Wieder lieferbar: Albert Camus – Vom Absurden zur Liebe

So ziemlich genau vier Jahre ist es her, dass ich hier aufgeregt Es ist da, es ist da!” rief. Gerade noch rechtzeitig zum 100. Geburtstag von Camus im Jahr 2013 hatte der Djre-Verlag mein Buch Albert Camus – Vom Absurden zur Liebe herausgebracht. In den letzten Monaten konnte ich dann nur noch bedauernd „Es ist weg, es ist weg“ sagen, wenn über den Blog oder den Buchhandel danach gefragt wurde. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt verkünden kann: „Es ist wieder da!“

Gut möglich, dass der Buchhandel sich trotzdem zuweilen ein wenig schwer damit tut, es zu finden. Ein kleiner Verlag, der nicht bei den großen Barsortimentern vertreten ist, hat es da nicht immer leicht. Auch bei Amazon werden Sie das Buch nicht finden. Aber da Sie ja schon den Blog hier gefunden haben, ist das Buch von hier aus nur einen Klick entfernt… Oder Sie gehen in Wuppertal in den Glücksbuchladen (kann es einen schöneren Namen für eine zauberhafte kleine Buchhandlung geben?) – der ist bei mir um die Ecke, und dort sollte das Buch immer vorrätig sein.

Vier Jahre sind in unserer schnelllebigen Zeit schon ziemlich lang für ein Bücherleben. Der Weg Albert Camus‘ vom Absurden zur Liebe allerdings, den ich in meinem Buch nachvollzogen habe, bleibt. Ich freue mich, wenn Sie ihn lesend mit mir zusammen gehen möchten.

Mehr darüber habe ich 2013 hier bereits geschrieben. Zum Verlagstext und zur Bestellung geht es über den Button Mein Buch.

* Anne-Kathrin Reif, Albert Camus – Vom Absurden zur Liebe. Djre Verlag, Königswinter 2013, 442 Seiten, Klappenbroschur, 21,90 Euro (ISBN 978-39816109-0-1).

Autorenfoto: Michael Sieber

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Wiederaufnahme: Camus-Collage an der Schaubühne Lindenfels in Leipzig

Szene aus dem Stück „Camus“ an der Schaubühne Lindenfels in Leipzig. ©Foto: Gábor Hollós

Das Durchkämmen der Bühnenprogramme im Netz bringt doch immer wieder Überraschungen hervor. Soeben entdeckt: Die Schaubühne Lindenfels in Leipzig hat eine Produktion wieder aufgenommen, mit der sie 2015 für den Leipziger Bewegungskunstpreis nominiert war (Regie: René Reinhardt). Titel: „Camus“. Es handelt sich um „eine Spurensuche nach den Menschen in den Werken Albert Camus'“, wie es auf der Theaterseite heißt, und weiter:

«Camus’ Texte, insbesondere seine Sisyphos-Trilogie und sein autobiografisches Romanfragment „Der erste Mensch“, werden als Theaterbegehung lebendig. In verschiedenen Räumen begegnen die Zuschauer den Protagonisten Camus’ und dem Autor selbst. Wenn wir ihn begleiten, finden wir uns mit ihm zwischen zwei Versuchen eines glücklichen Sisyphos. Zum Finale werden wir auf der großen Bühne im „Treppentheater“ der Schaubühne Zeuge von Caligulas großem Abgang.»

Szene aus dem Stück „Camus“ an der Schaubühne Lindenfels in Leipzig. ©Foto: Gábor Hollós

Nun gibt es zwar im Werk von Camus keine „Sisyphos-Trilogie“, allenfalls eine Trilogie des Absurden, wenn man so will, denn gemeint sind hier offenkundig die drei Werke des „Stadiums des Absurden“ Der Fremde, Der Mythos von Sisyphos und Caligula. Aber sei’s drum – es klingt nach einem durchaus spannenden Theaterabend. Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) schreibt darüber:

„Eine Inszenierung der Gedankenwelt des Existenziellen, für das Camus steht – mit seinen Fragen nach Glück und Leben und der Verzweiflung über dessen Sinnlosigkeit.“  

Einmal mehr bedaure ich, dass es von Wuppertal nach Leipzig so weit ist. Vielleicht sind Sie ja gerade in der Nähe? Vorstellungen sind am 19., 20. und 21. Oktober, 20 Uhr, in der Schaubühne Lindenfels  in Leipzig. Infos/ Tickets (ab 12 Euro) hier.

