„Engagiert gegen Nazis“ – Albert-Camus-Gesprächskreis in Aachen ist zurück aus der Sommerpause

«Die Worte nehmen immer die Farbe der Handlungen oder der Opfer an, zu denen sie Anlass geben. Und bei euch gewinnt das Wort Vaterland einen blutigen, blinden Widerschein, der es mir auf immer entfremdet, während wir das gleiche Wort mit der Flamme einer Erkenntnis begaben, wo der Mut größere Kraft erfordert, wo aber der Mensch sein Menschsein ganz erfüllt.»

Albert Camus, aus: Briefe an einen deutschen Freund*

Sebastian Ybbs, Vorsitzender der Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen. ©Foto: Anne-Kathrin Reif

Nach der Sommerpause nimmt die Albert-Camus-Gesellschaft in Aachen wieder ihren regelmäßigen Jour Fixe auf. Immer am ersten Dienstag des Monats gibt es dann wieder die Gelegenheit, sich über Camus bzw. über Themen seines Werkes auszutauschen. Zum Auftakt am 3. September 2019 hat 365tage-camus beim Vorsitzenden der Gesellschaft Sebastian Ybbs nachgefragt.

Herr Ybbs, entscheiden Sie die Themen für den Jour Fixe eigentlich spontan von Monat zu Monat, oder gibt es schon Pläne für die gesamte Saison?

Sebastian Ybbs: Die meisten Themen werden relativ spontan festgelegt. Entweder äußert eine/r der Teilnehmer*innen unserer Gesprächskreise einen Wunsch, bereitet manchmal selbst ein Gespräch vor, oder ich selbst schlage ein Motiv vor. Das fällt mir in der Regel nicht schwer, da ich mich ständig mit dem Leben und Werk von Albert Camus auseinandersetze und sich Gesprächsthemen immer wie von selbst anbieten. Oft bieten sich auch ganz zeitgemäße Fragen und aktuelle Ereignisse an, auf die Albert Camus heute sicherlich auch Bezug nehmen würde. Bei ihm finden wir immer wieder Gedanken, die auch heute ihre Aktualität nicht eingebüßt haben.

Für den 3. September kündigen Sie das Thema „Engagiert gegen Nazis“ an. Welche Texte von Camus werden Sie in den Blick nehmen?

Ybbs: Im Vordergrund stehen die Briefe an einen deutschen Freund, mit denen wir uns übrigens schon oft beschäftigt haben; sie sind nicht bloße Anklage, sondern eine sehr differenzierte und tiefgründige Auseinandersetzung mit der Verlogenheit der Nazis. Dazu gibt es Artikel aus der Widerstands-Zeitung Combat, veröffentlicht in den Büchern Albert Camus – Journalist in der Résistence.** Oft finden unsere Teilnehmer auch noch weitere Quellen, die sich direkt oder indirekt auf das gesetzte Thema beziehen. Wichtig sind natürlich auch die Autoren, die über Albert Camus´ Werk geschrieben haben, hier ganz besonders Heinz Robert Schlette.

Für alle, die noch nicht dabei waren oder sich vielleicht auch nicht trauen, einfach mal vorbeizuschauen – wie läuft der Jour Fixe ab oder wie hat er sich im Laufe der Zeit entwickelt? Ist das ein Kreis für Spezialisten? Wie viel Vorkenntnis (etwa der zu besprechenden Texte) wird vorausgesetzt?

Ybbs: Unsere Gesprächskreise sind offen für alle, die an einer freimütigen Diskussion interssiert sind, ganz gleich, wie gut sie mit Albert Camus vertraut sind. Ganz wichtig ist natürlich ein freundlicher und respektvoller Umgang, selbst wenn verschiedene Ansichten aufeinander prallen. Wenn die Teilnehmer*innen in den Raum kommen, stehen immer schon Wein und Wasser auf dem Tisch, dann plaudern wir zunächst – manchmal brauche ich das Thema nicht erst aufzurufen, wir schliddern wie von selbst hinein, andere Male gibt es einen kurzen Impuls, eine kleine Ausarbeitung, von dem ausgehend wir das Thema behandeln. Oft entwicklelt sich die Diskussion dann ganz anders, als ich es mir gedacht hatte, doch selten bedauere ich das, denn dabei sind oft überraschende Gedanken der Anderen, die man als Überlegung gerne mit nach Hause nimmt.

Schade, dass Wuppertal-Aachen doch ein bisschen weit ist, sonst wäre ich sicher gerne öfter dabei… 365tage-camus wünscht Ihnen für diese Saison viele anregende Gespräche!

Nächster Termin: Dienstag, 3. September, 20 Uhr, im Logoi, Jakobstraße 25a in Aachen


*in: Kleine Prosa, Rowohlt 1962, S. 90.
** Jaqueline Lévi-Valensi (Hrsg.), Albert Camus – Journalist in der Resistance, Bd 1 und 2, Laika-Verlag 2014

Auch schön: Französisch lernen mit Camus! Das Institut français Aachen bietet einen neuen Kurs an, der den Schwerpunkt auf die Werke von Albert Camus legt. Anhand seiner Biographie und ausgewählter Werke werden grammatikalische Aspekte erarbeitet. Der Kurs startet am 25. September, umfasst 10 Sitzungen à 90 Minuten und kostet 130 Euro. Infos beim Institut français.

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