Start in die Theatersaison: Camus bleibt auf den Bühnen präsent

Wuppertal, 7. September 2014. Es gibt ein paar Sätze, die so abgenutzt sind, dass ich mir deren Verwendung ein für allemal verboten habe. Dazu gehört der Satz „Die Zeit rast wieder einmal so schnell“ (mit allen zugehörigen Varianten…). Das Problem ist nur: Die Zeit rast wieder einmal so schnell. Und deshalb ist jetzt auch schon die erste Septemberwoche rum, und allüberall im Land hat die neue Theater- und sonstige Kultursaison angefangen. Allerhöchste Zeit also, einen Blick in die Programme zu werfen und festzustellen: Camus steht auch weiterhin auf den Spielplänen.

Den Anfang macht der Kulturkeller Heilbronn, wo ab dem 19. September wieder Das Missverständnis auf dem Programm steht (weitere Vorstellungen: 20., 26., 27. September, 10./11. Oktober).  „Ein paar schwarze Klötze, die ab und zu umgestellt werden, genügen als Ausstattung in dem Zimmer mit weiß getünchten Wänden, in dem sich das Geschehen zuträgt. In diesem Raum inszeniert Ingrid Richter-Wendel, die Doyenne des Theaters Heilbronn, einen psychologisch durchleuchteten, spannenden Krimi, der in dieser ebenso realistischen wie auf den Kern des Stücks zugespitzten Interpretation in erster Linie auf das Wort und die durch dieses bedingte Wirkung des Textes abgestellt ist“, schreibt dazu Dieter Schnabel in den Fränkischen Nachrichten (1).

Beim kleinen Euro-Theater in Bonn scheinen sich Der Fremde und Die Gerechten zu Dauerbrennern zu entwickeln (Regie jeweils Jan Steinbach, Fotos oben). Der Fremde wird wieder am 30. September und 1. Oktober gespielt, Die Gerechten am 25. und 26. September (weitere Termine sind noch nicht bekannt).

Auch eines der großen Häuser im Land hat sich für die neue Saison Camus vorgenommen: Die Gerechten feiern am 18. Oktober in der Regie von Michael Gruner Premiere am Schauspielhaus Düsseldorf (Voraufführung am 17. Oktober).

Und weit voraus aber auch bereits angekündigt ist eine weitere Inszenierung von Das Missverständnis, nämlich beim Kleintheater Das Bühneli in Lörrach, wo Camus‘ düsteres Drama ab dem 31. Januar 2015 gespielt wird.

Martin Wuttke wollte in Bonn Camus' "Caligula" inszenieren. ©Foto: Monika Saulich

Martin Wuttke wollte in Bonn Camus‘ „Caligula“ inszenieren. ©Foto: Monika Saulich

Leider ist auch eine sehr bedauerliche Absage zu vermelden: Beim Stadttheater in Bonn wird nicht wie vorgesehen Martin Wuttke eine Inszenierung des Caligula herausbringen. Die Premiere war für den 28. November vorgesehen. „Der Regisseur Martin Wuttke hat sich aus persönlichen Gründen entschieden, zur Zeit nicht als Regisseur zu arbeiten und möchte sich in naher Zukunft ausschließlich auf die Schauspielerei konzentrieren. Beide Seiten bedauern die kurzfristige Absage sehr, hoffen aber, in Zukunft wieder zusammen zu arbeiten“, teilt das Theater Bonn dazu mit. Das ist schade, denn Martin Wuttke ist vielen sicherlich zu Unrecht hauptsächlich als Leipziger Tatort-Kommissar Keppler an der Seite von Simone Thomalla bekannt. Dabei ist seine Biographie als Schauspieler (mit Stationen u.a. an allen großen Bühnen Berlins, am Thalia-Theater Hamburg, Mitglied des Wiener Burgtheaters seit 2009, Filmrollen in Quentin Tarantinos Inglorious Basterds und Tom Tykwers Cloud Atlas und diversen renommierten Theaterpreisen) mindestens ebenso beeindruckend wie seine Arbeit als Regisseur u.a. am Berliner Ensemble und an den Münchner Kammerspielen, die Namen wie Beckett, Tabori, Dostojewski und Nietzsche aufweist.

Leider wird es mir ganz sicher auch in dieser Saison nicht möglich sein, quasi hauptberuflich in Sachen Camus durch die Republik zu reisen und mir alles anzuschauen. Sollten Sie, liebe Camus-Freunde und Blog-Leserinnen, also Gelegenheit haben, eine Aufführung zu erleben, berichten Sie mir doch davon. Ich würde mich freuen! In diesem Sinne allen noch einen schönen Sonntag und à bientôt!

(1) Ausgabe vom 19.5.2014

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