Es geht weiter: Jede Menge Camus im Januar 2017

Fotos (v.l.n.r.): Der Fremde in Berlin (©Foto: Thomas Aurin), Das Missverständnis in Wien (©Seyneb Saleh) und Die Gerechten in Jena (©Joachim Dette).

Nur für den Fall, dass Sie’s noch gar nicht gemerkt haben: Die ruhigen Jahresanfangstage habe ich unter anderem genutzt, um die Blog-Rubrik „Aktuelles“ oben auf der Seite auf den neuesten Stand zu bringen. Die Termine des Jahres 2016 finden sich zum Nachlesen jetzt unter dem „Camus“-Reiter, und die Seite für 2017 ist keineswegs ein noch unbeschriebenes Blatt! Nicht alle, aber doch einige Bühnen haben ihre Camus-Stücke nämlich mit über den Jahreswechsel genommen. So spielt das  Theater Basel seinen Caligula in diesem Monat wieder am 14., 22. und 25. Nur einmal erweckt der viel beschäftigte Nikolaus Habjan am 29. Januar seine Figuren in Das Missverständnis am Volkstheater Wien zum Leben, weitere Termine sind jedoch in Planung. Die Bühnenadaption des Romans von Kamel Daoud, Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung, ist noch am 10. und 21. Januar bei den Münchner Kammerspielen zu sehen. Der Fremde an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin lief sogar bereits schon, kommt aber nach dem 7. und 8. Januar im Februar noch mal wieder, ebenso am  Euro Theater Bonn am 17. Januar. Dort bleibt auch der Dauerbrenner Die Gerechten im Spielplan, nächster Termin ist der 23. Januar. Auch das Theaterhaus Jena spielt seine Inszenierung von Die Gerechten wieder am 30. und 31. Januar. Soweit bekannt, finden sich natürlich auch schon Termine über den Januar hinaus in der „Aktuelles“-Rubrik, die sich sicherlich auch in 2017 wieder kontinuierlich weiter füllen wird.

Außerdem ist noch ein Nachholtermin der Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen anzukündigen, der im November verschoben werden musste: Der Abend zum Thema Die „ecrits de jeunesse“ von Albert Camus findet jetzt am 13. Januar statt. Oliver Victor und Professor Christoph Kann von der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, stellen die Jugendschriften von Albert Camus erstmals in deutscher Übersetzung vor. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Backhaus, Jakobstr. 13, in Aachen (Eintritt frei). Mehr zu dieser Veranstaltung hier im Blog.

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„Wie wir verschwinden“ – Das Camus-Jahr 2017 beginnt mit einer Hörspiel-Empfehlung

Ein neues Jahr ist für mich immer wie ein Buch mit lauter leeren Seiten. Schöne weiße, noch unbefleckte Seiten in einem Buch, die darauf warten, dass ich etwas hineinschreibe. Noch ist alles offen in diesem Tagebuch des Lebens – für Freude, Traurigkeit, Schönes und Schreckliches, Bewegendes und Beglückendes, für Begegnungen und neue Erfahrungen aller Art. Mit Neugier und freudiger Erwartung blicke ich dem entgegen. Für Besorgnisse, Befürchtungen und Beschwörungen drohenden Unheils bin ich, egal wie realistisch es sein mag, zu Beginn eines neuen Jahres noch weniger zu haben als sonst. Denn ganz gleich wie es werden wird: Es ist, wenn wir Glück haben, ein Jahr Leben. Natürlich wünsche ich mir und allen Blog-Leserinnen und Camus-Freunden (und überhaupt allen Menschen) gleichwohl, es möge ein gutes Jahr werden, in dem für jeden auf seine Art Glück und Freude überwiegen. Wünschen schadet ja schließlich auch nicht. In diesem Sinne: Bonne année à tous! Ich freue mich, wenn Sie 365tage-camus.de auch in diesem Jahr wieder begleiten!

