Von der Unerträglichkeit der Schönheit

August – der letzte wirkliche Sommermonat des Jahres, bevor sich langsam der Herbst einschleicht, jedenfalls in unseren Breiten. Zum Abschied heute eine Notiz aus dem Tagebuch des jungen Camus, aus dem Jahr 1935.

 

„Gewitterhimmel im August. Glühende Winde. Schwarze Wolken. Im Osten jedoch ein zart blaues, durchsichtiges Band. Unmöglich, es anzuschauen. Es ist eine Pein für Augen und Seele. Denn die Schönheit ist unerträglich. Diese Ewigkeit von der Dauer einer Minute, die wir gleichwohl über alle Zeit hin ausdehnen möchten, sie lässt uns verzweifeln.“

 

Ciel d’orage en août. Souffles brûlants. Nuages noirs. À l’est pourtant, une bande bleue, délicate, transparente. Impossible de la regarder. Sa présence est une gêne pour les yeux et pour l’âme. C’est que la beauté est insupportable. Elle nous désespère, éternité d’une minute que nous voudrions pourtant étirer tout le long du temps.“

Albert Camus, „Tagebücher 1935-1951“. Deutsche Übersetzung von Guido G. Meister.  Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1963, 1967, S.9. / Oeuvre complètes II, édition publiée sous la direction de Jacqueline Lévi-Valensi, Gallimard, Paris 2006, Bibliothèque de la Pléiade, carnets 1935-1948, p.797
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Ein Kommentar zu Von der Unerträglichkeit der Schönheit

  1. Manfred sagt:

    Wunderschöne Worte…wunderschöne Sätze…man wünscht sich mehr Zeit für Muse und all den Dingen im Leben die das Leben so lebenswert machen ohne dabei nur eine Seite zu beleuchten. Sie durchdringen mir Fleisch und Blut.

    Viele Grüße,
    Manfred…der noch immer auf der Suche nach dem Fremden ist.

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