Heute Abend im TV: Catherine Camus bei ttt

Catherine Camus auf der Terrasse des Camus-Hauses in Lourmarin. ©Foto: Norbert Krön

Catherine Camus auf der Terrasse des Camus-Hauses in Lourmarin. © Foto: Norbert Kron

Damit wäre also auch die Gestaltung des heutigen Abends schon mal geklärt:

Unter dem Titel „Tochter eines großen Denkers“ kündigt Titel, Thesen, Temperamente für die heutige Sendung einen Beitrag über Catherine Camus an. „Camus, der rebellische Denker und glühende Verteidiger der Freiheit – im November hätte er 100. Geburtstag. Seine Tochter Catherine, die in seinem Haus in der Provence lebt und seinen Nachruhm pflegt, lässt niemanden gern an sich ran. Für ttt macht sie eine Ausnahme und erzählt sehr persönlich von ihrem Verhältnis zum berühmten Vater“, heißt es auf der ttt-Webseite. Ich freue mich sehr auf dieses „Wiedersehen“, denn ich habe Catherine Camus erst vor kurzem kennenlernen dürfen – und sie als sehr sympathische, gradlinige Person erlebt, eine zierliche Person, die voller Energie steckt. Das Gespräch mag ich hier aber nicht wiedergeben, die Blog-Leser mögen es mir verzeihen. Es war eine private Begegnung, und ich habe Catherine Camus nicht um Erlaubnis gefragt, etwas davon veröffentlichen zu dürfen. Der Moment war dafür zu kostbar. Also tue ich es auch nicht, obwohl vermutlich nicht viel darin war, was sie nicht auch öffentlich sagen würde, denn in der Tat spricht sie mit großer Offenheit (und Wärme) von ihrem Verhältnis zu ihrem Vater, der für alle Welt Albert Camus ist und den sie verloren hat, als sie erst 14 Jahre alt war.

camus im philosophieMagazinVieles davon kann man übrigens bereits nachlesen, denn das Philosophie Magazin hat in seiner diesjährigen Sommerausgabe ein sehr schönes langes Interview mit Catherine Camus veröffentlicht. Man erfährt darin schon sehr viel über Camus als Vater und über eine nicht immer leichte Kindheit – trotzdem spricht sie mit großer Liebe: „Er hat mir Sicherheit gegeben, er gibt mir übrigens immer noch Sicherheit. Er ermöglichte mir, frei zu denken“ (1). Von seinem Tod, so erzählt sie hier, hat man den Kindern zunächst nichts gesagt. Nicht etwa, um sie zu schützen – nein, man hat einfach nicht an sie gedacht. Die Nachricht, die ihre ganze Welt zusammenstürzen ließ, erfuhren sie quasi beiläufig. „Damals habe ich begriffen, dass mein Vater berühmt war“, sagt sie, „und dass Berühmtheit nichts Gutes ist, weil ein berühmter Mensch zu einem abstrakten Wesen wird. Er ist nur noch berühmt, hat seinen Körper, sein Herz, seine Gefühle, sein Leben eingebüßt; also hatte er keine Kinder, und wir hatten nichts verloren. Da habe ich verstanden, dass es nichts zu beweisen gibt, dass es nur zu leben gilt, und ich habe beschlossen, für den Rest meiner Tage in den Schatten überzuwechseln. Auf kleine Seitenwege, wo ich mich wohlfühle“ (2).

Das Camus-Jahr, in dem täglich Anfragen aus aller Welt an Catherine Camus gestellt werden, hat sie aus diesem Schatten heraustreten lassen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie froh sie sein wird, wenn dieser Medienrummel wieder vorbei sein wird – und nur noch die Menschen übrigbleiben, denen ihr Vater, der Albert Camus war, wirklich etwas bedeutet.

* Heute, 27. Oktober, 23.05, bei Titel, Thesen, Temperamente im „Ersten“.

P.S. Das Philosophie Magazin Nr. 5/2013 enthält außer dem Interview mit Catherine Camus einen soliden einführenden Beitrag zu Leben und Werk von  Camus sowie ein
16-seitiges Booklet mit dem erstmals auf deutsch veröffentlichten Originaltext der Rede Die Krise des Menschen, die Camus am 28. März 1946 in New York gehalten hat. Die Ausgabe ist zwar nicht mehr im Handel, jedoch kann man sie noch beim Verlag bestellen: www.philomag.de/heftbestellungen

Zitate: (1) und (2): Philosophie Magazin Nr. 5/2013, Philomagazin Verlag Berlin, S. 77. Ich danke der ttt-Redaktion für die freundliche Überlassung des Fotos.

 

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