Drei Mal Caligula und noch viel mehr: Camus bleibt auch in der kommenden Saison präsent auf den Bühnen

Nackt und lehmverschmiert vor dem Spiegel: Max Wagner als Caligula in der Inszenierung am Münchener Volkstheater. ©Foto: Arno Declair

Nackt und lehmverschmiert vor dem Spiegel: Max Wagner als Caligula in der Inszenierung am Münchener Volkstheater. ©Foto: Arno Declair

Wenige Wochen vor der Sommerpause stellen die Theater traditionsgemäß ihre Spielpläne für die kommende Saison vor, und natürlich halte ich schon neugierig Ausschau, ob Camus sich immer noch darin hält… „Immer noch“, weil die Camus-Stücke mit dem Centenaire 2013 auf deutschsprachigen Bühnen mächtig Aufwind bekommen hatten – aber das ist ja nun auch schon wieder eine ganze Weile her. Müsste die Welle nicht langsam wieder abebben? Erstaunlicher Weise sieht es nicht danach aus. Fangen wir mit der vorerst einzigen Premiere an, die ich bereits entdeckt habe: Nach dem Theater Regensburg und dem Münchener Volkstheater in der laufenden Saison bringt in der Spielzeit 2015/16 auch das Stadttheater Fürth Camus‘ Caligula heraus. Regie führt Petra Wüllenweber, Premiere ist am 14. Januar 2016. Eben dort, in Fürth, hatte man unlängst die Gelegenheit, beim Internationalen Figurentheaterfestival Nikolaus Habjans Inszenierung von Das Missverständnis zu erleben, bei der lebensgroße Puppen zusammen mit den Schauspielern agieren. Am Schauspielhaus Graz stand sie über Monate mit großem Erfolg auf dem Spielplan, jetzt nimmt die scheidende Intendantin Anna Badora sie mit an ihre neue Wirkungsstätte, ans Volkstheater in Wien nämlich. Dort ist die Premiere bereits für den 23. Oktober 2015 angekündigt. Und noch eine erfreuliche Aussicht: Am Düsseldorfer Schauspielhaus steht die sehenswerte Inszenierung von Die Gerechten in der Regie von Michael Gruner als Wiederaufnahme im Programm.

Das Theater Regensburg nimmt seinen Caligula in der Regie von Charlotte Koppenhöfer ab dem 29. September ebenfalls mit in die kommende Saison. Bis zur Sommerpause wird aber immerhin auch noch fünf Mal gespielt: am 27. Mai, 18. und 25. Juni sowie 3. und 12. Juli. „Caligula am Theater Regensburg ist eine absolut sehenswerte Herausforderung. Grausam, blutig – und voller starker Bilder“, schrieb die Mittelbayerische Zeitung über die  Premiere – verschweigt aber auch nicht, dass die Gewaltorgie etlichen Zuschauern zuviel wurde (zur ganzen Kritik mit dem Titel Ein Tyrann reißt der Welt die Flügel aus geht’s hier). Von Regensburg nach München ist es nicht weit, und so könnte man sich glatt im direkten Vergleich den dortigen (nackt und lehmverschmiert agierenden) Caligula von Lilja Rupprecht am Volkstheater anschauen. Gelegenheit dazu gibt es noch am 8. Juni sowie am 2., 8. und 13. Juli. Die Süddeutsche Zeitung bescheinigt der Inszenierung einen „grandiosen Weltklassebeginn“, der dann allerdings in einem „Jahrmarkt der Bilder“ versuppe und fasst das Ganze zusammen als Bilderrausch mit leichtem Kater (einen kleinen Eindruck davon vermittelt der Stück-Trailer auf der Theater-Seite). Ob die Inszenierung im Herbst wieder aufgenommen wird,    ließ sich noch nicht feststellen.

Albert Camus‘ Stücke sind von deutschen Bühnen seit Jahren so gut wie verschwunden, wie die taz noch Anfang des Jahres schrieb? Sieht mir jetzt nicht wirklich danach aus… Und das ist ja auch gut so.

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