Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen gegründet

Frohe Kunde: Von der Gründung der ersten Deutschen Camus-Gesellschaft ist zu berichten. Am vergangenen Samstag wurde sie in Aachen offiziell vollzogen. Die
Albert-Camus-Gesellschaft e.V. hat bislang rund 20 Mitglieder und freut sich jetzt natürlich über raschen Zuwachs. Zum Vorsitzenden wurde der Initiator Sebastian Ybbs –seines Zeichens Schriftsteller und Bildhauer – gewählt; Dr. Jürgen Kippenhan, Philosoph und Leiter des „Institut für Philosophie und Diskurs LOGOI“, und Martin Schwoll, Geschäftsführer von FAIR-Konzept und Buchhändler, sind seine Stellvertreter. Der Jahresbeitrag ist mit 30 Euro überschaubar, kann aber natürlich nach eigenem Ermessen über eine Spende aufgestockt werden. Die Zielsetzung der Gesellschaft wird in der Präambel der Vereinssatzung zusammengefasst:

„Die Albert-Camus-Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Leitgedanken Albert Camus‘, die sich in seiner politischen, literarischen und philosophischen Arbeit nieder-schlagen, kritisch zu diskutieren und sie in die Gegenwart hinein zu reflektieren.
Die Tätigkeit der Gesellschaft soll sich durch vielfältige Veranstaltungen und Veröffent-lichungen einer möglichst breiten Öffentlichkeit präsentieren. Der Wirkungsbereich ist in erster Linie der deutschsprachige Raum, Kontakte in anderssprachige Regionen sind gleichwohl erwünscht.

Über die Würdigung der Person hinaus wollen wir vor allem eine Debatte in Gang bringen, die multiple Interpretationen und Erkenntnisse aus einer Meinungsvielfalt zulässt, die von gegenseitigem Respekt gegenüber sich widersprechenden oder wider-sprüchlich erscheinenden Auslegungen geprägt ist. Camus‘ Biographie wird durch zahlreiche Aspekte gekennzeichnet, die wir heute als eine Einheit betrachten, die in ihren Widersprüchen aber gleichermaßen in zahlreiche Richtungen driften können und damit die Sinnhaftigkeit der Absurdität stets von neuem unter Beweis stellen. Wir werden deshalb auch nicht ausschließen können, dass es zu Fehlinterpretationen und gegen-sätzlichen Ansichten kommen wird. Doch gerade dadurch können wir die Diskussion am Leben erhalten. Manifeste, die für andere Maßstab sein sollen, wird es seitens der Camus-Gesellschaft nicht geben.

Anlass für die Idee zur Gründung der Albert-Camus-Gesellschaft war der 100. Geburtstag des Denkers im Jahre 2013, bei dem Camus durch Buchveröffentlichungen, vielfältige Zeitungsartikel, Berichte in elektronischen Medien und zahlreiche Veranstaltungen gewürdigt worden ist. Zwischen 1913 und heute liegen politische, gesellschaftliche, und ökonomische Welten. Camus ist aus unserer Sicht nicht nur geographisch in der Fremde geboren und aufgewachsen, auch die Epoche seines Wirkens hatte viele andere Vor-zeichen. Was uns unabhängig von Ländern und Zeitmessungen miteinander verbindet, das sind die Gedanken, die Camus aus seiner eigenen Biographie hergeleitet hat, und die wir durch eine nachhaltige Auseinandersetzung auch in Reflexion zu anderen Denkern zeitgemäß weiterleiten wollen. Es ist an uns, die Gegenwart zu gestalten, nicht so wie es Camus vermutlich tun würde aber mit unseren Sinnen, denen er zum Wachstum ver-holfen hat.

Die Mitgliedschaft ist für jedermann offen, sie richtet sich insbesondere an Geistes-wissenschaftler, kreativ Tätige, Menschen, die sich für soziale, gerechte, freiheitliche Ziele in der Gesellschaft engagieren und all diejenigen, die neugierig auf Erkenntnisse und Reflexionen im Sinne von Albert Camus‘ Leben und Werk sind. Eine Mitarbeit ist auch unabhängig von einer Mitgliedschaft bei der Albert-Camus-Gesellschaft möglich.”

Noch etwas mehr dazu, wie die Arbeit der Gesellschaft aussehen soll, erfährt man in § 2: „Dies soll durch öffentlich zugängliche Gesprächskreise, breitenwirksame Ver-anstaltungen und Publikationen geschehen. Ebenfalls sind eine Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten und die Würdigung von Personen möglich, die im Sinne
der Ziele der Albert-Camus-Gesellschaft agieren.”

logo-camus-gesellschaftZweimal im Monat soll bei den Plenumstreffen, die für alle Interessierten offen sind, über Camus‘ Schriften diskutiert werden. Die nächsten Termine sind: 26. Februar, 11. und 26. März, 30. April, 13. und 27. Mai, 11. Juni. Die Treffen finden jeweils um 19.30 Uhr im LOGOI, Jakobstraße 25a, in Aachen statt. Eine Einladung mit dem jeweiligen Thema wird an alle Interessenten, die ihre E-mail-Adresse hinterlassen, verschickt; ebenso der Aufnahmeantrag. Kontakt: phil@logoi.de oder sebastian.ybbs@unitedtelecom.be

Mehr zu den Initiatoren der Albert-Camus-Gesellschaft gab es bereits hier im Blog

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2 Kommentare zu Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen gegründet

  1. Guten Tag,
    Ich habe heute im Interet nach Büchern von Albert Camus im Interet auf Russisch oder Ukrainisch geschaut – bin aber nicht fündig geworden.
    Stattdessen stiess ich auf Ihre Seite und dachte mir, dass Sie möglicherweise Informationen darüber haben, ob es solche gibt oder nicht.
    Hintergrund: Ich hatte mal eine Freundin, die begeisterte Camus-Leserin war, so dass ich mich habe anstecken lassen und auch so einige Bücher von ihm gelesen habe, obwohl ich sonst eigentlich wenig oder nur phasenweise Bücher lese ..
    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich wohne nun schon seit geraumer Zeit in Luxemburg (stamme gebürtig aus dem Raum Linnich/Jülich) und habe zur Zeit eine Mitbewohnerin aus der Ukraine, die am kommenden Sonntag Geburtstag hat…Meine Idee war nun ihr diesen Schriftsteller vielleicht näher zu bringen und ein Werk von ihm (vorzugsweise „der Fremde“) zu schenken … Bin wie gesagt aber nicht fündig geworden…Ein Buch in der eigenen Muttersprache zu lesem, denke ich hat immer noch eine andere Qualität als z.B. Englisch (was sie natürlich einigermaßen beherrscht …)
    Würde mich freuen, wenn Sie mir weiterhelfen könnten bzw. Informationen über Veröffentlichungen der Werke Camus‘ in russsicher oder ukrainischer Sprache hätten…

    Mit freundlichen Grüßen aus Luxemburg
    Thomas Leufen

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