Düsseldorfer Ringvorlesung (7): Svantje Guinebert erklärt, warum die Poesie bei Camus revolutionär ist

Eine ganze Reihe interessanter Aspekte hat die Camus-Ringvorlesung an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität schon beleuchtet – und immer wieder geht es um die Frage, die als Titel über der gesamten Reihe steht: „Albert Camus – ein Philosoph wider Willen?“ War er also ein Philosoph, wollte er überhaupt einer sein? Unstrittig ist, dass Camus seine philosophischen Gedanken in verschiedenen „Disziplinen“ ausgedrückt hat, nämlich im philosophischen Essay, im Roman und im Drama. Am kommenden Montag, 14. Juni 2021, bietet sich die schöne Gelegenheit, mehr über die Verflechtung des zentralen Themas „Solidarität und Revolte“ im Essay und im Drama bzw. zwei Dramen bei Camus zu erfahren. Unter dem Titel

‚Poesie ist revolutionär‘ – Albert Camus‘ Reflexion von Solidarität und Revolte im philosphischen Essay und im Drama

nimmt Dr. Svantje Guinebert nämlich genau dies in den Blick. Dazu schreibt sie:

„Poesie ist revolutionär“ – wenn sie eine Revolte versinnbildlicht, die auf der
Solidarität der Menschen gründet. In diesem Vortrag sollen einige Überlegungen zu Camus‘ Reflexionen über Solidarität und Revolte vorgestellt werden, um darüber der Frage nachzugehen, inwiefern es ihm gelingt, durch verschiedene Formen der Verschriftlichung Gedanken aus unterschiedlichen Perspektiven zu begreifen und zu vermitteln. Mit Blick auf Der Mensch in der Revolte und die Dramen Die Gerechten sowie Die Besessenen werden einige Hinweise darauf ausgearbeitet, wie mit Camus Revolte und Solidarität zu verstehen sind. Dabei wird untersucht, inwiefern diese Aspekte philosophisch, literarisch und dramaturgisch aufbereitet sind. Was kann das Drama, was das philosophische Essay nicht kann? An welchen Stellen wird dagegen eine philosophische Arbeitsweise deutlich – vielleicht sogar in gewissem Sinne für Camus notwendig? Eine Zusammenführung dieser Überlegungen wird schließlich erkennen lassen, dass Camus – gerade indem er sich einer eindeutigen Zuordnung versperrt – eine Perspektive einnimmt, die ihm besondere Möglichkeiten eröffnet: Zwischen allen Stühlen ist es wahrlich nicht immer gemütlich, aber erst als eine liminale Gestalt, d.h. als jemand, der auf der Grenze zwischen verschiedenen Disziplinzuordnungen und Welten steht, kann Camus das ausdrücken, worum es ihm geht.

Zur Person:
Dr. Svantje Guinebert war von 2012 bis 2021 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie der Universität Bremen tätig, wo sie 2017 mit einer Dissertation über Die Selbstzuschreibung letztinstanzlicher Autorität promoviert wurde. Diese Arbeit erschien 2018 bei mentis unter dem Titel Hörigkeit als Selbstboykott. Eine philosophische Studie zu Autorität, Selbstkonstitution und Autonomie. Seit April 2021 ist sie Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Philosophie der Universität Leipzig. Zudem war sie Projektleiterin des vielbeachteten Projekts Die Universität Bremen liest Albert Camus: Die Pest, das im Rahmen der Initiative „Eine Uni – Ein Buch“ organisiert wurde (mehr dazu hier im Blog: Solidarität neu befragen – eine ganze Uni liest „Die Pest“). Ihre Forschungsinteressen liegen in der Existenzphilosophie, der Moralbegründung, der Philosophie des Humors und der Philosophiedidaktik.

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Die Ringvorlesung läuft bis zum 12. Juli 2021 und wird über das Internet gestreamt. Alle Termine im Blog hier

Die Vorträge mit anschließendem Zoom-Gespräch finden jeweils von 16.30 bis 18 Uhr statt. Alle Interessierten, die sich nicht über das Studierendenportal der Uni Düsseldorf anmelden können, wenden sich bitte per Mail an Oliver.Victor@uni-duesseldorf.de, um die Zugangsdaten zu erhalten. Bitte beachten Sie, das Gasthörer herzlich willkommen sind, bei der Diskussion jedoch die Studierenden Vorrang haben.

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3 Antworten zu Düsseldorfer Ringvorlesung (7): Svantje Guinebert erklärt, warum die Poesie bei Camus revolutionär ist

  1. Gert Hönings-Orilland sagt:

    Hi Frau Reif,
    vielen Dank nochmals auch hier für Ihren sehr schönen Vortrag.
    Es war für mich eine Anregung, Ihr Buch nochmals zu lesen, wenn es mir mit den Liebenbriefen von
    Camus und Casarés „zu viel der Liebe“ wird.
    Ich werde Sie ganz bestimmt in Aachen treffen.
    Alles Gute.
    Gerti Hönings-Orilland

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Liebe Frau Hönnige-Orilland, vielen Dank, das freut mich! Dann auf ein Treffen in Aachen, herzliche Grüße Anne-Kathrin Reif

  2. PIERRE SCHOTT sagt:

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