in Köln-Buchforst führt durch ein Wohngebiet; mit dem Auto kommend schlängelt man sich durch enge Straßen und steht dann unversehens vor einem hoch aufragenden, aus fensterlosen Betonwänden bestehenden Bau. Die 1968 eingeweihte Kirche hat die Form eines „unregelmäßigen Tetraeders“ und gilt als „herausragendes Beispiel evangelischer Kirchenarchitektur der Nachkriegszeit“, kann man bei Wikipedia nachlesen. Interessant, aber dem nachzugehen wäre eine andere Geschichte.

Der  Bruchsteinboden des Vorplatzes setzt sich nahtlos im Inneren fort, das mit dunkler Holzverkleidung und grob strukturierten Betonwänden trotz des großen, offenen Raumes düster wirkt. Licht fällt nur von den unter der Dachschräge platzierten Fensterbändern senkrecht an den Wänden herab, wo sich jetzt die Bilder von Oliver Jordan befinden und sich in dieser ungewohnten und extremen Beleuchtungssituation behaupten müssen. Das tun sie gewiss, aber sofern man  Arbeiten von Oliver Jordan kennt, ist der Effekt doch ganz anders als gewohnt.

Dieser Blick! Camus von ©Oliver Jordan. Foto: Anne-Kathrin Reif

Anders als in milderem, frontalen Licht lösen sich jetzt die Porträts nicht erst beim Nähertreten in plastisch hervortretende Farbschlieren auf. Im von oben herabfallenden Licht treten die von der pfundweise aufgetragenen Ölfarbe gebildeten Grate und Täler so deutlich hervor, dass sich auch aus der Ferne nicht die Illusion einer geschlossenen Oberfläche einstellt. Camus, den ich erfreut schon beim Eintreten erblicke, wirkt besonders aufgewühlt in dem hell reflektierenden Licht. Gegenüber auf der dunkel getäfelten Holzwand entdecke ich noch ein kleineres Camus-Porträt auf Pappe, das mir besonders gut gefällt. Mit Camus hatte ich ja gar nicht gerechnet. Auch nicht mit Beckett, Hemingway, Joyce, Tolstoi. Aber das war natürlich kurz gedacht von mir, denn zwar hätte Oliver Jordan mühelos den ganzen Kirchenraum mit seinen über einen Zeitraum von rund 40 Jahren entstandenen Böll-Porträts vollhängen können, aber das hätte an diesem Ort wohl eine zweifelhafte Ausstrahlung von Heiligenverehrung gewonnen.

„Widerstand ist ein Freiheitsrecht“

So finden wir also Heinrich Böll mehrfach zwischen den genannten Dichter- und Denkerkollegen wie im Kreise imaginärer Gesprächspartner. Das passt, denn die Porträts von Oliver Jordan zeigen ihn nicht als einen in sich selbst und die eigene künstlerische Produktion versunkenen Literaten sondern als ein aufmerksames, dem Betrachter zugewandtes Gegenüber. Hier: die Hände geöffnet, wie um einen gerade ausgesprochenen Gedanken zu untermalen. Dort: mit wachem, nachdenklichen Blick, die rechte Hand mit der Zigarette zwischen den Fingern die Stirn berührend, als würde er einem Gesprächspartner zuhören.

Einmal mehr gelingt es Oliver Jordan, einen Menschen in seinen Porträts so „einzufangen“, dass er für den Betrachter lebendig wird. Jetzt habe ich eine Person vor mir, die mich anspricht und mich neugierig macht, mehr von ihr zu erfahren. Dass Heinrich Böll nicht nur ein literarisch bedeutender sondern auch einer der politisch engagierten Schriftsteller der Nachkriegszeit in Deutschland war, habe ich noch im Hinterkopf. Hinweise auf seine Biografie, auf sein Werk finde ich in dem großen, freischwebend im Altarraum aufgehängten Porträt auf Pappe: Fotos, Filmstills aus berühmt gewordenen Verfilmungen seiner Romane, Wortfetzen. Und ein vollständig entzifferbarer Satz: „Widerstand ist ein Freiheitsrecht“.

