Von Liebe, Dankbarkeit und menschlichen Wegweisern

Eine Szene aus Der erste Mensch: Der Protagonist Jacques Cormery (Camus) besucht, nachdem er das Grab seines Vaters gefunden hatte, seinen alten Lehrer Victor Malan (Jean Grenier) in der Bretagne. Er erklärt ihm ganz schlicht, dass er ihn liebt.

 „«Weil Sie sich (…) als ich sehr jung, sehr dumm und sehr allein war (erinnern Sie sich, in Algier?), mir zugewandt haben und mir unmerklich die Türen zu allem, was ich auf dieser Welt liebe, geöffnet haben.»

«Oh! Sie sind begabt.»

«Sicher. Aber auch die Begabtesten brauchen einen Wegweiser. Der, den das Leben einem eines Tages in den Weg stellt, der muss für immer geliebt und geachtet werden, auch wenn er nicht verantwortlich ist. Das ist meine Überzeugung.»“ (1)

 

Das „Zitat des Tages“ widme ich heute allen weg-weisenden Lehrerinnen und Lehrern unter den Blog-Lesern, allen, die in ihrer Schulzeit das Glück hatten, solchen zu begegnen und vor allem meiner Philosophielehrerin Ulla Riegel.

(1) Albert Camus, Der erste Mensch. Deutsch von Uli Aumüller. Rowohlt-Verlag, Reinbek b. Hamburg 1995, 1997, S. 34.

 

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3 Kommentare zu Von Liebe, Dankbarkeit und menschlichen Wegweisern

  1. Toni, fast schon ein Freund sagt:

    Wann findet Ihr beide endlich den Weg an die strada montana, dorthin, wo unser
    Olympier (der andere) empfand, hier beginnt Italien.
    Die Zeit läuft.

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Lieber Toni, leider sind Camus und ich nun erstmal wieder an die Bürostunden gefesselt… Aber da ich mit Camus auch die Liebe zu Italien teile, kann es nicht allzu lange dauern, bis es uns wieder in den Süden zieht. Die „strada montana“ wäre da schon mal ein schöner Anfang! Vielleicht zur Mandelblüte?

  2. Nicole Nau sagt:

    Wundervoll. Solche Menschen gibt es immer wieder in meinem Leben, und ich bete, dass ich auch fuer andere ein Wegweiser sein darf.

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