Was uns Italien lehrt (unterwegs mit Camus)

Ein Stück Toskana im Meer: Isola d'Elba, Blick auf die Bucht von Porto Azzurro. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Ein Stück Toskana im Meer: Isola d’Elba, Blick auf die Bucht von Porto Azzurro. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

„… Kann ich heute daran zweifeln, dass dieser Augenblick der Trauer dennoch ein Augenblick des Glücks gewesen ist?
Italien, das diese Lehre durch seine Menschen bekräftigt, bestätigt sie auch durch seine Landschaft. Aber nur zu leicht versäumt man das Glück, da es immer unverdient ist. Das gilt auch für Italien, dessen Zauber uns oft plötzlich, aber nicht immer unmittelbar berührt. Mehr als jedes andere Land fordert Italien dazu auf, eine Erfahrung, die es uns gleich beim ersten Mal in ihrer ganzen Fülle zu schenken scheint, zu wiederholen und zu vertiefen. Denn es verschwendet zunächst all seine Poesie, um desto sicherer seine Wahrheit für sich zu behalten.“¹

Camus schrieb dies als junger (und nicht sonderlich weitgereister) Mann, ein weiteres Zeugnis seiner bestechenden Beobachtungsgabe und Erlebnisfähigkeit. Mir hat sich dieser erste Eindruck, von diesem Land mit ungekannter, alles verändernder Fülle beschenkt zu werden, aus Kindertagen unvergesslich eingebrannt. Seither zieht es mich immer wieder hier her, auf der Suche, diese Erfahrung zu wiederholen und zu vertiefen. Wiederholungen gelingen selten im Leben, und um der unter den Urlaubsimpressionen verborgenen Wahrheit der Dinge näher zu kommen, braucht es mehr Geduld, Zeit und Einsamkeit, als zur Verfügung steht. Aber beschenkt fühle ich mich auch diesmal wieder auf’s Neue.

 

¹Die Wüste, in: Hochzeit des Lichts, Literarische Essays, Deutsch von Guido G. Meister, Rowohlt-Verlag, Hamburg 1959, S. 110

 

 

 

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