Im Gespräch: Heinrich Böll, porträtiert von Oliver Jordan. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Ein Zitat von Böll, vermute ich, aber dem muss ich erst noch nachforschen. Ebenso wie der Frage nach der Zusammenstellung der illustren Gesellschaft, in die Oliver Jordan Böll in dieser Ausstellung versetzt hat, und die sicherlich keine zufällige ist. Beckett, Tolstoi, Joyce oder gar Dylan – welche Bedeutung hatten sie für Böll, in welcher Beziehung steht sein Werk zu ihnen? Keine Überraschung, dass mich zunächst und vor allem interessiert: Welche Bedeutung hatte Camus, der nur wenige Jahre ältere Zeitgenosse, für ihn? Gibt es da vielleicht eine besondere Beziehung?

„Camus war ein Wunder“

„Aber ja, gewiss. Er hat Camus sehr geschätzt“, erfahre ich auf meine Frage. Der freundliche, zurückhaltende ältere Herr im graublauen Anzug, der sich im Vernissage-Gewusel im Hintergrund gehalten hat und mir nun bereitwillig Auskunft gibt, ist René Böll, Sohn von Heinrich Böll und sein Nachlassverwalter. Sein Vater habe viel von Camus gelesen, weiß er, und: „Er hat ja auch etwas über ihn geschrieben.“ – Wie jetzt!? Böll? Über Camus? – Ich bin baff. Immer noch staunend folge ich René Böll zum Büchertisch, wo er eine Broschüre vom Stapel nimmt und aufschlägt. Und tatsächlich: Ein Text von Heinrich Böll neben einem Camus-Porträt von Oliver Jordan. Was für eine Entdeckung!

Der Text, erstveröffentlicht auf Englisch am 3. Januar 1970 von BBC London, ist eine Hommage an Camus zu dessen zehntem Todestag. Camus, schreibt Böll, sei ohne „jene schrecklich stupiden und mörderischen Sorgen und Vorurteile, von denen wir Europäer voll sind“ gewesen, ohne die Ressentiments und Aggressionen, die uns geprägt hätten – „er brachte in die europäische und in die Weltliteratur, in die Philosophie und die Theologie die Hitze und die Kälte, Sonne, Sand und Klarheit von Nordafrika.“ Einen „fatalen Schuss Gemütlichkeit“ findet Böll in der europäischen Literatur und wendet sich gegen Dogmatismus jedweder Couleur, den er im „kommunistischen Klerikalismus“ ebenso findet wie im christlichen, ob katholisch oder protestantisch, und genauso im Dogmatismus von dessen Gegnern. In Camus sieht er gewissermaßen einen Geistesverwandten und Mitstreiter, einen, der wie er sich weigert, die herrschenden Dogmatismen zu akzeptieren, einen, der aus dem Widerstand kam und widerständig blieb. Und dann schreibt er diesen Satz: „Camus war ein Wunder.“ Und am Ende: „Wahrscheinlich war er die Erstausgabe eines neuen Menschen, von dem Simone Weil und Teilhard de Chardin träumten.“¹

Diese Bewunderung und dieser tiefe Respekt von einem, der selbst ein Großer war, berührt mich sehr. „Einfach gegenwärtig“ sei Camus, „in einer Art und Weise, die bedeutet: mehr als lebendig im physischen Sinne“, auch das schreibt Böll, zehn Jahre nach Camus‘ Tod. Er ist es bis heute. Heinrich Böll, der 1985 starb, war es zumindest für mich nicht mehr. Die Porträts von Oliver Jordan und die Worte von Böll selbst aber haben ihn für mich ein Stück weit in die Gegenwart geholt. Es ist tatsächlich so, als sei ich ihm an diesem Nachmittag in der Kulturkirche Ost in Köln-Buchforst begegnet. Eine Begegnung, die mich neugierig gemacht hat auf diesen Menschen und darauf, sein Werk noch einmal neu zu entdecken. Noch am selben Abend zog ich die alte DTV-Ausgabe von Ansichten eines Clowns aus dem Regal und legte sie auf den Nachttisch.

 

P.S.: Für einen wunderbaren und stimmungsvollen Ausklang des Tages sorgte am Abend Singer-Songwriter Eric Andersen. Der hatte zwar (leider) weder einen seiner großartigen Camus-Songs noch den im Vorfeld angekündigten neuen Titel über den Sisyphos mitgebracht, und auch von dem musikalischen Böll-Projekt, welches er in diesen Tagen im Kölner Tonstudio einspielte, war noch nicht viel zu hören. Das wenige davon aber weckte Vorfreude, und letztlich ist es ja fast ein bisschen egal, was Eric Andersen spielt – es ist ja immer zum Hineinlegen und drin baden, vor allem, wenn seine Frau Inga Andersen  ihn begleitet. Hoffentlich bald wieder, dann aber mit Böll und Camus!