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Nachdenken über „Die Größe meines Landes“

Der Blog musste in der letzten Zeit mal wieder ein wenig hinten anstehen, und so bin ich froh, dass mir Sebastian Ybbs von der Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen mit seiner Mail einen kleinen Schubs gegeben hat. Für den nächsten offenen Gesprächskreis am kommenden Dienstag, 17. Oktober, hat er ein Thema ausgewählt, dessen brennende Aktualität sich vielleicht erst auf den zweiten Blick offenbart, nämlich „Die Größe meines Landes.“

Ehrlich: Ob „mein“ Land anders als vielleicht flächenmäßig berechenbar ein „großes“ sei oder irgendein Land in diesem Sinne „größer“ als ein anderes – darüber hatte ich mir mein Lebtag noch nie Gedanken gemacht. Für mich gehört eine solche Frage in die Mottenkiste der vergangenen Jahrhunderte. Aber auf einmal melden sich immer mehr Menschen recht lautstark zu Wort, für die das offenbar ein Thema ist, und mit denen wir uns, spätestens seitdem sie im Bundestag sitzen, auseinandersetzen müssen. Die Angst davor haben, „ihr“ Land könne an „Größe“ einbüßen, weil so viele Menschen von außerhalb hier Zuflucht suchen. Und wem klingelte nicht das reißerische „Make America great again“ eines miserablen und leider auch gefährlichen Präsidentendarstellers in den Ohren, wenn man plötzlich wieder über die „Größe eines Landes“ spricht?

Albert Camus legt das Wort von der „Größe meines Landes“ seinem fiktiven deutschen Brief-Freund in den Mund, nämlich im ersten der zwischen 1943 und 1945 verfassten „Briefe an einen deutschen Freund“:

„Sie sagten: «Die Größe meines Landes kann nicht zu teuer bezahlt werden. Alles, was ihrer Verwirklichung dient, ist gut. Und ihr müssen in der Welt, in der nichts mehr Sinn hat, die Menschen, die wie wir jungen Deutschen das Glück haben, im Schicksal ihres Volkes einen Sinn zu finden, alles zum Opfer bringen.»
(…)
«Nein», entgegnete ich, «ich kann nicht glauben, dass man alles einem bestimmten Ziel unterordnen darf. Es gibt Mittel, die nichts heiligt. Und ich möchte mein Land lieben können, ohne aufzuhören, die Gerechtigkeit zu lieben. Ich kann nicht zu jeder Größe ja sagen, selbst zu einer, die in Blut und Lüge gründet. Indem ich die Gerechtigkeit am Leben erhalte, möchte ich mein Land am Leben erhalten.»

Und Sie haben geantwortet: «Ach was, Sie lieben ihr Land nicht!»“¹

Mit welcher Haltung drücken wir die Liebe zu unserem Land aus? Mit welcher Haltung verkörpern und verteidigen wir diese Liebe – durch Ab- und Ausgrenzung oder durch Großzügigkeit und Offenheit? Kann man überhaupt ein Land lieben? (Welcher Politiker war das nochmal, der sagte: „Ich liebe nicht mein Land, ich liebe meine Frau“?) Über diese Fragen lohnt es sich fürwahr, nachzudenken.

Die obige und weitere Textstellen aus Camus‘ „Briefen an einen deutschen Freund“ sollen dabei als Gedankenimpuls dienen – beim Gesprächskreis am 17. 10. 2017, 20 Uhr, im LOGOI, Jakobstraße 25a in Aachen. Oder beim Nachdenken zuhause.

 

¹Albert Camus, Briefe an einen deutschen Freund, in Fragen der Zeit, Deutsch von Guido G. Meister, Rowohlt-Verlag, Reinbek b. Hamburg 1960/1977, S. 11.

 

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Merci, Albert, für die schönen Begegnungen!

