Düsseldorfer Ringvorlesung (9): Hans Schelkshorn über Albert Camus und die Suche nach neuen Grenzen in entgrenzter Zeit

Die Düsseldorfer Camus-Ringvorlesung geht langsam in die Zielgerade: Mit dem Vortrag von Prof. Dr. Dr. Hans Schelkshorn am kommenden Montag, 28. Juni 2021, steht der drittletzte Termin an. Wobei mir soeben auffällt, dass das Bild der „Zielgeraden“ bei einem Ring natürlich total schief ist. Das Bild des „Rings“ könnte dagegen für die Beschäftigung mit Albert Camus passender nicht sein. Nicht nur wegen der Kreisbewegung des ewigen Steinewälzers Sisyphos, sondern auch, weil man mit dem, was uns Camus zum Nachdenken hinterlassen hat, gar nicht ins „Ziel“, mithin zu einem Ende kommen kann. Man kann es aber schrittweise, Runde um Runde vertiefen, während man dabei immer wieder den selben großen Themen begegnet und sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Und dazu bietet ganz zweifellos auch der kommende Vortrag wieder einen schönen Anlass. Der Titel lautet:

„Eine Philosophie der Grenzen. Konturen der Lebensphilosophie von
Albert Camus“

Dazu schreibt der Referent:

Albert Camus‘ Philosophie steht in der Tradition des nachidealistischen Denkens nach Kant und Hegel, insbesondere der Existenz- und Lebensphilosophie, deren Grenzen fließend sind. Zugleich hält jedoch Camus gegenüber irrationalistischen Tendenzen der Lebensphilosophie am sokratischen Logos und damit an der Wahrheitsorientierung des Denkens fest. Auf dieser Grundlage bearbeitet Camus die typisch neuzeitliche Idee einer Selbstkreation in einer entgrenzten Welt, die in der Renaissance entwickelt worden ist und vor allem durch Nietzsche bis heute zum schillernden Vermächtnis für zahlreiche philosophische Strömungen geworden ist. In den philosophischen Essays über das Absurde und die Revolte entwickelt Camus komplexe Reflexionen über Entgrenzungen und die Suche nach neuen Grenzen, die jeweils auf die moralisch-politischen Herausforderungen seiner Zeit reagieren.

Zur Person:
Prof. Dr. Dr. Hans Schelkshorn ist Vorstand des Instituts für interkulturelle Religionsphilosophie der Universität Wien. Studium der Katholischen Theologie und Philosophie in Wien und Tübingen, 1989 Dr. theol; 1994 Dr. phil.; 2007 Habilitation im Fach Philosophie. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Religionsphilosophie, Theorien der
Moderne, praktische Philosophie und interkulturelle Philosophie mit Schwerpunkt lateinamerikanische Philosophie. Er ist Mitbegründer von „Polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren“ und derzeit Präsident der Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie.

Publikationen (Monographien):
Ethik der Befreiung. Einführung in die Philosophie Enrique Dussels (1992)
Diskurs und Befreiung. Studien zur philosophischen Ethik von Karl-Otto Apel und Enrique Dussel (1997)
Entgrenzungen. Ein europäischer Beitrag zum philosophischen Diskurs der Moderne (2009; 2. Aufl. 2016)
Publikationen (zu Albert Camus):
Gott und das Absurde: Zur Gottesfrage bei Jean-Paul Sartre und Albert
Camus
, in: Rudolf Langthaler, Wolfgang Treitler (Hrsg.): Die Gottesfrage in der europäischen Philosophie und Literatur des 20. Jahrhunderts, Wien-Köln-Weimar 2007, S. 155-185.
Albert Camus‘ Appell an die Christen, in: Hans Schelkshorn, Friedrich Wolfram, Rudolf Langthaler (Hg.), Religion in der globalen Moderne. Philosophische Erkundungen, Wien: Vienna University Press 2014, S.193-215.
Revolte und Dialog. Albert Camus und die Diskursethik, in: Rudolf
Langthaler/Michael Hofer (Hg.), Existenzphilosophie. Anspruch und Kritik einer Denkform (Wiener Jahrbuch für Philosophie XLV), Wien 2014, S. 99-120.

***

Die Ringvorlesung läuft bis zum 12. Juli 2021 und wird über das Internet gestreamt. Alle Termine im Blog hier

Die Vorträge mit anschließendem Zoom-Gespräch finden  jeweils von 16.30 bis 18 Uhr statt. Alle Interessierten, die sich nicht über das Studierendenportal der Uni Düsseldorf anmelden können, wenden sich bitte per Mail an Oliver.Victor@uni-duesseldorf.de, um die Zugangsdaten zu erhalten. Bitte beachten Sie, das Gasthörer herzlich willkommen sind, bei der Diskussion jedoch die Studierenden Vorrang haben.

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