Heute Abend im TV: Ein Ausflug in die Heimat Camus‘

Blick auf das Algier von heute. Das Foto ist nicht aus dem angekündigten Film sondern aus der "Suite Camus". ©Foto: Andreas Arnold

Blick auf das Algier von heute. Das Foto ist nicht aus dem angekündigten Film sondern aus der „Suite Camus“.
©Foto: Andreas Arnold

Beim eher zufälligen Blick in die TV-Programmzeitung entscheidet sich heute spontan die Abendgestaltung, zumindest die ab 21.45 Uhr: Dann nämlich sendet der Spartenkanal Phoenix die 30minütige Dokumentation Algier – Die unbekannte Metropole am Mittelmeer von Edith Lange. Die Ankündigung verspricht vielseitige Einblicke in das Algier von heute, die Heimat Camus‘. „Algier, die Hauptstadt Algeriens wird auch die weiße Perle am Mittelmeer genannt. Prächtige Kolonialarchitektur, eine zum Weltkulturerbe gehörende Kasbah, bunte Märkte, quirliges Leben, arabisch-französische Bäckereien, Dauerstaus, Palmen, Strände, Öl- und Gasreichtum. All das ist Algier, die Hauptstadt des größten und reichsten Landes auf dem afrikanischen Kontinent, in der mittlerweile mehr als sechs Millionen Menschen leben“ – das klingt zunächst nach einer eher touristischen Ausrichtung der Doku. Dennoch scheint der Blick nicht unkritisch zu sein.

Weiter heißt es: „Algier explodiert, die Stadt ist voller Paradoxien und Widersprüche, voller Kopftuchträgerinnen und selbstbewusster Frauen. Das Land ist sehr reich, die meisten Bewohner Algiers sind arm, trotzdem fährt jeder und jede ein Auto. In Algerien gibt es die Pressefreiheit, obwohl eine autoritäre Elite das muslimische Land regiert, aber bis heute gibt es keinen Tourismus. Algerien hat gegen den politischen Islamismus gekämpft in einem jahrelangen Bürgerkrieg – erst gut 12 Jahre ist das her. Nach den Jahren des Terrors und der Gewalt geht es den Menschen heute in Algier um Stabilität, nicht um Revolte.

Vor allem aber: Zu Wort kommt auch Boualem Sansal, Algeriens bekanntester Schriftsteller (und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2011). Er erzählt von seiner besonderen Beziehung zu Albert Camus, der im selben Stadtteil Algiers aufgewachsen ist wie Sansal selbst. Dessen neuestes Buch trägt den Titel Allahs Narren – Wie der Islamismus die Welt erobern wird (Merlin Verlag 2013). Sansal sieht in seinem Land einen Kulturkampf zwischen Islamisten und Demokraten – ein Thema, das zweifellos auch Camus bis heute beschäftigt hätte. –  Seit langem schon möchte ich so gerne einmal in das Heimatland von Camus reisen… heute Abend gibt’s dafür wenigstens einen kleinen Ersatz vom Fernsehsessel aus.

* Heute, 19. Februar, 21.45-22.14 Uhr auf Phoenix. Weitere Sendetermine: 20. Februar, 18 Uhr, 21. Februar, 17.15 Uhr.

 

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