„Camus und ich“ beim Lesefestival „Der Berg liest“ in Wuppertal. ©Foto: Klaus Dreisbusch

Zum ersten Mal habe ich in diesem Jahr mitgemacht beim großen nachbarschaftlichen Lesefest „Der Berg liest“ in Wuppertal, und darüber bin ich sehr froh! Das war ein sehr schöner Sonntagnachmittag und -Abend für mich, und das einzige, was mir daran nicht gefallen hat, ist, dass ich nicht zugleich selber vorlesen und herumwandern und zuhören konnte. Gefreut habe ich mich über Nachbarn, Freunde und Bekannte, die endlich mal gucken wollten, was ich da immer mit diesem Camus habe, genauso wie über Zuhörer*innen, die extra wegen Camus gekommen sind und solche, die eher zufällig reinschauten und geblieben sind. Bei jeder Leserunde neu war greifbar im Raum zu spüren, wie Camus‘ Gedanken und seine Sprache die Zuhörenden in den Bann zog, sie berührte und bewegte. Und besonders gefreut habe ich mich darüber, wie sich im Anschluss in intimer Runde immer auch noch ein Gespräch und Gedankenaustausch entsponnen hat. Es war eine Erfahrung, die mir sehr viel gegeben hat, und ich möchte mich heute dafür bei allen, die dazu beigetragen haben, ganz herzlich bedanken! Und auch bei Albert, der mir wieder einmal so schöne Begegnungen beschert hat.

Einige der Essays, die ich ausgewählt habe, hatte ich selbst länger nicht mehr gelesen, und obwohl ich manchmal denke, jetzt müsste ich sie langsam auswendig kennen, habe ich sie doch wieder neu entdeckt. Und erneut wahrgenommen, wie sich bei Camus die großen thematischen Linien durch sein ganzes Werk ziehen. Es ist keine Schande, glücklich zu sein“, schreibt der 24- oder 25jährige Camus in dem Essay Hochzeit in Tipasa. Man brauche sich nicht zu schämen, wenn man das Glück vorziehe, lässt Camus seinen Dr.Rieux fast 20 Jahre später in Die Pest zu dem Journalisten Rambert sagen, der zunächst alles daran gesetzt hatte, aus der geschlossenen Stadt Oran zu fliehen. Ja. Aber man kann sich schämen, ganz allein glücklich zu sein”, antwortet Rambert – und bleibt.

Bei der schönen Aktion „Der Berg liest“ habe ich und haben sehr viele Menschen ihr sonst eher einsam-zweisames Leseglück mit anderen Menschen geteilt. Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber ich habe dabei (einmal mehr) erfahren, dass sich Glück, das man teilt, nicht verringert sondern auf wundersame Weise vermehrt. Mit diesem Gedanken wünsche ich allen noch einen schönen Feiertag!

 

P.S. Jetzt habe ich tatsächlich vergessen, wer mich an diesem Nachmittag alles nach dem Rezept für die tarte au citron gefragt hat… Falls Ihr hier mitlest: Erinnert mich doch hier im Kommentar daran oder schreibt eine Mail!

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Das gibt’s nur in Wuppertal: Ein Berg, der liest! Heute! Camus und ich machen auch mit

Ich kam um sechs Uhr abends in Prag an. Ungesäumt brachte ich meinen Koffer in die Gepäckaufbewahrung. Ich hatte noch zwei Stunden vor mir, um ein Hotel zu finden. Und ein eigenartiges Gefühl von Freiheit beschwingte mich, weil meine Koffer nicht mehr an meinen Armen zogen. Ich trat aus dem Bahnhof, ging Gärten entlang und befand mich auf einmal in der Wenzelsstraße mitten in dem um diese Tageszeit dichten Gedränge. Ich war von einer Million Menschen umgeben, die schon vor meiner Ankunft gelebt hatten, von deren Dasein jedoch nichts bis zu mir gedrungen war. Sie lebten. Ich war Tausende von Kilometern von der Heimat entfernt. (…)“¹

Wer wissen will, wie es weiter ging mit Camus‘ Aufenthalt in Prag, was er erlebte und empfand, der muss jetzt entweder die Geschichte Tod im Herzen raussuchen oder heute nachmittag zum Lesefest „Der Berg liest“ nach Wuppertal kommen. Ich lese diesen und weitere Literarische Essays von Camus in der Diakoniekirche, Friedrichstraße 1. Keine Angst, es wird nicht sakral. Im Vorraum steht ein gemütliches Sofa, es gibt Kaffee, und die, die zuerst kommen, haben Glück und kriegen was von Tarte au chocolat oder Tarte au citron ab! Später gibt’s auch noch Wein und Käse.

