Nein, das ist nicht Penelope

Am Wegesrand zwischen Arles und Saint-Marie-de-la-mer: Ein Citroen 11CV BN von 1955 steht zum Verkauf. © Foto: akr

Am Wegesrand bei Saintes-Marie-de-la-Mer: Ein Citroen 11CV BN von 1955 steht zum Verkauf. © Foto: akr

Bei einem Wochenende auf dem Land und 30 Grad im Schatten sind die Erinnerungen an die wunderbare Auf-den-Spuren-von-Camus-in-der-Provence-Zeit wieder ganz gegenwärtig. Nur die Camus-Geschichten und Assoziationen purzeln mir nicht mehr wie von selbst vor die Füße und in den Blog. Vor zwei, drei Wochen gab es noch mehr davon, als ich hier unterbringen konnte. Das Foto oben erinnert mich daran: Es war auf dem Rückweg von einem Ausflug in die Camargue, kurz hinter Saintes-Marie-de-la-Mer. Mein Blick schweift aus dem Autofenster über die bügelbrettflache Landschaft. Jeder Flamingo wird von mir begeistert begrüßt, auch die kleinen Camargue-Pferdchen lassen sich sehen. Weiße und schwarze Pferde… „Schwarzes Pferd, weißes Pferd, die gleiche Menschenhand bändigt das Toben der beiden…“ – die Anfangszeilen eines seltsam-rätselhaften Textstücks von Camus zum Thema der Nemesis fallen mir ein…

Plötzlich schiebt sich für Sekunden aus dem Augenwinkel das Bild eines schwarzen Ungetüms dazwischen und ist auch schon wieder verschwunden. – „He, halt doch mal eben an!“ – „Warum?“ – „Ich will mir das Auto anschauen, das da am Straßenrand stand.“ – „Du willst WAS?“ – „Mir das Auto anschauen. Es war vielleicht ein alter Citroen. Camus hat einen Citroen gefahren. Er hat seinen Autos sogar Namen gegeben. Der erste hieß Desdemona und der letzte Penelope. Ich habe mich immer schon gefragt, wie Penelope wohl aussah. Vielleicht so wie der da?“ Ich ignoriere großzügig den Jetzt-übertreibt-sie-aber-Blick von der Seite. Wir drehen um.

Der Wagen, der am Straßenrand steht und mit einem „Zu Verkaufen“-Schild versehen ist, ist eindeutig ein Citroen. Auch das Baujahr 1955 könnte stimmen. Penelope war ein schwarzer Citroen 11 Legere von 1955; die Information hatte ich irgendwann einmal irgendwo aufgespießt, ohne ein Bild damit zu verbinden. Der Patron des winzig kleinen Automobilmuseums, zu dem der Wagen am Straßenrand gehört, ist gerade nicht da. Nein, sie könne leider keine genaueren Angaben zu dem Wagen machen, bedauert seine Frau. Der kleine Sohn malt noch beflissen die Telefonnummer auf einen Zettel, falls wir später vielleicht doch noch am Kauf interessiert seien, man könne ja nie wissen. Ich unterdrücke ein Grinsen, mache noch schnell ein Foto, und dann ist die kleine Episode auch fast schon vergessen. Bis ich, längst zurückgekehrt, die Urlaubsfotos durchsehe – und mich erneut frage: Was war das nun eigentlich für ein Citroen? Könnte es nicht doch Penelope gewesen sein? Schließlich weiß man doch nicht, was aus ihr geworden ist!

Die Recherche im Internet bringt mich nicht wirklich weiter: Die Wagen sehen sich einfach zu ähnlich. Ein Fachmann muss her. Ich schicke das Foto mit meiner Frage an den Citroen Veteranen Club Deutschland, Abteilung 4 Rhein-Ruhr, und erhalte umgehend Antwort: „Auf dem Foto ist ein 11CV BN (normale) zu sehen, der Unterschied zum Legere ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen, er ist insgesamt etwas kleiner und heißt 11CV BL für (legere).“

Wäre das also auch geklärt. Ich danke Hubert Heggen vom Citroen Veteranen Club herzlich für die prompte Auskunft und nehme mir fest vor, dem nächsten Citroen-Veteranentreffen, das im näheren Umkreis stattfindet, einen Besuch abzustatten.

 

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