Nachtrag zur Vorschau: TheaterWerkstatt Würzburg eröffnet die Spielzeit mit „Die Gerechten“

Illustration zur Spielzeitankündigung von "Die Gerechten" bei der TheaterWerkstatt Würzburg (©).

Illustration zur Spielzeitankündigung von „Die Gerechten“ bei der TheaterWerkstatt Würzburg (©).

Jetzt aber schnell! Eine Ergänzung zum Septemberprogramm und zur Theater-Spielzeit 2015/16 ist nachzutragen, und die Premiere ist schon am heutigen Samstagabend: Würzburgs ältestes Privattheater, die TheaterWerkstatt Würzburg (vormals bekannt unter dem Namen „Werkstattbühne“) eröffnet die Saison mit Die Gerechten.

Camus‘ Drama aus seinem Werkzyklus der Revolte wurde in letzter Zeit so häufig gespielt (und hier angekündigt), dass ich mir eine Inhaltsangabe einfach mal spare und stattdessen lieber zwei der Protagonisten des Dramas sprechen lasse. Die Szene spielt, nachdem das lange und sorgfältig geplante Attentat auf den Großfürsten fehlgeschlagen ist. Iwan Kaliajew, genannt Janek, hatte die Bombe nicht wie vorgesehen geworfen, weil dieser in Begleitung seines Neffen und seiner Nichte in der Kutsche fuhr.

„Stepan: Weil Janek diese beiden nicht getötet hat, werden noch jahrelang Tausende russische Kinder Hungers sterben. (…) Lebt ihr immer nur im gegenwärtigen Augenblick? Dann wählt die Mildtätigkeit und lindert das Übel eines jeden Tages, nicht aber die Revolution, die alle Übel heilen will, die gegenwärtigen und die zukünftigen.“ (1).

„Kaliajew: Ich will nicht um einer toten Gerechtigkeit willen zu der bestehenden Ungerechtigkeit beitragen. (…) Kinder töten ist wider die Ehre. Und wenn sich eines Tages die Revolution von der Ehre abkehren sollte und ich noch lebe, dann werde ich mich von der Revolution abkehren. (…)
Stepan: Die Ehre ist ein Luxus für Leute, die in Kaleschen fahren.“ (2)

Die TheaterWerkstatt schreibt in ihrer Ankündigung: „Camus‘ Drama stellt die zeitlos aktuelle Frage nach der Legitimität von Gewalt im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Was zu seiner Entstehungszeit als Rechtfertigung der bewaffneten Resistance gegen die Nazis gedacht war, ist heute, wo man daran gewöhnt ist, Konflikte vom Fernsehsessel aus zu verfolgen und wo das Töten Unschuldiger nahezu kommentarlos zur Kenntnis genommen wird, von neuer, beunruhigender Aktualität.“

Termine: Das Theater spielt ensuite, das heißt, Die Gerechten werden durchgängig gespielt, und zwar vom 19. September bis 31. Oktober immer mittwochs, freitags, samstags und sonntags. Es spielen: Kristina Förster, Miro Nieselt, Markus Rakowsky, Michael Schwemmer und Konstantin Wappler. Regie führt Uwe Bergfelder.
Ort: Theaterwerkstatt Würzburg e.V., Rüdigerstraße 4,
Karten: 0931/ 59 400 (Anrufbeantworter) oder online tickets@theater-werkstatt.com

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Von Liebe und Revolution

(1) Albert Camus, Die Gerechten, in: Dramen. Aus dem Französischen übertragen von Guido G. Meister. Rowohlt-Verlag, Reinbek b. Hamburg 1962, S. 204 (2) a.a.O., S. 205f.
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