Und so geht es gleich los mit einem aktuellen Programmhinweis:  Zum Todestag von Albert Camus sendet der NDR das Hörspiel Wie wir verschwinden nach dem gleichnamigen Roman von Mirko Bonné, in dessen Zentrum der Autounfall steht, bei dem Camus am 4. Januar 1960 gemeinsam mit seinem Freund Michel Gallimard ums Leben kam. Mirko Bonné lässt zwei Jungen Zeugen des Unfalls nahe des kleinen Dörfchens Villeblevin werden, dicke Freunde, die das Leben mit den Jahren von einander entfernen wird. Nach Jahrzehnten des Schweigens erhält der eine, Raymond, einen Brief seines todkranken Jugendfreundes Maurice, der ihn in die gemeinsam erlebte Vergangenheit zurückversetzt.

An Details des Romans erinnere ich mich gerade nicht, wohl aber daran, das Buch bei seinem Erscheinen mit großer Freude gelesen zu haben – weshalb ich mich freue, nun in Form eines Hörspiels noch einmal in diese Geschichte einzutauchen.

Termin: Mittwoch, 4. Januar 2017, 20 bis 21:01 Uhr (NDR 2012 | 55 Min).
Wie wir verschwinden
Nach einem Motiv aus dem gleichnamigen Roman von Mirko Bonné
Komposition: Sabine Worthmann
Bearbeitung und Regie: Oliver Sturm
Mit Heinrich Giskes, Hedi Kriegeskotte u.v.a.
Musik: Silke Eberhard und Philipp Eberhard

Infos: www.ndr.de

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Albert Camus und Bob Dylan erhalten den Literaturnobelpreis

 

Philosophenzimmer im Kunsthotel Arte Luise in Berlin mit Dostojewski und Bob Dylan, gemalt von Oliver Jordan (links über dem Sofa). ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Philosophenzimmer im Kunsthotel Arte Luise in Berlin: Gegenüber von Camus hängen Dostojewski und Bob Dylan, gemalt von Oliver Jordan (links über dem Sofa). ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Manchmal braucht man ja nur lang genug zu warten, dann klären sich die Dinge von selbst. Fast genau drei Jahre ist es nämlich her, dass ich an dieser Stelle darüber grübelte, welche sinnträchtige Verbindung es zwischen Albert Camus und Bob Dylan geben könnte – traf ich doch bei einer Übernachtung in dem von Oliver Jordan ausgestatteten Philosophen-Zimmer im Berliner Art Hotel Luise dort nicht nur auf Camus sondern eben auch auf ein Porträt des Robert Allen Zimmerman, alias Bob Dylan. Heute nun stellt sich diese Verbindung quasi von selbst her, denn auf den Tag genau 59 Jahre nach der Verleihung des Literaturnobelpreises an Albert Camus darf am heutigen 10. Dezember Bob Dylan in Stockholm die höchste Auszeichnung der literarischen Welt entgegen nehmen. Wie’s aussieht wird er das zwar nicht persönlich tun und deshalb auch nicht etwa singen statt reden. Schade. Aber immerhin soll Patti Smith, bekennende Camus-Freundin, einen Dylan-Song vortragen, und damit hätten wir dann auch schon mal, quasi über Eck, eine schöne Dylan-Camus-Verbindung.

Camus-Porträt von Oliver Jordan im Kunsthotel Arte Luise in Berlin. ©Foto: akr

Camus-Porträt von Oliver Jordan im Kunsthotel Arte Luise in Berlin. ©Foto: akr

Ob der erste Musiker und Vertreter der Popkultur in der Reihe der Preisträger die Auszeichnung nun verdient habe oder nicht, darüber ist bereits überreichlich debattiert (sowie gejubelt, gespottet, geätzt) worden, da brauchen wir uns nicht einreihen, wer mag, kann sich damit ein Stündchen im Netz vertrödeln. Das tat ich gerade und beschloss daraufhin, das Thema hier zu streichen und lieber nochmal der Frage nachzugehen, wie es denn nun um die Beziehung von Dylan und Camus bestellt ist. Geistesverwandtschaftliche Bezüge lassen sich da wohl erkennen: Dylan, quasi der Erfinder des Protestsongs, Rebell gegen die herrschenden Verhältnisse, gegen Krieg, Not und Unrecht – ein homme révolté wie Camus, der, ebenso wie Camus, Generationen von Menschen inspiriert und ermutigt hat, für ihre Überzeugung einzustehen. Anders als zum Beispiel die Musikerkollegen Patti Smith oder Eric Andersen hat sich Dylan aber, soweit ich weiß, nie direkt auf Camus als Inspirationsquelle bezogen (selbst mit Like a rolling stone ist, so schön es auch wäre, nicht der herabrollende Stein des Sisyphos gemeint). Aber so richtig weiß ich es halt auch nicht, denn obwohl ich durchaus noch zu denen zähle, die einst am Lagerfeuer zur Klampfe Blowin‘ in the Wind und Knockin‘ on heavens door sangen, kenne ich mich in dem gigantischen Werk seiner lyrics, für das er nun diesen Preis bekommt, nicht annähernd so gut aus, dass ich ad hoc eventuell verborgene Camus-Bezüge darin ans Licht befördern könnte.

