Poeten, Rebellen, Verwandte im Geiste: „Singer, Songwriter & Poets“ von Oliver Jordan im Stadtmuseum Siegburg

Oliver Jordan und Bob Dylan bei der Eröffnung der Ausstellung „Singer, Songwriter & Poets“ im Stadtmuseum Siegburg. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Viel Zeit ist nicht gerade, trotz Wochenende, aber einen kleinen Ausflugstipp will ich doch noch rasch einstellen, bevor es zu spät ist. Die Ausstellung, um die es geht, endet nämlich bereits  in acht Tagen, am  7. Mai, und es wäre schade, sie zu verpassen. Die Rede ist von Oliver Jordans „Singers, Songwriters & Poets“ im Stadtmuseum Siegburg. 

Albert Camus mit Zigarette im Entrée zur Ausstellung von Oliver Jordan. Foto: akr

Wer hier mitliest kennt Oliver Jordans Porträtserie von Albert Camus ja bereits, und beim Betreten des Museums im Parterre blickt uns Camus auch sogleich entgegen. Das bleibt dann hier allerdings auch die einzige Camus-Begegnung – aber das ist in diesem Fall nicht so schlimm, denn dafür trifft man eine große Zahl anderer großartiger Persönlichkeiten, die die Welt mit ihrer Sprachkunst, ihrer Stimme und ihrer Musik bereichert haben bzw. dies immer noch tun. Der Reigen reicht von Richard Wagner bis Mick Jagger, von Friedrich Schiller bis Charles Bukowski, von Beckett bis Böll… Hermann Hesse ist dabei, Lord Byron und William Burroughs, Bob Marley, Prince und David Bowie, Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan und Leonard Cohen, der den Preis mindestens ebenso verdient gehabt hätte, und noch einige andere mehr, die es zu treffen lohnt.

Bekennende „Camus-Freundin“: Singer-Songwriter Patti Smith wie Oliver Jordan sie sieht. ©Oliver Jordan, Foto: akr

Was also ist das für eine illustre Gesellschaft? Es sind „Sänger, Songschreiber und Poeten“, natürlich, aber das wäre dann doch etwas wenig als kleinster gemeinsamer Nenner für diese Auswahl. Sich auf die Suche nach dem zu machen, was sie verbindet, Beziehungen und Querverweise zwischen ihnen aufzuspüren über alle Zeiträume hinweg, genau das macht den intellektuellen Spaß aus, den man in dieser Ausstellung ganz gewiss haben kann. Die andere Seite ist das pure Seh-Vergnügen, welches die Malerei von Oliver Jordan dem Betrachter bietet. Absolut faszinierend zu erleben ist es jedesmal aufs Neue, wie sich aus den Bergen von zerfurchter, zerspachtelter, scheinbar formlos auf die Leinwand aufgetragener Ölfarbe erst beim Zurücktreten das Porträt herausbildet – oder wie es sich umgekehrt beim Nähertreten in pure Malerei auflöst. Ein faszinierender Effekt, aber doch weit mehr als nur Effekt, denn was auf geheimnisvolle Weise dabei herauskommt, ist eben das Porträt im besten Sinne: Mehr als bloß ein auf äußerliche Wiedererkennbarkeit angelegtes Abbild erfasst und spiegelt es etwas vom innersten Wesen der porträtierten Person. Fotografische Abbildungen der Gemälde können diese Qualität naturgemäß nicht wiedergeben. Oliver Jordans Bilder leben von der direkten Begegnung, und ich kann nur dringend empfehlen, sich dieses Vergnügen nicht entgehen zu lassen.

Richard Wagner wie Oliver Jordan ihn sieht – mit Friedrich Nietzsche über dem rechten Auge. © Oliver Jordan, Fotos: akr

Ach ja: Und schreiben kann der Mann ganz offensichtlich auch noch. Deshalb hier noch eine Passage aus einem Vorwort von Oliver Jordan zu einer früheren Ausstellung, zitiert in der Broschüre zur Siegburger Ausstellung, weil’s für die dort Versammelten genauso schön passt:

Sie sind die edlen Halbwilden, die sich vor den Türen ihrer Nachbarn im Treppenhaus Richtung Ausgang wohlfühlen, die die Sehnsucht nach der großen Weite noch in ihren Herzen fühlen und in einer Halbwelt zwischen Domestizierung und Natur ihre Heimstatt finden. Sie sind mal hier, mal dort, unterwegs, der Tramp, immer etwas fremd, immer in Bewegung, Standbein – Spielbein… sie sind Homers Odysseus und Cervantes Don Quichotte und auch der Sisyphos der Glückliche in der Auslegung von Albert Camus, und ja sie sind, wenn es darauf ankommt, auch im 20. Jahrhundert mal Protestsänger, wenn Protest mit einschließt, was Camus meinte, als er schrieb «die einzige Pflicht, die ich kenne, ist die Pflicht zu lieben.»“

Oliver Jordan

P.S. In die Reihe der von Oliver Jordan Porträtierten Singer & Songwriter gehört auch Eric Andersen, dessen wunderbare Camus-Songs ich hier bereits vorgestellt habe. Eine Gelegenheit, ihn live zu erleben gibt es am 3. Juni in Köln. Bei seinem Konzert in der Kulturkirche Ost in Köln-Buchforst wird er auch einen neuen Camus-Song über den „Sisyphos“ mitbringen. Ich werde mir jetzt mal sogleich ein Ticket sichern! (Kölnticket)

Verwandte Beiträge:

Eine Hommage an die Schönheit und das Licht – Oliver Jordans Camus-Bilder im LVR-Museum Bonn
Der Soundtrack für den Winter: Eric Andersens (Camus-)Songs
Wie ich einmal mit Camus übernachtet habe
Albert Camus und Bob Dylan erhalten den Literaturnobelpreis
Heinrich Böll trifft Albert Camus und wird dabei von Oliver Jordan porträtiert. Eric Andersen macht die Musik dazu.

 

Dieser Beitrag wurde unter (Camus und die) Kunst abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.