TraumaStadt 2013: Bochumer Off-Theater spielt Caligula

Theater Rottstr. 5 spielt "Caligula" - hier eine Ensembleszene. ©Foto: Theater Rottstr. 5

Theater Rottstr. 5 spielt „Caligula“ – hier eine Ensembleszene. ©Foto: Sabine Michalak

„Diese Welt ist so, wie sie gemacht ist, nicht zu ertragen. Darum brauche ich den Mond, oder das Glück oder die Unsterblichkeit, etwas,
was unsinnig sein mag, was aber nicht von dieser Welt ist.“ (1)

„Mit verrückten Kaisern kennen wir uns aus. Aber dieser ist nicht verrückt genug“, schreibt das Theater Rottstr. 5 in seiner Ankündigung zu Camus‘  Drama Caligula, mit dem das kleine Bochumer Theater am morgigen Sonntag Premiere feiert. Nach dem Prolog Kassandra im Juli ist die Inszenierung von Marco Massafra (Regie und Textfassung) der erste Teil des ambitionierten Projekts TraumaStadt 2013, einer Trilogie, die sich mit Aufstieg und Niedergang Roms beschäftigt – durchaus aber auch Parallelen zum Heute aufweisen soll: Mit dem Projekt-Titel TraumaStadt 2013 greift das Theaterteam einen Titel auf, den die Süddeutsche Zeitung der Stadt Bochum in einem Porträt verliehen hat. Nach Caligula folgen Caesar und Nero.

Das Theater schreibt in seiner Ankündigung:

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Mensch bei uns über unumschränkte Macht verfügt, aber zum ersten Mal bedient er sich ihrer unumschränkt und geht soweit, den Menschen und die Welt zu leugnen. Caligula verwandelt seine Philosophie in Leichen, und zu unserem Unglück ist es eine Philosophie, die keine Einwände kennt. Diese zweckfreie Bosheit muss man überlisten. Wir müssen sie immer weiter in ihre Richtung hineintreiben und warten, bis diese Logik in Wahnsinn umschlägt. Wahren wir den Schein. Das römische Reich sind wir. Wenn wir das Gesicht verlieren, verliert das römische Reich den Kopf.

Rom ist Schicksal: Schon die allzu klaren Augen der Seherin des zerstörten Trojas blicken dorthin. Rom ist Krieg: Ihre Armeen verschlingen ganze Völker und werfen sie der Stadt zum Fraße vor. Rom ist Macht: Kaiser, Senatoren und Patrizier spielen immerzu das Spiel der Politik und des Aufstiegs. Rom ist Irrsinn: Wie ein Geschwür wächst es, und die Keimzelle des Wahns sitzt auf einem bröckelnden Thron.
Wie wird Rom enden?“

Ich bin sehr gespannt darauf, was dieses junge Off-Theater aus dem Camus-Stoff machen wird. Eine allzu stück- und textnahe Inszenierung darf man freilich wohl nicht erwarten, denn die je eigene Aneignung der Vorlagen gehört offenbar zum Konzept des Theaters. Jedenfalls freue ich mich darauf, aus diesem Anlass das freie Theater in der Wuppertaler Nachbarschaft endlich einmal kennenzulernen, ist doch Vielversprechendes darüber zu hören und zu lesen. „Die Truppe junger, professioneller Theatermacher hat sich an der Bochumer Rottstraße den Ruf erspielt, eine der kreativsten und ambitioniertesten Bühnen im Ruhrgebiet zu sein“, las ich erst neulich im Zusammenhang mit einer Werther-Aufführung beim Düsseldorfer Asphalt-Festival (die Quelle ist mir leider, der Verfasser möge es verzeihen, abhanden gekommen). Auch die Welt am Sonntag schildert das Theater in ihrer NRW-Ausgabe in einem interessanten Porträt als „Kleines Haus mit großer Wirkung“.

Die Projektreihe TraumaStadt 2013 wird von der Kulturhauptstadt-Stiftung mit 20 000 Euro gefördert. Es spielen: Caligula – Martin Bretschneider; Caesonia – Lisa Balzer; Helicon – Damir Avdic; Scipio – Bernhard Schmidt-Hackenberg; Cherea – Marco Massafra. Regie & Textfassung – Marco Massafra.

* Premiere: Sonntag, 8. September 2013, 19.30 Uhr, im Theater Rottstr. 5, Bochum. Weitere Aufführung am 29. September. Karten

 

(1) Albert Camus, Caliugula, in: Dramen. Aus dem Französischen übertragen von Guido G. Meister. Rowohlt-Verlag, Reinbek b. Hamburg 1991, S. 21.

 

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