Theo Roos. ©privat

Theo Roos. ©privat

Deshalb frage ich lieber jemanden, der es möglicher Weise besser weiß: Theo Roos, in Köln lebender Philosoph und Musiker, Autor der Philosophischen Vitamine (Kiepenheuer & Witsch 2005 und 2007) sowie der gleichnamigen Reihe in der 3Sat-Kulturzeit (2003 bis 2010) hat über Camus ebenso geschrieben wie über Bob Dylan, kennt sich also aus, erinnerte sich an unsere Begegnung am Rande der Camus-Ausstellung von Oliver Jordan in Bonn und war so nett, meine Fragen in aller Ausführlichkeit zu beantworten, wofür ich mich sehr herzlich bedanke!


Gibt es direkte Bezüge in den Texten von Bob Dylan zum Werk bzw. zum Denken von Albert Camus? Und wo sehen Sie selbst Gemeinsamkeiten zwischen beiden?
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Noch mehr Camus im November in Berlin und Köln

Bernardo Arias Porras ©Foto: Thomas Aurin

Bernardo Arias Porras in „Der Fremde“ bei der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. ©Foto: Thomas Aurin

Für heute kommt dieser Hinweis auf jeden Fall zu spät, denn die Vorstellung dürfte gleich zu Ende gehen: An der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin wird eine Bühnenfassung von Camus‘ Roman Der Fremde gespielt. Aber der Vollständigkeit halber will ich natürlich noch nachtragen, was ich gerade aus dem Netz gefischt habe, und außerdem gibt es ja noch weitere Aufführungen. Regie führt Philipp Preuss (Bühne und Kostüme: Ramallah Aubrecht, Dramaturgie: Bettina Ehrlich).  Es spielen Bernardo Arias Porras, Iris Becher und Felix Römer, die alle drei Meursault sind. Premiere war bereits am 13. November, weshalb man auch schon die ersten Kritiken nachlesen kann. Weiterlesen

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Ein knapp 80 Jahre altes, taufrisches Zitat zum Tage

„Sooft ich eine politische Rede höre, oder lese, was die uns Regierenden schreiben, bin ich entsetzt, seit Jahren nichts zu vernehmen, was einen menschlichen Klang hätte. Es sind immer die gleichen Worte, die die gleichen Lügen berichten. Und dass die Menschen sich damit abfinden, dass der Zorn des Volkes diese Hampelmänner noch nicht zerschmettert hat, ist für mich der Beweis, dass die Menschen ihrer Regierung keinerlei Bedeutung zumessen und dass sie spielen, ja wahrhaftig mit einem ganzen Teil ihres Lebens und ihrer sogenannten lebenswichtigen Interessen spielen.“¹

Albert Camus, Tagebücher, August 1937

Chaque fois que j’entends un discours politique ou que je lis ceux qui nous dirigent, je suis effrayé depuis des années de n’entendre rien qui rende un son humain. Ce sont toujours les mêmes mots qui disent les mêmes mensonges. Et que les hommes s’en accommodent, que la colère du peuple n’ait pas encore brisé les fantoches, j’y vois la preuve que les hommes n’accordent aucune importance à leur gouvernement et qu’ils jouent, vraiment oui, qu’ils jouent avec toute une partie de leur vie et de leurs intérêts soi-disant vitaux.“ ²

Und aus gegebenem Anlass heute ausnahmsweise auch noch einmal auf englisch: 

„Every time I hear a political speech or I read those of our leaders, I am horrified at having, for years, heard nothing which sounded human. It is always the same words telling the same lies. And the fact that men accept this, that the people’s anger has not destroyed these hollow clowns, strikes me as proof that men attribute no importance to the way they are governed; that they gamble — yes, gamble — with a whole part of their life and their so-called vital interests.“

Albert Camus, Notebooks, 1937

P.S. Das Zitat habe ich von der Société des Études Camusiennes (SEC) übernommen, die es heute, am Tag des Wahlsiegs von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA, bereits auf ihrer Facebook-Seite gepostet hat.

