Ein Abend für Camus bei der ersten Phil.Cologne

So, ab heute ist es offiziell, das Programm der hier schon angekündigten ersten Phil.Cologne. Ein Philosophie-Festival, das zum Denken einlädt und zum Dialog und das Fragen erörtert, die sich vielleicht nicht jeder jeden Tag stellt, aber fast jeder irgendwann dann eben doch – und das alles für alle interessierten Menschen, nicht nur für Spezialisten in universitären Zirkeln – das verspricht wirklich eine großartige Sache zu werden. Auf jeden Fall ist schon die ganze Idee großartig und der Mut, das dann auch umzusetzen – übrigens ohne öffentliche Fördergelder. Diskussionen, Lesungen, Spaziergänge, Vorträge, Musik und auch Workshops für Große und Kleine finden vom 26. bis 30. Juni im gesamten Kölner Stadtgebiet in Theatern, Clubs, Rundfunkhäusern und im Rheinauhafen statt – insgesamt 44 Veranstaltungen an fünf Tagen. „Philosophen sprechen mit Politikern, Medizinern, Theologen, Künstlern und Wissenschaftlern über die drängenden Probleme unserer Zeit, erörtern Fragen der Bioethik, der Ökonomie, des guten Lebens, der Zukunft des Menschen”, kündigen die Veranstalter an. Prominente oder zumindest populäre Namen sind dabei, etwa Richard David Precht mit der Auftaktveranstaltung „Wozu Philosophie ?!“, die frühere Bischöfin Margot Käßmann, Astronaut Reinhold Ewald, Bestseller-Autor Frank Schätzing … Sahra Wagenknecht diskutiert mit dem Nestor der Sozialphilosophie Oskar Negt über die Zukunft der Arbeit, Frank Schirrmacher und Ranga Yogeshwar fragen nach unserer Zukunft zwischen „Ego“ und Nachhaltigkeit, Rüdiger Safranski erörtert im Gespräch mit dem Arzt und Kölner „Tatort“-Pathologen Joe Bausch die Herkunft des Bösen und und und.

Und (tadaa, jetzt bitte einen Tusch dazu denken): Der Samstagabend (29. Juni), quasi eine Leuchtturmveranstaltung im Festival-Programm, wird Camus gewidmet sein: „Das Glück des Sisyphos – eine philosophische Camus-Revue zum 100. Geburtstag.“ Zwei Stunden lang, von 20 bis 22 Uhr, überträgt der WDR direkt aus dem großen Sendesaal im WDR-Funkhaus.

Zugegeben: Es hat mich ein wenig Beherrschung gekostet, das nicht vor der offiziellen Bekanntgabe zu verraten. Warum ich das schon seit einer Weile wusste hat einen ebenso simplen wie erfreulichen Grund: Ich werde mit dabei sein. Die Anfrage kam vor einigen Wochen, für mich völlig überraschend, Freude und Spannung sind groß. Außerdem mit dabei sind der Menschenrechtsaktivist Rupert Neudeck, die Philosophen Rudolf Lüthe (Universität Koblenz) und Andreas Speer (Universität Köln), die Schauspieler Christian Brückner und Martin Reinke und der Slammer Quichotte. Musik macht die Grupo Sol, Jürgen Wiebicke vom „Philosophischen Radio“ des WDR moderiert.

Also bitte vormerken:
29. Juni, 20 bis 22 Uhr, WDR 5 hören oder zur Live-Veranstaltung ins Funkhaus am Wallraffplatz nach Köln kommen. Das gesamte Festival-Programm steht als PDF zum Download auf der Phil.Cologne-Seite bereit. Karten zu dieser und allen anderen Veranstaltungen gibt es ab sofort bei Kölnticket unter Telefon 0221/ 2801 oder www.koelnticket.de sowie bei allen anderen bekannten Vorverkaufsstellen.

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10 Kommentare zu Ein Abend für Camus bei der ersten Phil.Cologne

  1. Katja Falkner sagt:

    In einem Offenen Brief wurden die Veranstalter der philcologne aufgefordert, den Arzt Dr. Spittler wieder auszuladen und die Referentinnen und Referenten wurden aufgefordert, der philcologne fernzubleiben, falls das nicht geschieht. Grund: Dr. Spittler betreibt aggressive Propaganda für Patiententötung. Hier der Offene Brief im Wortlaut: http://de.scribd.com/doc/149545385/Offener-Brief-an-phil-COLOGNE-2013-EuthaNAZI-Arzt-ausladen.

