Wie viel Leben steckt im Werk? Camus-Gesprächskreis in Aachen zurück aus der Sommerpause

Plötzlich überfiel ihn ein Gedanke, der ihn bis ins Mark erschütterte. Er war vierzig Jahre alt. Der unter dieser Steinplatte begrabene Mann, der sein Vater gewesen war, war jünger als er. Und die Welle von Zärtlichkeit und Mitleid, die auf einmal sein Herz überflutete, war nicht die Gemütsregung, die den Sohn bei der Erinnerung an den verstorbenen Vater überkommt, sondern das verstörte Mitgefühl, das ein erwachsener Mann für das ungerecht hingemordete Kind empfindet – etwas entsprach hier nicht der natürlichen Ordnung, und eigentlich herrschte hier, wo der Sohn älter war als der Vater, nicht Ordnung, sondern nur Irrsinn und Chaos.“¹

Es ist mitunter schwierig, Schlüsse aus der Biographie eines Schriftstellers in Hinblick auf sein künstlerisches Werk zu ziehen oder den persönlichen Lebenswandel eines Philosophen an dessen Thesen zu messen. Eine Brücke bauen uns diejenigen Autoren, die ihre Biographie selbst zum Thema ihrer schriftstellerischen Arbeit gemacht haben. Jean-Paul Sarte schrieb Die Wörter, Mark Twain Meine geheime Autobiographie, Fjodor Dostojewski Autobiographische Aufzeichnungen, Thomas Mann Über mich selbst – und Albert Camus schilderte seine Kindheits- und Jugenderlebnisse in dem unvollendeten Roman Der erste Mensch.

Was bewegt diese Autoren dazu, ihr eigenes Leben in ihr literarisches Werk einzureihen?

Mit dieser Frage kehrt die Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen aus der Sommerpause zurück und nimmt am Dienstag, 6. September, den monatlichen Jour Fixe wieder auf. Ausgehend von der “Suche nach dem Vater” soll erörtert werden, wie die Einflussnahme von Camus‘ Leben auf dessen Werk einzuschätzen ist. Der Abend ist wie immer offen für alle Interessierten. Die Gesprächsleitung hat Sebastian Ybbs, Vorsitzender der Gesellschaft.

Termin: 
Dienstag, 6. September, um 20 Uhr im philosophischen Institut LOGOI, Jakobstraße 25a in Aachen.

¹Albert Camus, Der erste Mensch. Deutsch von Uli Aumüller, Rowohlt Verlag, Reinbek b. Hamburg 1995 / TB 1997, S. 28

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