Eric und Inga Andersen in der Kulturkirche Ost in Köln-Buchforst. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Ausstellung: Oliver Jordan, Augenblicke –Hommage an Heinrich Böll.
Bis 13. Juni in der Kulturkirche Ost in Köln-Buchforst, Kopernikusstr. 34 (Di-Sa 17-20.30 Uhr).

Programm: 
Die politische Philosophin Katja Backhaus spricht zum Thema „Widerstandsrecht ist ein Freiheitsrecht“. Schaupielerin Claudia Gahrke liest Auszüge aus dem noch unveröffentlichten Kriegstagebuch 1943-53 von Heinrich Böll sowie seine Erzählung Die schwarzen Schafe, das Gedicht Meine Muse und Wenn Seamus einen trinken will aus Irisches Tagebuch: Samstag, 10. Juni, 19 Uhr.

Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren und starb am 16. Juli 1985 in seinem Haus im Eifelort Langenbroich. 1972 erhielt er den Literaturnobelpreis. Eine informative Seite zu Leben und Werk Heinrich Bölls aus Anlass seines 100. Geburtstages unter der Redaktion von René Böll findet sich hier: www.boell100.com

¹Heinrich Böll: Albert Camus. Erstveröffentlicht am 3. Januar 1970 in englischer Sprache in: Review – Portrait of a Rebel, BBC London. Dt.: Heinrich Böll, Werke, Kölner Ausgabe Band 16, 1969-1971, hrsg. von J.H. Reid, S. 278-279, erster Abdruck 2008 beim Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln. Hier zitiert nach: Oliver Jordan, Porträts Kunst Kultur. Augenblicke der Gegenwart, Zugänge zur Vergangenheit. Hrsg. von Dr. Ralf-P.Seippel, 2017, S. 14. Limitiertes Vorstellungsmuster (100 Ex.) zur Publikation Oliver Jordan, Porträts – Kunst und Kultur, die 2018 im Kehrer-Verlag erscheint.

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Der Soundtrack für den Winter: Eric Andersens (Camus-)Songs
Wie ich einmal mit Camus übernachtet habe

 

 

 

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Von echtem und falschem Gezwitscher und der Sehnsucht, die Füße in den Sand zu graben

Wandern durch die Macchia, Rosmarinduft in der Nase. Und garantiert kein Mobilfunknetz. ©Foto: A-K. Reif

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich zum ersten Mal den großartigen, an Camus‘ Erzählung Der Gast angelehnten Film Loin des hommes (Den Menschen so fern) anschaute. Ich saß mit einigen Freunden im Kino und war vollkommen versunken in die Szene, wo Daru und Mohammed stundenlang schweigend durch das Atlas-Gebirge marschieren. Es überwältigte mich geradezu, wie die Filmbilder die Erhabenheit der Landschaft und die Einsamkeit der Menschen einfangen, vielleicht hatte ich nie zuvor so sinnlich begriffen, was Camus vor Augen hatte, wenn er von der zärtlichen Gleichgültigkeit der Welt gegenüber dem Menschen schrieb und davon, wie die Fragen des Menschen vom Schweigen der Welt abgewiesen werden. In dem Moment raunte mir meine neben mir sitzende Freundin zu: „Und die gucken nie auf ihr Handy“. – Damals fand ich das unpassend, ein bisschen zu flapsig, und fühlte mich von dem Gedanken ein wenig gestört, für mich existierten in dem Moment keine Handys, so tief war ich eingetaucht in die Filmwelt, in der es naturgemäß keine Mobiltelefone gab.

