Fischen im Netz: Mehr zu Camus in Hamburg und Hattingen

Es ist schon ein lieb gewordenes Ritual geworden: An meinem freien Tag streife ich morgens durch das weltweite Netz und schaue, ob es etwas Aktuelles zu Camus gibt. Da findet sich dann zum Beispiel, dass das Thalia-Theater in Hamburg die Bühnenadaption von Camus’ Roman Der Fremde, im Blog schon erwähnt, weiter im Spielplan hat (Vorstellung am 13. Juni, 19 Uhr). Und es verfestigt sich der Eindruck, dass das Camus-Jahr 2013 doch so langsam den Effekt hervorbringt, Camus wieder mehr ins Blickfeld zu rücken. Oder dass es vermutlich in jedem Ort, egal welcher Größe, Camus zugetane Menschen gibt, die dafür sorgen.

Falls es hier also Leser aus dem Umfeld von Hattingen gibt: Die dortige Volkshochschule veranstaltet am 2. Juni ein Philosophisches Café zu Camus unter dem Thema „Albert Camus: Humanismus und Existenz.“ In der Ankündigung heißt es:

Anlässlich des 100. Geburtstags von Albert Camus soll seine Philosophie im Rahmen des diesjährigen philosophischen Cafés eine besondere Aufmerksamkeit erhalten. In den Grundannahmen ist sein Denken der humanistischen Tradition verpflichtet, die sich an einem stetigen Fortschritt orientiert. Da dieser Fortschritt zu keinem Zeitpunkt gesichert ist, bleibt die Verwirklichung der Humanitas stets bedroht und risikobehaftet. Die Humanisierung der Geschichte ist daher die unabweisbare Aufgabe des Einzelnen und der Gesellschaft, die nach Camus durch Zeugnis und Kundgabe verbreitet und durch bewusstes Leben erfüllt werden soll.“

Die Ankündigung macht, wie ich finde, neugierig. „Humanisierung der Geschichte als unabweisbare Aufgabe des Einzelnen“, da erkennt man Camus natürlich sofort wieder. Dass dies aber in eins und zugleich und mit Camus auch als stetiger (wenn auch bedrohter) Fortschritt zu denken  sei, birgt einigen spannenden Diskussionsstoff. Der seinen Stein rollende Sisyphos tut das bei Camus jedenfalls ganz sicher nicht in dem Gedanken, er könne bei dieser Arbeit jemals einen echten Fortschritt erzielen. Und auch Dr. Rieux kämpft gegen die Pest im Bewusstsein, sie niemals wirklich besiegen zu können. Was bedeutet uns dann die „Humanisierung der Geschichte als Aufgabe des Einzelnen“ im Sinne von Camus? Oder geht es vielmehr um eine „Humanisierung der Gegenwart“ als um eine der Geschichte? Vielleicht gibt ja der Vortrag in Hattingen darüber Aufschluss.

Info:
Sonntag, 2. Juni, 11.15 bis 13 Uhr, VHS Hattingen, Kursort: Altes Rathaus, Untermarkt 9, 2. OG, in 45 525 Hattingen. Dozent ist P.D. Dr. Alfred Hirsch, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

 

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5 Kommentare zu Fischen im Netz: Mehr zu Camus in Hamburg und Hattingen

  1. Michael Dassel sagt:

    Hattingen …
    … beim mal-wieder- googeln nach Camus, der mich, wenn auch viel sporadischer als Sie, schon länger begleitet, bin ich auf die Veranstaltung in Hattingen gestoßen und kurz bevor ich dorthin gefahren bin, auch über Ihren Blog gestolpert: Kompliment ! wirklich liebevoll und charmant-persönlich gemacht. Auch die farbliche Anlehnung an die jedem Camus-Liebhaber vertrauten roten Buchcover!

    Hattingen hat, wie ich dort erfahren habe, sein philosophisches Cafė aus den 80ern in die Jetzt-Zeit gerettet, Camus war im Rahmen einer Existentialismus-Reihe dort zum 2. mal Thema. Den durchweg älteren, meist weiblichen Teilnehmern, also eigentlich Teilnehmerinnen, boten die Stellen aus dem Fremden und den Erläuterungen zur Philosophie Camus‘ viele Ansätze, eigene Erfahrungen zu schildern und zu diskutieren. Der stetige Fortschritt war – Sie hatten natürlich recht ! – nicht wirklich Thema, sondern die Humanisierung der Gegenwart durch den Einzelnen und für den Einzelnen.

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Lieber Herr Dassel, herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte zu meinem Blog. Über Ihren Kommentar habe ich mich sehr gefreut – es ist immer besonders schön, eine so direkte Rückmeldung zu bekommen und etwas über die Veranstaltungen zu erfahren – die ich meist ja nur ankündigen aber nicht besuchen kann…
      Ich freue mich, wenn Sie gelegentlich wieder hereinschauen.

  2. Der Artikel und Ihre Webseite gefallen mir. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg damit. Vor einem Jahr habe ich die Freidenker Galerie gegründet. Es würde mich freuen, wenn Sie auch bei mir mal reischauen.

    Schöne Grüsse aus München
    Rainer Ostendorf
    http://www.freidenker-galerie.de

  3. Anne-Kathrin Reif sagt:

    Liebe Nicole, schön, dass du mit mir reist, wenn auch nur in Gedanken. Leider finden ja auch bei mir die meisten Reisen im Kopf statt. Wie gerne würde ich all die interessanten Sachen zu Camus nicht nur ankündigen, sondern sie auch anschauen und darüber berichten. Aber dafür müsste ich dann wohl jetzt in Pension gehen, und das ist dann doch ein bisschen früh… Übrigens: Nach der Verbindung von Camus zu Argentinien suche ich noch… Dir auch einen schönen Tag, du hast ihn ja am andern Ende der Welt noch vor dir!

  4. Nau, Nicole sagt:

    Wie schön mit Dir und Camus täglich auf Reisen zu gehen, gerade zurück aus Amsterdam nun nach Hamburg und Hattingen.
    Bin schon gespannt wo es morgen hin geht!
    Einen schönen Tag
    bald in Wuppertal
    Nicole

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