Gedanken zum „Tag der Erde“

Ein "Tal der Olivenbäume" in Umbrien. Foto ©: akr

Ein „Tal der Olivenbäume“ in Umbrien. Foto ©: akr

Soeben fiel mir auf: Heute ist ja der „Tag der Erde”. Deshalb verschiebe ich meinen Beitrag über die Ausstellung im Düsseldorfer Institut français und lasse aus diesem Anlass Camus wieder einmal selbst zu Wort kommen:

Während die Werke des Menschen nach und nach die unendlichen Weiten unter sich begraben haben, in denen die Welt schlummerte, und zwar in solchem Ausmaß, dass sogar die Vorstellung der unberührten Natur heute dem Mythos des Gartens Eden angehört (es gibt keine Inseln mehr), indem er die Wüsten bevölkerte, jeden Streifen Strand in Grundstücke aufteilte, sogar den Himmel mit groben Flugzeugstrichen schraffierte und nur jene Gegenden schonte, wo der Mensch eben nicht leben kann, hat gleichermaßen und zur gleichen Zeit (und deswegen) das Geschichtsgefühl nach und nach das Naturgefühl im Herzen der Menschen unter sich begraben und dabei dem Schöpfer entzogen, was ihm bis dahin zukam, um es dem Geschöpf zurückzugeben, und dies alles in einer so mächtigen und unaufhaltsamen Bewegung, dass wir den Tag voraussehen können, an dem die stille Schöpfung der Natur restlos durch die scheußliche aufdringliche Schöpfung des Menschen verdrängt sein wird, die vom Geschrei der Revolution und Kriege dröhnt, vom Lärm der Fabriken und der Eisenbahn, unwiderruflich schließlich und siegreich im Ablauf der Geschichte; und dann hat sie ihre Aufgabe auf dieser Erde erfüllt, die vielleicht darin bestand, zu demonstrieren, dass alles noch so Großartige und Erstaunliche, was sie in Jahrtausenden zu vollbringen vermochte, nicht soviel wert war, wie der flüchtige Duft der Heckenrose, das Tal der Olivenbäume, der Lieblingshund.” (1) 

 

(1) Albert Camus, Tagebücher 1935-1951. Deutsche Übersetzung von Guido G. Meister. © 1963,1967 Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, S. 230. Eintrag von 1947.
 
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2 Kommentare zu Gedanken zum „Tag der Erde“

  1. Liebe Frau Reif,
    als Nachtrag, ein ZEIT Artikel zu meiner Arbeit Götterbäume.
    CvA
    http://www.zeit.de/reisen/2011-03/fs-christian-von-alvensleben-2

  2. Welche Weitsicht im Jahre 1947…
    Nun verstehe ich um so mehr, warum er die großen Städte mied und das ruhige Land mit seinen bodenständigen Bewohnern bevorzugte.

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