Von Camus und der Liebe in Lourmarin

Blick auf Lourmarin im Winter

Blick auf Lourmarin mit dem Haus von Camus an einem Wintermorgen. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Im Moment ist es mal wieder so, dass die Ruhe hier im Blog täuscht: Tatsächlich verbringe ich nämlich gerade beinahe jede freie Stunde mit Camus – wobei die freien Stunden allerdings derzeit leider nicht sehr zahlreich sind. Nach längerer Zeit steht nämlich mal wieder ein Vortrag an, und da es keinen Spaß macht, einfach einen x-mal gehaltenen Vortrag wieder hervorzuziehen, bedeutet das einiges an Arbeit – und in diesem Fall auch eine besondere Herausforderung. Zu meiner großen Freude stehen nämlich die jährlich in Lourmarin stattfindenden Rencontres Méditerranéennes Albert Camus in diesem Jahr unter dem Titel «Albert Camus: le cycle inachevé, le cycle de l’amour», und zu meiner noch größeren Freude bin ich dazu eingeladen. Die Rencontres finden am 16. und 17. Oktober 2015 in Lourmarin statt. Einen genauen Programmplan gibt es noch nicht, aber wie mir der Organisator der Tage, Professor Jean-Louis Meunier, mitteilt, stehen immerhin die Referenten und ihre Themen fest, die ich hier natürlich gerne schon einmal bekanntgebe:

Zedjiga Abdelkrim: «Le sacré comme lieu de l’amour sublimé dans La femme adultère»

Guy Basset: «Le premier homme, le premier Camus, le premier éditeur. Hommage à Edmond Charlot»

Christian Chevandier: «La montagne: un autre élément du décor de Camus»

Éliane Itti: «L’image de l’Algérie française dans les manuels scolaires à la disposition du jeune Camus»

Virginie Lupo-Saint-Ramond: «Le Premier Homme ou la lettre au père de Camus ?»

Samantha Novello: «La révolution du Premier Homme: esquisse d’une phénoménologie de l’amour chez Camus»

Agnès Spiquel: «Camus fin 1959: entre les Carnets et la seconde partie du Premier Homme»

Barbara Zauli: «Comment devient-on ce que l’on est? Albert Camus en voyage vers ceux qu’il aimait»

Der Titel meines Vortrags lautet übrigens: «L’amour: début secret et objectif du cheminement de la pensée d’Albert Camus» (Die Liebe: Geheimer Anfang und Ziel des Denkweges von Albert Camus).

Zwar erschließt sich mir jetzt nicht auf Anhieb bei jedem Vortragstitel die Verbindung zum großen Thema des dritten und letzten Stadiums im Werk von Camus, dem gerade erst begonnenen Zyklus der Liebe – aber eine gehaltvolle und spannende Tagung verspricht das Programm allemal. Ich freue mich jedenfalls auf die Begegnung mit den  „Camusianern“ auf dem Podium und im Publikum und auf ein Wiedersehen mit dem zauberhaften Lourmarin.

Wie gerne denke ich noch an den letzten Besuch dort zurück, ein kleiner Abstecher in den ersten Tagen dieses Jahres, weil ich diesen im Sommer immer so überlaufenen Ort so gerne einmal im Winter sehen wollte. Wenn ich die Fotos anschaue (und auch, wenn ich die Augen schließe), kann ich mich mühelos dorthin zurückversetzen: Ich spüre sie wieder, die Wintersonne, die gerade kräftig genug ist, um auf dem Platz einen café au lait trinken zu können, die klare kalte Luft beim Gang über den Friedhof. Ich erinnere mich, wie ich es genossen habe, am frühen Abend durch fast menschenleere Gassen zu gehen und mir vorzustellen, dass so ähnlich Camus es vielleicht auch erlebt haben mag.

Und ich erinnere mich an jenen Moment, der so kostbar für mich war, dass ich ihn bis jetzt für mich behalten habe: Jener Augenblick nämlich, als sich zum ersten Mal die Tür zu seinem Haus für mich öffnete. Sie sei eben erst aus dem Urlaub zurückgekehrt und habe leider nicht viel  Zeit, hatte Catherine Camus erklärt, als wir uns unversehens im Dorf über den Weg liefen. „Aber kommen Sie doch noch auf eine Sprung mit, wenigstens noch für einen Blick von der Terrasse.“ Mit Herzklopfen folgte ich ihr ins Haus und wurde sogleich von den drei freundlichen großen Hunden begrüßt. Was für eine Freude! Wenn mich feuchte Hundenasen anschubsen und dunkle Knopfaugen erwartungsvoll zu mir aufblicken, ist es bei mir vorbei mit jeglicher Andacht, dann schmelze ich widerstandslos dahin, gehe buchstäblich in die Knie und rutsche sogleich auf dem Boden herum. Meine Hundeliebe ist zugegeben ein wenig närrisch, aber es ist auch einfach zu schön, wie leicht sich ihr Herz erobern lässt: Man liebt sie, und sie lieben einen bedingungslos zurück. Ach, wenn es doch immer so einfach wäre mit der Liebe!

Als ich dann auf der Terrasse stand, kehrte das andächtige Gefühl aber doch noch einmal zurück… Dieser Blick über Olivenbäume und Zypressen hinweg zum Schloss und auf die Hügel des Luberon  – unverändert in all den Jahren, dieser Blick hat etwas Verzauberndes. Ich habe ihn mit den Augen getrunken, ihn aufgesogen bis der Himmel das letzte blassblaue Licht abgezogen hatte und sich die Dunkelheit über den Garten legte. Ein magischer Moment. Dass ich diesen Blick dann sogar noch einmal in vollem Sonnenlicht genießen sollte – das ist schon fast wieder eine andere Geschichte, und die soll (vielleicht) ein andermal erzählt werden.

Ein magischer Moment: Der Blick von Camus' Terrasse zur blauen Stunde... ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Ein magischer Moment: Der Blick von Camus‘ Terrasse zur blauen Stunde… ©Foto: Anne-Kathrin Reif

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3 Kommentare zu Von Camus und der Liebe in Lourmarin

  1. Ruth Schlette sagt:

    Jetzt freue ich mich auf das Wiedersehen mit den Freunden und dem Ort, Ihren Vortrag,
    die rencontres, die ja immer auch Überraschungen bergen, „Begegnungen“ eben..
    Ihre Ankündigung hat alles verlebendigt. Vielen Dank, liebe Frau Reif!

  2. claudie menini sagt:

    Heureuse de pouvoir vous écouter et de vous rencontrer à Lourmarin à l’occasion des „Rencontres“.
    Claudie

  3. Nicole Nau sagt:

    Wie schön, Dich wieder zu lesen! Miss you!
    Nicole

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