Im Paralleluniversum der digitalen Welt

Heute muss ich daran denken und weiß, wie sehr ich meiner Freundin damals Unrecht getan habe – hatte sie doch etwas von immenser Tragweite mir ihrer Bemerkung auf den Punkt gebracht. Seit zwei Wochen nämlich nehme ich an einer Fortbildung in „Social Media Management“ teil, wohl wissend, dass die digitale Welt in immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche Einzug halten wird, und dass auch die verschiedenen Bereiche von Journalismus und Kulturvermittlung, in denen ich mich bewege, zunehmend davon durchdrungen werden. Da habe ich (ja, sogar als Bloggerin) noch reichlich Nachholbedarf. Jetzt also tauche ich in diese Welt ein, und es ist, als ob sich ein ganzes Paralleluniversum auftäte. Ihr findet mich jetzt also auch auf Twitter, Instagram und Pinterest, auf Facebook ja sowieso (schließlich kann man sich nicht bloß theoretisch mit all dem befassen), und für mich reißt der unaufhörlich fließende Strom der Bilder und Nachrichten gerade ebenso wenig ab wie der völlig überflüssiger „Statusmeldungen“ und sinnlosen Gezwitschers, aber auch der spannender Artikel und schöner Dinge, bei denen eins zum andern führt und in dem man sich endlos vertrödeln und verlieren kann – aber auch unendlich viel Wissenswertes und Bedenkenswertes erfahren kann. – Und das ist ja jetzt nur ein Aspekt dieser schönen neuen Welt, in der wir heute schon im Netz mit Robotern kommunizieren, ohne es zu merken, und uns per Datenbrille in beliebige Welten versetzen können. Wobei diejenigen, die sich wirklich damit auskennen, jetzt vermutlich über meine quasi-steinzeitlichen Beispiele herzlich lachen, sollten sie hier mitlesen.

Man muss sich schrecklich viel wegdenken

Und was hat das nun mit Camus, Loin des hommes und der Szene im Kino zu tun? Weiterlesen

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Zwei Menschen in der Revolte: Rirette Maitrejean und Jean Ziegler

Gleich noch ein kleiner Nachschlag zu den Camus-Terminen, weil diese beiden zwar nicht zum vorangegangenen Bühnen-Überblick passten, es aber gleichwohl verdient haben, beachtet zu werden: Die Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen zieht den Kreis um Camus bei den nächsten beiden Veranstaltungen etwas größer und stellt „zwei Menschen in der Revolte“ in den Mittelpunkt. Am kommenden Dienstag berichtet der bekannte Camus-Historiker Lou Marin (Übersetzer u.a. von Camus‘ Libertären Schriften) über eine Frau, die sich schon Anfang des 20. Jahrhunderts für eine Anarchie ohne Gewalt und Repressionen ausgesprochen hat: Rirette Maîtrejean. „In ihren Souvenirs d’anarchie wandte sie sich 1913 entschieden gegen die damals üblichen anarchistischen Attentate und Raubüberfälle und löste damit eine konfliktgeladene Diskussion innerhalb der anarchistischen Massenbewegung Frankreichs zu Beginn des ersten Weltkrieges aus. Bereits in den 1920er Jahren stellte sie sich gegen den Staatsterror der jungen Sowjetunion“, heißt es in der Ankündigung. Später sei sie mehrfach Albert Camus begegnet und habe einen starken Einfluss auf sein Denken ausgeübt, wie es sich z.B. in seinem Essay Der Mensch in der Revolte oder dem Drama Die Gerechten zeige, berichtet Lou Marin.

Lou Marin: „Die Anarchie der Rirette Maîtrejean“
Dienstag, 23. Mai 2017, 20 Uhr, im LOGOI, Jakobstraße 25 a in Aachen.

Am Dienstag, 30. Mai, zeigt die Albert-Camus-Gesellschaft in Kooperation mit dem Apollo-Kino in Aachen den Dokumentar-Film Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens mit anschließender Diskussion. Jean Ziegler, eher durch Begegnungen mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Che Guevara beeinflusst, zeigt als Humanist, Mensch der klaren Worte und UNO-Diplomat dennoch viele Parallelen zum Denken und Handeln Camus‘.

Kino im Dialog: „Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens“
Dienstag, 30. Mai 2017, 20.15 Uhr, Apollo Kino, Pontstraße 141-149, Aachen


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Freiheit um der Freiheit willen – Eine Begegnung mit Lou Marin

 

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Auf den Bühnen: Camus vor der Sommerpause

Zweimal Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung: Links an den Kammerspielen München (©Foto: Judith Buss), rechts am Theater Neumarkt in Zürich (mit Mona Hala, Özgür Karadeniz ©Foto: Judith Schlosser).

Nur noch wenige Wochen, bis die Theater in die Sommerpause gehen – da lassen sich die letzten Camus-Termine der Saison schon ganz gut überblicken. Im Vergleich zum April mit der sensationellen Zahl von 13 deutschsprachigen Bühnen, auf denen „Camus“ gespielt wird, ist es zwar deutlich weniger geworden, aber es gibt immer noch einiges zu sehen (die Bühnenadaption von Kamel Daouds Roman Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung habe ich dabei wie immer großzügig einbezogen, denn auch den gäbe es schließlich nicht ohne Camus). Zum ersten Mal taucht übrigens Jonas oder Der Künstler bei der Arbeit in der Liste auf, kein „Stück“ im eigentlich Sinne sondern eine szenische Lesung in einem eher kleinen Züricher Atelier wie mir scheint, und für mich ein interessantes Zeichen, dass  die Beschäftigung mit Camus sich auch auf seine weniger populären Schriften ausweitet.

