Von den Grundlagen der Versöhnung

22. Januar 1963: Charles de Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichnen im Élysée-Palast den Vertrag zur Deutsch-Französischen Freundschaft. Foto: Bundesarchiv

22. Januar 1963: Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnen im Élysée-Palast den Vertrag zur Deutsch-Französischen Zusammenarbeit. Foto: Bundesarchiv

Am 22. Januar vor 50 Jahren besiegelte der zwischen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer geschlossene Élysée-Vertrag die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland. Der Jahrestag wird am heutigen Tag als europäisches Ereignis gefeiert. Wer sich in die Geschichte vertiefen will: Das Deutsch-Französische Institut in Ludwigsburg hat ein Dossier dazu zusammengestellt, das Auswärtige Amt erläutert den Élysée-Vertrag auf seiner Webseite und die Bundesregierung tut dies in einem kurzen Film. Arte TV widmet dem Ganzen heute einen Thementag.

Ganz gewiss werden in diesen Beiträgen verschiedenste Facetten der Deutsch-Französischen Annäherung bis hin zur viel beschworenen Freundschaft beleuchtet. Bei allem Pragmatismus wirtschaftlicher und politischer Interessen, die zweifellos auch eine Rolle gespielt haben, darf man aber nicht vergessen: Diese Freundschaft wäre (wie jede andere) nicht möglich, wenn sich nicht sehr viele Menschen auf beiden Seiten bereit gefunden hätten, dem Hass und dem Ressentiment in ihren Herzen keinen Platz einzuräumen. Deshalb zum Abschluss der kleinen Serie der letzten Tage noch einmal aus den Briefen an einen deutschen Freund:

 

„Jetzt, da das Ende naht, können wir euch sagen, was wir gelernt haben: dass nämlich Heldentum etwas Geringes ist und Glück ein größeres Bemühen erfordert. (…) Und euch zum Trotz werde ich euch den Namen Mensch nicht absprechen. Wenn wir unserem Glauben treu sein wollen, sind wir gezwungen, das in euch zu achten, was ihr bei den anderen nicht achtet. (…) Darum kann ich Ihnen am Ende dieses Kampfes von der Stadt aus, die ein Höllengesicht bekommen hat, trotz aller den Unseren zugefügten Foltern, trotz unserer entstellten Toten und unserer Dörfer voller Waisen sagen, dass wir selbst im Augenblick, da wir euch mitleidlos vernichten werden, keinen Hass gegen euch empfinden. Und sogar wenn wir morgen wie so viele andere sterben müssten, würden wir keinen Hass empfinden.“ 

 

Albert Camus, Briefe an einen deutschen Freund, in: Fragen der Zeit, Rowohlt-Verlag, Reinbek b. Hamburg 1960, S. 29. (aus dem Vierten Brief,  Juli 1944).
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