¹Albert Camus, „Tagebücher 1935-1951“. Deutsche Übersetzung von Guido G. Meister.  Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1963, 1967, S. 33. ² Oeuvre complètes II, 1931-1944, édition publiée sous la direction de Jacqueline Lévi-Valensi, Gallimard, Paris 2006, Bibliothèque de la Pléiade, p. 825

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Ravensburg, Aachen, Eupen: Ein Nachschlag zum Camus-Novemberprogramm

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Da war ich doch bei der Novembervorschau wohl etwas zu theaterfixiert und habe glatt vergessen, auch die monatlichen Aktivitäten der Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen zu erwähnen. Was in diesem Fall besonders sträflich ist, wartet sie doch am 8. November mit einer hochinteressanten Veranstaltung auf: Im Mittelpunkt stehen nämlich die auf deutsch bislang unveröffentlichten Jugendschriften von Albert Camus. Christoph Kann, Professor für Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, und Oliver Victor, wiss. Mitarbeiter, bereiten eine Übersetzung der zwischen 1932 und 1934 entstandenen Schriften vor und werden sie an diesem Abend vorstellen. In der Ankündigung heißt es:

Die Jugendschriften nehmen wesentliche Sujets späterer Werke vorweg oder deuten sie zumindest an. Exemplarisch ist hier Camus‘ Beschäftigung mit so unterschiedlichen Philosophen wie Nietzsche oder Bergson zu nennen, die ihn gerade aus philosophiehistorischer Perspektive interessant erscheinen lassen. Zudem stößt man bereits auf die Thematik des Absurden, das Einheitsdenken plotinischer Prägung und nicht zuletzt die Topoi Alter(n), Endlichkeit und Tod. Der Vortrag möchte die Relevanz philosophischer Zugänge zu Camus betonen und diese in die „Écrits de jeunesse“ zurückverfolgen. Schlüsselthemen jener Jugendschriften sollen mit Blick auf das spätere Werk Camus‘ beleuchtet werden, um ihrer Herkunft und Bedeutung nachzuspüren und sie für die Rezeption zu erschließen.

Termin: Dienstag, 8. November, 20 Uhr, Buchhandlung Backhaus,
Jakobstr. 13, Aachen (Eintritt frei).

Und gleich noch ein weiterer Hinweis der Albert-Camus-Gesellschaft: Interessierte aus dem Großraum Aachen, denen der Weg nach Bonn bislang zu weit war, haben Gelegenheit, die Inszenierung von Die Gerechten des Euro Theater Central aus Bonn im belgischen Eupen zu sehen. Auf Einladung der Camus-Gesellschaft und in Kooperation mit dem Eupener Museum für zeitgenössische Kunst ikob ist das Gastspiel in dessen Räumen am 4. Dezember, 19 Uhr, zu sehen. Karten (12,-/8,- €) über die Albert-Camus-Gesellschaft, Fahrgemeinschaften von Aachen aus sollen organisiert werden.

Zu guter Letzt noch ein Theaternachschlag: Figurentheaterspieler Nikolaus Habjan kann stolz sein, denn so richtig geschafft hat man es ja erst dann, wenn man kopiert wird. Nun also hat das Figurentheater Ravensburg e.V. ebenfalls Das Missverständnis mit annähernd lebensgroßen Figuren, die zusammen mit Schauspielern auf der Bühne agieren, inszeniert. Premiere war am 29. Oktober, eine Besprechung, die auch einen bildlichen Eindruck vermittelt, findet sich unter dem Titel Vom geplatzten Traum am Meer in der Schwäbischen Zeitung. Freilich dürfte es wohl unfair sein, die Aktivitäten des gemeinnützigen, jedem Interessierten offen stehenden Vereins mit Habjans die großen Bühnen bespielender Produktion in einen direkten Vergleich zu stellen, aber das ließe sich nur durch eigene Anschauung entscheiden, was mir leider nicht möglich sein wird. Vielleicht gibt es Blog-Leser(innen), die dazu Gelegenheit haben? Dann bitte ich herzlich um einen Bericht! Nächster Termin beim Figurentheater Ravensburg, Marktstr. 15, ist am 5. November, 20 Uhr (Karten: Telefon 0751/21062 oder per mail).