Ich selbst bekomme leider viel zu wenig „live“ davon mit, und es tut mir immer ein bisschen weh, hier so oft nur Ankündigungen schreiben zu können. Aber da „Camus-Bloggerin“ bedauerlicher Weise keine Existenzgrundlage sondern nur ein schönes Hobby ist, fehlt mir leider die Gelegenheit, für Camus quer durch die Lande zu den Aufführungen zu fahren. Niemand hier unter den Blog-Leserinnen und -Lesern, der etwas davon gesehen hat? Das würde mich wundern… Deshalb heute die herzliche Aufforderung: Trauen Sie sich doch und berichten hier im Kommentar davon! Eine professionelle Kritik ist gar nicht gefragt (dafür gibt’s ja die Kollegen von den Tageszeitungen und Magazinen, die das schon erledigt haben), sondern nur ein kurzer persönlicher Eindruck. Ich würde mich freuen! In diesem Sinne: Allen einen schönen Sonntag und bon courage!

Termine bis Juli 2017:

Caligula (Bjšörn Meyer) am Schauspiel Frankfurt. ©Foto: Birgit Hupfeld

 

 

 

Caligula, Schauspiel Frankfurt. Regie: Dennis Krauss (Premiere: 23. März 2017): 25. Mai, 21. und 22. Juni

 

Das Missverständnis, Figurentheater Ravensburg e.V. (Premiere: 29. Oktober 2016): 8. Juli.

Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung, Bühnenadaption des Romans von Kamel Daoud, Münchner Kammerspiele, Regie: Amir Reza Koohestani (Premiere: 29. September 2016): 28. Mai, 13. Juni

Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung, Bühnenadaption des Romans von Kamel Daoud, Theater am Neumarkt, Zürich. Regie und Ausstattung: Ruud Gielens (Schweizer Erstaufführung. Premiere: 8. März 2017): 30. und 31. Mai, 27. Juni

Der Fremde, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin. Regie: Philipp Preuss (Premiere: 13. November 2016): 8. und 9. Juni, 5. und 6. Juli, Infos

Der Fremde, Euro Theater Bonn, Regie: Jan Steinbach (Premiere: 4. März 2010): 13. Juni (mehr Infos).

Der Fremde, Societaetstheater Dresden, Regie: Arne Retzlaff (Premiere: 22. April 2017): 2. und 3. Juni.

Die Gerechten, Euro-Theater Bonn, Regie: Jan Steinbach (Premiere: 12. Januar 2012): 12. Juni (mehr Infos). Im Blog

Die Gerechten, Oldenburgisches Staatstheater, Regie: Peter Hailer (Premiere: 25. Februar 2017): 18. Mai, 10. und 23. Juni.

Jonas oder Der Künstler bei der Arbeit. Szenische Lesung mit Vincent Leittersdorf (Dramaturgie: Eva Tschui-Henžlová), Atelier Righini-Fries, Klosbachstrasse 150, Zürich: 10. Juni, 17 Uhr (Eintritt frei).

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Nachtrag zum April-Programm: Caligula am Schauspiel Frankfurt

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Über die wahrhaftige Großzügigkeit – Das Zitat zum Sonntag

„Beinahe vollständige Genesung, ich erhoffe sogar eine vermehrte Kraft. Verstehe jetzt besser, was ich immer gewusst habe: Wer sein Leben hinschleppt und unter seiner Last zusammenbricht, kann niemandem helfen, gleichgültig, welche Pflichten er übernimmt. Wer sich beherrscht und das Leben beherrscht, kann der wahrhaft Großzügige sein und mühelos geben. Nichts erwarten und nichts fordern außer dieser Kraft zum Geben und zum Arbeiten.“

Albert Camus, Tagebücher 1951-1959. Deutsche Übersetzung von Guido G. Meister. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1991, S. 281. Eintrag vom 3. Mai 1958.