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Den offenen Brief mit der Aufforderung, der phil.cologne fernzubleiben, habe ich in der Tat auch erhalten. Ich sehe mich allerdings nicht in der Lage, dieses hochkomplexe und -sensible Thema in der Kürze der Zeit ausreichend zu recherchieren, um eine solche Entscheidung zu treffen. Wozu ich dagegen durchaus in der Lage bin ist festzustellen, dass sich die Verfasser dieses offenen Briefes übelsten propagandistischen Jargons bedienen, und dass sie an einem (gar philosophischen) Diskurs über dieses Thema von existenzialer Tragweite keinesfalls interessiert sind. Ich lehne solche Form der Propaganda ab – egal von welcher Seite sie kommt. Den Link lasse ich ausschließlich deshalb stehen, damit sich die Blog-Leser selbst ein Bild machen können.

      • Stefan Haffner sagt:

        Dass Sie zu dem Thema erst noch ausführlich recherchieren müssen, ein Thema, das in den letzten Jahren vielfach die Zeitungsseiten und Fernsehsendungen bestimmt hat – allerdings sehr einseitig durch ärztliche Propaganda! – verwundert mich sehr. Es betrifft alle Menschen, geht es doch um Leben und Tod.
        Mein Rat an Sie wie an andere: Mutig Stellung beziehen, und zwar gegen Euthanasie!
        Neueste Meldung: Zwei Veranstaltungen wurden inzwischen schon abgesagt. Bei einer wäre Frau Dr. Flaßpöhler beteiligt gewesen.

        Ihr
        Stefan Haffner

      • Anne-Kathrin Reif sagt:

        Lieber Herr Haffner, Sie dürfen davon ausgehen, dass ich mich mit dem Thema Euthanasie durchaus bereits beschäftigt habe. Meine Aussage der fehlenden Recherche bezog sich auf die heftigen von den Verfassern gegen Dr. Spittler erhobenen Vorwürfe. Mit Person und Absichten des Dr. Spittler habe ich mich in der Tat noch nicht auseinandergesetzt. Dessen ungeachtet bleibe ich dabei: Die hochkomplexe Frage, wie wir sterben wollen, wenn wir es denn schon müssen, verdient einen ernstzunehmenden philosophischen Diskurs und keine propagandistische Stimmungs- und Meinungsmache.

  2. Koray sagt:

    Sehr erfreulich. Ich denke das ganze kann sehr interessant werden. Ich werde auf jeden Fall mithören!

  3. Toni, fast schon ein Freund (Zufallswahl) sagt:

    Liebe Anne
    Dank für den Sendetermin und Gratulation zu Ihrer Teilnahme.
    200 Kasetten mich interessierender Themen aus einem halben Jahrhundert höre ich in Abständen. Jetzt kommt wahrscheinlich eine neue dazu.
    Ranicki wurde neulich über Safranski gefragt. Er meinte, manche Werkbeschreibungen von ihm seien so gut wie das Werk selbst. Bei Sein und Zeit trifft es bestimmt zu. Wünsche mir, dass es mir mit Ihnen und Camus genau so ergeht.
    Herzlich Toni

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Lieber Toni,
      lieben Dank. Mit Safranski will ich mich aber sicher nicht messen. Sollte es jemals dazu kommen, dass Sie mein Buch lesen können, seien Sie bitte gnädig und sehen von dem Vergleich ab… Herzliche Grüße, derzeit aus Amsterdam!

  4. miRe sagt:

    Albert Camus‘ Mythos des Sysiphos wird heute eng mit dem 150. Geburtstag der SPD in einem ausführlichen Artikel der Süddeutschen Zeitung zusammengebracht. Dieser ist leider noch nicht online. Daher kann ich keine Verlinkung einstellen.

  5. miRe sagt:

    Glückwunsch liebe Anne-Kathrin. Wer versucht, sich das komplette Werk des Albert Camus zu erarbeiten, merkt schnell, dass Sie das längst gemacht und den ganzen Text verinnerlicht haben. Was Ihren Blog angeht, vermisse ich tatächlich den Austauch für alle interessierten Menschen hinsichtlich der Schriften „unseres“ Philosophen.

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Lieber Remi,
      herzlichen Dank – auch für den Hinweis auf die Süddeutsche. Leider für mich gerade nicht greifbar – aber vielleicht lässt es sich ja doch noch online finden. Und: wenn Sie mir ein wenig genauer sagen, was Sie im Blog vermissen, nehme ich das gerne als Anregung. Herzliche Grüße, Anne-Kathrin

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