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November 2016: Ein prallvoller Camus-Monat beginnt

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„Die Gerechten“ am Theaterhaus Jena. ©Joachim Dette

Zunächst einmal schicke ich einen herzlichen Gruß und Dank an Michael Löwe in Weinheim, der mit einer Mail den Blog aufgeweckt hat! Er machte mich nämlich darauf aufmerksam, dass in der Camus-Saison-Vorschau die Inszenierung von Die Gerechten am Theater Jena fehlt, die just im November dort noch zweimal auf dem Spielplan steht. Premiere war bereits am 5. Oktober. In der Ankündigung dazu heißt es:

In Zeiten, in denen sich die gesamte Welt vermehrt terroristischen Attentaten stellen muss, zeigt der wohlgebaute Theatertext von 1949 vor allem eines: die Konstruktion eines eigenständigen Systems fern der Realität. Ein System, das es vermag heute immer mehr junge Menschen im Namen einer Ideologie zu radikalisieren. Vor allem das Internet macht den Zugang zu extremistischen Organisationen leicht. Und ihre Propagandamittel scheinen vielfältig und wirkungsmächtig genug, um anstecken zu können. Aber was macht ihre Anziehungskraft aus? Mit welchen Mitteln schaffen es die Organisationen Menschen in eine Spirale ohne jeglichen Ausweg zu ziehen? Im Jenaer Club Kassablanca geht Regisseurin Pauline Beaulieu diesem System auf die Spur, das – so fern es einer weltoffenen Gesellschaft auch scheinen mag – die Gefahr birgt, selbst die Orientierung in ihm zu verlieren.

Es spielen:  Ella Gaiser, Leander Gerdes, Benjamin Mährlein und Ilja Niederkirchner. Regie: Pauline Beaulieu, Bühne und Kostüme: Benjamin Schönecker & Veronika Bleffert, Musik: Knut Jürgens, Dramaturgie: Stephanie Michels. Eine Produktion des Theaterhauses Jena und Kassablanca – Gleis 1 e.V.

Termine:
Montag, 21.11.2016, 20 Uhr, Kassablanca
Dienstag, 22.11.2016, 20 Uhr, Kassablanca
Karten: 03641 8869-44, Karten per E-Mail reservieren: tickets@theaterhaus-jena.de

Einen Eindruck der Inszenierung vermittelt die Fotogalerie auf der Theaterseite.

So, und da der Blog nun einmal wieder wach ist, schauen wir doch mal, was sonst noch so los ist im November…

Da wäre die Premiere von Caligula am Schauspielhaus Basel am 11. November (weitere Vorstellungen 19., 25., 27. November, 4., 18., 21. Dezember 2016) und eine weitere Aufführung von Caligula am Theater Chemnitz am 11. November, wo die Inszenierung vom Frühjahr jetzt wieder aufgenommen worden ist. Nikolaus Habjan ist mit seinen Figuren beim Festival  euro-scene Leipzig zu Gast und zeigt im Rahmen seiner Werkschau dort am 12. November auch seine hier schon hymnisch besprochene Version von Das Missverständnis. Anschließend, am 26. und 27. November gastiert er damit im ehrwürdigen Schauspielhaus Zürich. Die Dramatisierung des Romans Der Fall Meursault von Kamel Daoud (über den wir hier schändlicher Weise noch gar nicht gesprochen haben), hatte inzwischen Premiere an den Münchner Kammerspielen, weitere Aufführungen sind am 6., 9. und 21. November. Seit Beginn des Blogs, mithin seit mehr als drei Jahren dabei: Die Gerechten beim Euro Theater Central in Bonn, diesmal wieder am 3. November. Wieder einmal also: ein prallvoller Camus-Monat!

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