Camus bei der lit.cologne – und mehr im März

Szene aus der Bühnenadaption des Frings-Ensembles von "Die Pest". Andreas Meininger spielt alle Rollen.©Foto: Lilian Szokody

Szene aus der Bühnenadaption des Fringe Ensembles von „Die Pest“. Andreas Meidinger spielt alle Rollen.©Foto: Lilian Szokody

Hoppla, kann es denn wahr sein, dass da schon wieder eine „1.“ im Kalender steht? Der Monat ist wieder einmal nur so durchgerauscht, und das liegt nicht nur daran, dass der Februar nun tatsächlich besonders kurz ist. Aber gut. Blick nach vorn. Auch der März hält wieder viel Camus bereit – es ist diesmal allerdings nicht viel Neues dabei. Beim Fringe Ensemble in Bonn ist die Bühnenadaption von Camus‘ Roman Die Pest mit meist ausverkauften Vorstellungen im Theater im Ballsaal so erfolgreich gelaufen, dass sie noch weitere vier Mal auf dem Spielplan steht, nämlich am 6. 7., 27. und 28. März. In der Inszenierung von Frank Heuel übernimmt Andreas Meidinger alle Rollen, was den Kritiker Stefan Keim immerhin überzeugt hat: „Andreas Meidinger bewegt sich quasi tänzerisch von einer Figur in die andere. … eine hochinteressante Rauminstallation. … eine sehr dichte, sehr ruhige Aufführung, in der man als Zuschauer selbst denken darf – das ist schön“, urteilte er in der Sendung Mosaik auf WDR 3.

Ebenfalls in Bonn hat das dortige Euro Theater Central weiter seine Dauerbrenner im Programm: Der Fremde am 3. und 4. März, und Die Gerechten am 12. und 13. März, beides in der Regie von Jan Steinbach. Nicht weit ist es von dort nach Düsseldorf… Wer jedoch noch die Inszenierung von Die Gerechten am dortigen Schauspielhaus sehen möchte, muss sich (wie ich) beeilen: Die vorletzte Vorstellung steht am 20. März an.

Weiter geht’s in südliche Richtung, wo man, wenn man wollte, drei verschiedene Inszenierungen von Das Missverständnis miteinander vergleichen könnte: Im Theater Baden-Baden am 8., 11., und 12. März, beim ambitionierten Amateurtheater  s’ Bühneli  in Lörrach am 6., 7., 20. und 21. März, und beim Figurentheater von Nikolaus Habjan am Schauspielhaus Graz am 20., 24. und 31. März. Wem es nach Graz zu weit ist, der kann sich schon einmal den 14. Mai vormerken, wenn die Inszenierung beim Figurentheaterfestival in Fürth zu sehen sein wird.

Und wenn wir gerade schon einmal dabei sind, weiter vorauszuschauen: Am 7. Juni liest der großartige Ulrich Matthes bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Der Fremde.

Bei so viel Camus gibt es leider auch einen Wermutstropfen: Die vielleicht spannendste Veranstaltung im März ist schon ausverkauft, und ich habe sie zu spät entdeckt. Beim diesjährigen Literaturfestival lit.cologne in Köln ist ein Abend am 21. März im Kölner Dom Albert Camus gewidmet, bei dem die Confessiones (Bekenntnisse) des heiligen Bischofs und Kirchenlehrers Augustinus von Hippo (geschrieben um das Jahr 400) mit Camus‘ unvollendetem autobiografischem Roman Der erste Mensch kontrastiert werden. Eine durchaus sinnreiche Gegenüberstellung, hat sich Camus in seiner philosophischen Diplomarbeit doch eingehend mit dem ebenfalls in Nordafrika geborenen heiligen Augustinus beschäftigt. In der Ankündigung der lit.cologne heißt es: „Der Autor (gemeint ist Augustinus) bietet darin neben theologischen und geschichtsphilosophischen Betrachtungen auch ein autobiografisches Psychogramm weit vor der eigentlichen Zeit des Genres. Die Spiegelung mit Albert Camus’ nachgelassenem autobiografischem Fragment Der erste Mensch wird zum literarischen Dialog zwischen Antike und Moderne über die zeitlose Frage des Menschen nach seinem Woher und Wohin.“ Und um allen, die wie ich keine Karte haben, den Mund noch wässriger zu machen: Es lesen zwei der interessantesten Schauspieler, die wir hierzulande so haben, nämlich Matthias Brandt und Maria Schrader, und Musik vom Vokalensemble Kölner Dom gibt’s auch noch dazu.  Aber es hilft ja nix. Irgendjemand unter den Blog-Lesern, der eine Karte ergattert hat? Dann berichten Sie mir doch davon! In diesem Sinne sage ich einmal mehr à bientôt und wünsche allen einen schönen März, mit oder ohne Camus.

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2 Kommentare zu Camus bei der lit.cologne – und mehr im März

  1. Toni sagt:

    Liebe Anne, es ist eine Schande, dass ich so viele Beiträge von Ihnen nicht gelesen habe,
    zum Glück ist keiner von ihnen gelöscht.
    Schuld ist die FAS und die knapp bemessene Restlaufzeit unsere Zeit.
    Es grüßt einer, der auf den Frühling wartet.

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Lieber Toni, mit der FAS kann ich halt dann doch nicht konkurrieren… ;-). Aber dafür landet der Blog nicht in der Altpapiertonne, und Sie haben Gelegenheit, alles in Ruhe nachzulesen – was mich natürlich freuen würde! Und Frühling… Ja! Wer hätte keine Sehnsucht danach… Zu Ihnen in den südlicheren Teil des Landes wird er vermutlich noch eher kommen – ich wünsche es Ihnen! Herzliche Grüße zurück!

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