Das Zitat zum Sonntag ist heute kein zufälliges, denn es knüpft direkt an das letzte, am 9. April veröffentlichte „Zufallszitat“ an. Camus hatte sich einmal mehr aus Depression und Schaffenskrise herausgearbeitet, nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. Ich widme dieses „Zitat zum Sonntag“ heute allen Menschen, denen es gerade an Kraft fehlt und wünsche Ihnen auf dem Weg zur Heilung eine rasche und vollständige Genesung!

 

Verwandter Beitrag: 
Auf dem Weg zur Heilung – Das Zufallszitat zum Sonntag (5)

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Poeten, Rebellen, Verwandte im Geiste: „Singer, Songwriter & Poets“ von Oliver Jordan im Stadtmuseum Siegburg

Oliver Jordan und Bob Dylan bei der Eröffnung der Ausstellung „Singer, Songwriter & Poets“ im Stadtmuseum Siegburg. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Viel Zeit ist nicht gerade, trotz Wochenende, aber einen kleinen Ausflugstipp will ich doch noch rasch einstellen, bevor es zu spät ist. Die Ausstellung, um die es geht, endet nämlich bereits  in acht Tagen, am  7. Mai, und es wäre schade, sie zu verpassen. Die Rede ist von Oliver Jordans „Singers, Songwriters & Poets“ im Stadtmuseum Siegburg. 

Albert Camus mit Zigarette im Entrée zur Ausstellung von Oliver Jordan. Foto: akr

Wer hier mitliest kennt Oliver Jordans Porträtserie von Albert Camus ja bereits, und beim Betreten des Museums im Parterre blickt uns Camus auch sogleich entgegen. Das bleibt dann hier allerdings auch die einzige Camus-Begegnung – aber das ist in diesem Fall nicht so schlimm, denn dafür trifft man eine große Zahl anderer großartiger Persönlichkeiten, die die Welt mit ihrer Sprachkunst, ihrer Stimme und ihrer Musik bereichert haben bzw. dies immer noch tun. Der Reigen reicht von Richard Wagner bis Mick Jagger, von Friedrich Schiller bis Charles Bukowski, von Beckett bis Böll… Hermann Hesse ist dabei, Lord Byron und William Burroughs, Bob Marley, Prince und David Bowie, Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan und Leonard Cohen, der den Preis mindestens ebenso verdient gehabt hätte, und noch einige andere mehr, die es zu treffen lohnt.

Bekennende „Camus-Freundin“: Singer-Songwriter Patti Smith wie Oliver Jordan sie sieht. ©Oliver Jordan, Foto: akr

Was also ist das für eine illustre Gesellschaft? Weiterlesen

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Da war es nur noch eins…

Zurückgekehrt aus einem kleinen Osterurlaub (Allgäu, nicht Frankreich) sind drei Buchbestellungen aufgelaufen, die es zu verschicken gilt – und plötzlich ist der letzte Karton quasi leer… Nur ein einziges Exemplar von Albert Camus – Vom Absurden zur Liebe wartet jetzt ziemlich einsam auf einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin. Wer also hier mitliest und die ganze Zeit dachte „vielleicht will ich das auch mal lesen, irgendwann…“, der hat jetzt noch genau eine Chance, der erste der Spätentschlossenen zu sein… Vorerst jedenfalls, denn über eine zweite Auflage muss noch nachgedacht werden. Der Anblick des fast leeren letzten Kartons macht mich froh und ein wenig nostalgisch zugleich. So präsent ist mir noch der Augenblick, als ich die Bücher im Oktober 2013 erstmals auspackte und mich freute wie ein Kind zu Weihnachten (Es ist da, es ist da!), und so schnell ist die Zeit seither verflogen. Aber die Freude, dass das Buch auch ohne große Verlagsmaschinerie mit entsprechenden Vermarktungsmöglichkeiten den Weg zu seinen Leserinnen und Lesern gefunden hat, wiegt natürlich schwerer als das bisschen Wehmut. An dieser Stelle möchte ich noch einmal ganz herzlich allen danken, die sich aufgemacht haben, mit mir gemeinsam den Denkweg von Camus nachzuvollziehen, ganz besonders aber allen, von denen ich so freundliche und zum Teil sehr persönliche Resonanz erfahren habe!

Wenn Sie informiert werden möchten, sollte das Buch wieder lieferbar sein, senden Sie bitte hier eine unverbindliche Vorbestellung. Kleiner Hinweis: Bei einer größeren Anzahl an Vormerkungen erhöht sich die Chance auf eine zweite Auflage. Vielen Dank!

 

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