„Geld oder Leben“ – Der Fremde als Performance in Duisburg

Ankündigungsfoto der Performance "Der Fremde" bei den 35. Duisburger Akzenten. Foto: Agentur Berns

Ankündigungsfoto der Performance „Der Fremde“ bei den 35. Duisburger Akzenten. Foto: Agentur Berns

Donnerstag… da muss man sich ja langsam mal Gedanken über die Gestaltung des Wochenendes machen. Zur Premiere von Caligula am Schauspiel Stuttgart am Samstag ist es von Wuppertal ein bisschen weit – ein Ausflug zu den Duisburger Akzenten am Sonntag käme aber durchaus in Frage. Zu erleben ist dort Der Fremde von Albert Camus als multimediale Lesung: „Im Zusammenspiel von Sprach-, Bild- und Tonebene verdichtet sich die absurde Atmosphäre des Romans, die Luft zum Atmen wird immer dünner”, heißt es in der Ankündigung.

Viel mehr ist dort allerdings nicht zu erfahren, außer, dass Konzept und Textfassung von Katja Stockhausen stammen, die auch als Erzählerin fungiert. Die 1981 geborene Solingerin absolvierte von 2004 bis 2008 ein Studium an der Folkwang-Hochschule Essen und übernahm danach Gastrollen unter anderem am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Grillo Theater Essen. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist sie festes Ensemblemitglied am Schlosstheater Moers. Für die Rolle der Perikizi  beim Ruhrgebiets-Theatermarathon Odyssee Europa wurde wie beim NRW Theatertreffen 2010 als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet und erhielt den NRW Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler in der Sparte Theater.

Für Cartoons und Bühnenbild bei der Performance zeichnet sputnic (Malte Jehmlich) verantwortlich, und die Musik steuert Sojus 9 bei. Das Ankündigungsfoto legt zudem nahe, dass man sich auf eine sehr freie und vermutlich etwas schräge Sache einlassen muss, aber das ist ja auch wieder spannend.

Interessant finde ich auch die Frage, wie Camus‘ Étranger überhaupt in das Oberthema der diesjährigen Duisburger Akzente Geld oder Leben passt.  Doch, dazu kann einem schon etwas einfallen. Zum Beispiel, dass Meursault die ihm angebotene Karriere-Chance, nach Paris zu gehen, ausschlägt und seinem Chef entgegnet: Er finde, ein Leben sei so gut wie das andere und er sei mit seinem ganz zufrieden. In der Frage Geld oder Leben entscheidet Meursault sich jedenfalls eindeutig für letzteres – und dass am Ende über ihn das Todesurteil gesprochen wird, erscheint vor diesem Hintergrund umso dramatischer. Und jetzt, wo ich so darüber nachdenke, bekomme ich doch große Lust zu schauen, was die Duisburger Performance aus diesem Thema macht.

* Termine: Sonntag, 16. März,  19.30 Uhr (Premiere), und Montag, 17. März, 20 Uhr, im Djäzz, Börsenstraße 11, 47051 Duisburg (Innenstadt). Eintritt: 8 Euro. 

P.S. Der Fremde scheint für Performance-Künstler besonders inspirierend zu sein. Auch in Großbritannien ist das dieser Tage zu erleben: Die Musik-/Video-Performance Albert Camus lit L’Etranger / REMIX mit elektronischer Musik des belgischen DJ Pierre de Mûelenaere wird am 20./21. März im Institut Franςais im schottischen Edinburgh im Rahmen der Fete de la Francophonie aufgeführt. Aber dahin ist es von Wuppertal aus dann doch ein wenig weit.

 

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