Camus auf den deutschsprachigen Bühnen im Frühjahr

Matthias Hermann als Caligula am Theater Lübeck. Foto: Kerstin Schomburg

Wieder mal ein trüber Sonntag, der sich bestens für eine kleine Fleißarbeit eignet: Was von den zu Jahresbeginn angekündigten Camus-Stücken steht im März und April noch auf den Spielplänen? Ich habe also die Webseiten durchgeflöht und mich auf den aktuellen Stand gebracht, den ich natürlich gern mit Ihnen und Euch teile.

In Münster hat sich Caligula bereits verabschiedet, in Düsseldorf gibt es bis Saisonende jedoch noch drei Vorstellungen, von denen zwei am 5. April und am 4. Mai schon angekündigt sind. Offenbar läuft die knallbunte Inszenierung von Sebastian Baumgarten am Düsseldorfer Schauspielhaus (bzw. in der Dependance an der Worringer Straße) mit einigem Erfolg, und dass ich weniger begeistert war, soll niemanden abhalten, sie sich anzuschauen (Schauspielhaus Düsseldorf, meine Kritik im Blog hier).

Auch am Theater Lübeck hört Caligula nicht auf, nach dem Mond zu verlangen; dort ist die Inszenierung von Mirja Biel noch bis zum Ende der Spielzeit zu sehen. Die nächsten Termine: 30. März, 12. und 18. April, 3., 11. und 26. Mai.

Von drei mal Das Missverständnis sind ebenfalls noch zwei dabei: Am 12. März am Deutschen Theater Berlin (Regie: Jürgen Kruse, mit englischen Übertiteln) und am Konzerttheater Bern in der Schweiz am 20. März, 5. und 12. April und 1. Mai (Regie: Claudia Meyer).

Noch bis zum 13. März tourt das Xenia-Theater aus Karlsruhe mit einer Bühnenmonologfassung von Camus Novelle Der Gast (L’Hôte) in französischer Sprache im süddeutschen Raum (Infos). Von Die Gerechten ist lediglich Sebastian Baumgartens Inszenierung am Berliner  Gorki Theater  übrig geblieben. Nur noch zwei Vorstellungen gibt es in dieser Spielzeit, nämlich am 15. März und 4. April.

Der Fremde ist sogar wieder neu aufgetaucht: Das Societaetstheater Dresden, hat nämlich seine zuletzt im November 2018 gezeigte Fassung (Regie: Arne Retzlaff) wieder im Programm, und zwar am 27. und 29. März 2019.

DER FALL von Albert Camus als Koproduktion mit der Tanzkompanie bo komplex am Euro Theater Central in Bonn (mit Johannes K. Prill und Olaf Reinecke). Foto: Lilian Szokody

Und dann ist da nicht zuletzt Der Fall am kleinen Euro Theater Central in Bonn. Unter den in jüngerer Zeit zahlreicher gewordenen Dramatisierungen seiner Texte für die Bühne kommt gerade dieser noch eher selten vor. Tatsächlich drängt sich eine Bühnenfassung auch nicht unbedingt auf – handelt es sich doch um einen einzigen langen Monolog, bei dem das angesprochene Gegenüber weder hör- noch sichtbar wird. Eine Herausforderung für Schauspieler ebenso wie für das Publikum, zumal der Protagonist Jean-Baptiste Clamence nach eigenem Bekenntnis eine Schwäche für eine „gewählte Ausdrucksweise und eine gehobene Sprache überhaupt“ hat. Da ist die Gefahr groß, dass das zu steif über die Rampe kommt. Wie entgeht man dieser Gefahr und bringt Bewegung in die handlungsarme Geschichte? Nun: Eben indem man im wörtlichen Sinne Bewegung hineinbringt. Das Euro Theater kooperiert nämlich mit der Tanzkompanie bo komplex und hat das Stück mit einem doppeltem Clamence, einem Schauspieler und einem Tänzer besetzt. Der Text verteilt sich auf beide, wobei Johannes K. Prill als Schauspieler naturgemäß der größere Anteil zukommt. Weitere Textteile, ebenfalls von beiden gesprochen, werden aus dem Off eingespielt. Eine kluge dramaturgische Entscheidung, hilft es doch nicht nur dem Protagonisten die trotz Kürzungen gigantische Textmenge zu bewältigen sondern hilft auch dem Publikum, bei der Stange zu bleiben. Die Inszenierung von Bärbel Stenzenberger verzichtet auf jedweden szenischen Naturalismus – im Grunde ist alles nur Text und Bewegung. Wenn man sich darauf einlässt (was bei mir nun schon eine Weile zurückliegt), ein gerade aufgrund der großen Nähe zwischen Bühne und Zuschauerraum in dem zauberhaften kleinen Theater ein erfreulich intensives Erlebnis.

  • Vorstellungen sind wieder am 21. März und am 2. April 2019, sowie am 20. März und am 3. April in französischer Sprache. Euro Theater Central, Münsterplatz-Dreieck/ Eingang Mauspfad, 53111 Bonn. Telefonische Reservierung 0228/ 65 29 51. Karten gibt es in der Regel noch an der Abendkasse, da aber Spielplanänderungen stets vorbehalten sind, sollte man sich vorab informieren (www.eurotheatercentral.de).
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