Wer noch mehr vom Lesefest mitkriegen will, kommt am besten zu Beginn oder Ende seiner Tour, weil die Diakoniekirche eher am Rande des Geschehens liegt. Eine Übersichtskarte mit allen Terminen gibt es hier.

Heute, 1. Oktober 2017. Ich lese in der Diakoniekirche, Friedrichstr. 1, Wuppertal-Elberfeld um 15.10 Uhr, 16.20 Uhr, 17.45 Uhr, 19.10 Uhr, 20.20 Uhr jeweils 25 bis 30 Minuten.

 

¹ Albert Camus, Tod im Herzen aus Licht und SchattenLiterarische Essays, Deutsch von Guido G. Meister, Rowohlt-Verlag, Hamburg 1959, S. 48.
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Eine „femme revoltée“: Lou Marin über Rirette Maîtrejean

Das „AZ“ – Autonome Zentrum in Wuppertal. Foto: Anne-Kathrin Reif

Gleich bei mir um die Ecke in Wuppertal in dem schönen bunten Stadtviertel, das sich „Nordstadt“ nennt und Platz für viele verschiedene Lebensformen bietet, liegt das „Autonome Zentrum“. Ein paar hundert Meter nur, ach, noch nicht mal – aber Berührungspunkte gibt es trotzdem nicht. Außer wenn dort alle paar Monate mal mit so lautstarker Musik gefeiert wird, dass es mich einen Teil meines Schlafes kostet. Geschenkt.  Morgen Abend aber werde ich erstmals hingehen, und das verdanke ich zumindest mittelbar Camus – was mir schon seit Tagen ein fröhliches Grinsen ins Gesicht zaubert. Ist doch verrückt, dass Camus nun sogar dafür sorgt, dass ich nach Jahrzehnten in Wuppertal meine Stadt und sogar meine Nachbarschaft besser kennenlerne! Ganz allein ist es Camus freilich nicht, da braucht es noch ein verbindendes Zwischenglied, und das ist in diesem Fall Lou Marin, Camus-Kenner, Übersetzer von Camus‘ Libertären Schriften und des dicken Doppelbandes seiner Combat-Texte.

Lou Marin, geboren 1961, kommt selbst aus dem politischen Aktivismus der „Graswurzelrevolution“ und ist Mitherausgeber der gleichnamigen gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung. Seit Ende der 1970er-Jahre ist er in gewaltfreien Aktionsgruppen im Rahmen der Anti-Atomkraft-Bewegung sowie der Friedensbewegung und vielen weiteren Initiativen aktiv. Anders als für mich gibt es für ihn natürlich keine Berührungsscheu gegenüber einer anarchistisch orientierten „autonomen Szene“. Und so ist er am morgigen Freitag, 29. September, dort mit einem Vortrag zu Gast, den er im Mai dieses Jahres bereits bei der Albert Camus-Gesellschaft in Aachen gehalten hat: „Die Anarchie der Rirette Maîtrejean“. Mal ganz abgesehen davon, dass ich es immer spannend finde, von außergewöhnlichen Frauen zu erfahren, die in den Geschichtsbüchern nicht mal als Fußnote vorkommen, gibt es in diesem Fall sogar tatsächlich eine direkte Verbindung zu Albert Camus. Mehr davon wird man morgen beim Vortrag erfahren – aber vorab habe ich Lou Marin kurz befragt.

Rirette Maîtrejean. Foto: wikicommons

Kurz gefragt: Wer war Rirette Maîtrejean?

Lou Marin: Rirette Maîtrejean (1887-1968) war eine aktive französische Anarchafeministin der zweiten Generation, das heißt nach Louise Michel. Louise Michel starb 1905, die aktivste Zeit von Rirette Maîtrejean war von 1905-1914.

Albert Camus ist erst 1913 geboren. Wann und in welchem Zusammenhang ist sie ihm begegnet?

Lou Marin: 1940 arbeitete sie kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen infolge der Niederlage der französischen Armee in Paris als Korrekturleserin bei der Tageszeitung Paris Soir, wo seit wenigen Monaten auch Camus einen Sekretärsposten angenommen hatte. Rirette Maîtrejean und Camus führten dann den Exode, jene drei Monate Flucht vor den Nazis in den Süden bis nach Lyon im selben Auto der Zeitung Paris Soir durch. Dabei informierte die weitaus ältere und erfahrenere Maîtrejean Camus über die Geschichte der französischen anarchistischen Bewegung.

