Zum Weltfrauentag: Eine kleine Hommage an Camus‘ Frauen

»In meinem Alter weiß man, dass das Leben nicht gut ist. Aber wenn das Böse schon auf der Erde ist, warum dann noch dazu beitragen wollen?« (1)

Das Zitat zum Sonntag spricht heute Caesonia, Caligulas ältere und von ihm ziemlich schlecht behandelte Geliebte. Vergeblich versucht sie ihn, der (in Camus‘ Lesart) aus maßloser Enttäuschung darüber, wie schlecht die Dinge in der Welt eingerichtet sind, zum maßlos Tod und Verderben austeilenden Tyrannen geworden ist, in seiner existenziellen Einsamkeit zu trösten und ihm einen anderen Weg als den der Zerstörung aufzuzeigen: »Gebrauche deine Macht, um das, was noch geliebt werden kann, inniger zu lieben. Auch das Mögliche verdient, dass ihm seine Möglichkeiten gewährt werden«. (2)

Man möchte diese Worte auch heute noch so manchem Mann an der Macht zurufen, nur würden sie leider auch heute vermutlich nichts ausrichten. Caesonia bewahrt Caligula nicht vor dem Untergang – und auch sich selbst nicht, denn ihre Liebe zu ihm ist zu groß, um sich selbst zu retten. Eine Liebesfalle, in die Frauen auch heute noch oft genug hineintappen. Einmal mehr staune ich über die Zeitlosigkeit von Camus.

Die Frauen im Werk von Camus: Sie setzen sich nicht durch, sie scheitern, sie halten kein Unheil auf (und richten, wie Martha und ihre Mutter in Das Missverständnis, auch selber einiges an). Aber sicherlich nicht zufällig sind sie es auch, denen Camus die Aufgabe zuweist, für die Liebe einzutreten – mithin für jene Kraft, die das in die Zerstörung führende Absolutheitsstreben und Absolutheitsdenken ins Maß zu bringen vermag. Caesonia in Caligula, Maria in Das Missverständnis, Dora in Die Gerechten: Sie sind die verkannten Heldinnen des Absurden, weil sie nicht müde werden, den Stein ihrer Liebe zu rollen; sie sind es, die den Weg bahnen, der aus der Sackgasse des Absurden hinausführt. (3)

Deshalb widme ich meinen kleinen Beitrag am heutigen Weltfrauentag den von den Interpreten so häufig verkannten Frauen im Werk von Albert Camus. (4)

Das schöne Zitat von Caesonia aus Caligula gibt mir noch Gelegenheit für einen Nachtrag zum März-Programm: Das Theater Regensburg bringt am 27. März Caligula in einer Inszenierung von Charlotte Koppenhöfer zur Premiere. Eine Einführungsmatinée dazu gibt es bereits am Sonntag, 22. März, 11 Uhr; weitere Vorstellungen laufen bis 12. Juli 2015.

 

(1) Albert Camus, Caligula, in: Dramen. Aus dem Französischen übertragen von Guido G. Meister. Rowohlt-Verlag, Reinbek b. Hamburg 1962, S.27.  (2) a.a.O. (3) vgl. dazu Anne-Kathrin Reif, Vom Absurden zur Liebe – der unbekannte Camus, in: Willi Jung, Albert Camus oder der glückliche Sisyphos, V&R, Bonn 2013, S. 119 ff. (4) Ein prominentes jüngeres Beispiel für die Verkennung der Bedeutung der weiblichen Personen im Werk von Camus gibt Iris Radisch, wenn sie schreibt: „Mütter sind die einzig bedeutenden Frauenfiguren in seinem Werk“ (Camus. Das Ideal der Einfachheit, Rowohlt. Reinbek b. Hamburg 2013, S. 17).
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