Inwieweit hat sie deiner Meinung nach einen Einfluss auf das Denken Camus’ ausgeübt?

Lou Marin: In vorderster Reihe der anarchistischen Bewegung war Rirette Maîtrejean zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten Victor Serge vor dem Ersten Weltkrieg, besonders zur Zeit der Attentate und bewaffneten Raubüberfälle der Bonnot-Gruppe, für die sie beide fälschlicherweise mit angeklagt im großen AnarchistInnenprozess von 1913 vor Gericht saßen. Rirette Maîtrejean hatte jedoch bereits vorher die anarchistische Attentatspolitik aus individualanarchistischer und anarchafeministischer Sicht entschieden kritisiert und wurde dafür zum Teil heftig aus anderen anarchistischen Reihen angegriffen. Camus nahm in Der Mensch in der Revolte und im Theaterstück Die Gerechten wesentliche Motive der Attentatskritik Maîtrejeans auf.

Über die Verbindung zu Camus hinaus – was macht sie in deinen Augen heute so bedeutend, dass du dich so ausgiebig mit ihr beschäftigt hast?

Lou Marin: Ihre Kritik des Attentats, auf deren Sinnlosigkeit für eine revolutionäre Strategie sie hinwies und wobei sie die so genannten „Kollateralschäden“, also unschuldige und zufällige Opfer in den Mittelpunkt stellte; ihre Kritik als Anarchafeministin an patriarchalen Strukturen auch innerhalb des Anarchismus; ihr Festhalten an einem emanzipatorischen Begriff individueller Freiheit, der auch in sozialistischen Vergesellschaftungsvisionen nicht aufgegeben werden darf, dabei kritisierte sie im weiteren Verlauf der Zwanzigerjahre auch ihren ehemaligen Lebensgefährten Victor Serge.

Termin:
Lou Marin: „Die Anarchie der Rirette Maîtrejean“. Freitag, 29. September 2017, 19.30 Uhr, im Autonomen Zentrum Wuppertal, Markomannenstr. 3 (Eintritt frei).

Buch:
Lou Marin:  Rirette Maîtrejean. Attentatskritikerin, Anarchafeministin, Individualanarchistin, Verlag Graswurzelrevolution, 262 Seiten, 16,90 Euro
(ISBN 978-3-939045-26-7). Mehr dazu auf der Verlagswebseite.

 

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Figurentheater Ravensburg wird für „Das Missverständnis“ ausgezeichnet

Preiswürdig: „Das Missverständnis“ beim Figurentheater Ravensburg (©Foto ebd.)

Eine erfreuliche Nachricht, die es verdient, hervorgehoben zu werden, erreicht mich soeben über den Blog: Das Figurentheater Ravensburg hat mit dem Stück Das Missverständnis von Albert Camus den Landesamateurtheaterpreis Baden-Württemberg 2017 in der Kategorie Puppen- und Figurentheater gewonnen. „Möge der Preis dazu beitragen, dass das Ensemble weiterhin den Mut aufbringt, ungewöhnliche und anspruchsvolle Stücke für Erwachsene auf der Figurentheaterbühne zu verwirklichen“, sagt dazu die Jury. Dieser Aufforderung kann ich mich nur anschließen und gratuliere sehr herzlich!

Das Stück wird im Rahmen der Preisverleihung am 1. Oktober 2017 um 11 Uhr im Theater Die Käuze, Königsberger Straße 9, in Karlsruhe aufgeführt. In Ravensburg selbst steht es am 21. Oktober und am 25. November, 20 Uhr, wieder auf dem Programm.

Mehr Wissen:
Alle zwei Jahre verleiht Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg den bundesweit einzigen Staatspreis für Amateurtheater LAMATHEA. Er wird in sieben Kategorien vergeben und ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert, die sich die prämierten Schauspielensembles teilen. In diesem Jahr gab es 159 Bewerbungen aus ganz Baden-Württemberg um den Preis. Das Preisträgerfestival findet vom 30. September bis 2. Oktober 2017 in Karlsruhe statt. Mehr Infos zum Programm hier.

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