„Der Berg liest“ – und 365 Tage Camus ist auch dabei

Der Berg liest  und 365 Tage Camus ist auch dabei. In diesem Jahr habe ich mich entschlossen, bei dieser schönen Aktion am 1. Oktober einmal nicht als Zuhörerin unterwegs zu sein sondern selber vorzulesen. Gar nicht so leicht diese Entscheidung, denn es macht immer großen Spaß, den ganzen Tag lang nach Lust und Laune von Ort zu Ort zu gehen und den verschiedendsten Lesungen zu lauschen. Und dabei bei wildfremden Menschen im Wohnzimmer, in der Küche, auf dem Dachboden, im Treppenhaus oder meinetwegen auch in der Garage zu sitzen. Es soll sogar schon mal jemand im Auto oder in einer Telefonzelle vorgelesen haben, aber das habe ich nicht selbst erlebt. Vorgelesen wird das, was dem Vorlesenden am Herzen liegt – egal ob eigene Texte, Gedichte, Romanauszüge, Märchen oder Kurzgeschichten, ob Zeitgenössisches oder Klassiker.

Dabei kann man natürlich schöne Entdeckungen machen. Literarische Entdeckungen, menschliche Entdeckungen, die eigene Nachbarschaft entdecken und das Viertel, denn gelesen wird auchin Ladenlokalen, Kneipen, Ateliers, Klassenzimmern, Werkstätten und Cafés. „Der Berg“, das ist die Wuppertaler Nordstadt, der „Ölberg“, der so heißt, weil dieses Viertel einst als letztes der Stadt elektrifiziert wurde und die Bandweber, die hier vorwiegend lebten, ihre Heimarbeit bis in die Nacht beim Schein der Öllampen verrichteten. Es ist übrigens eines der größten sanierten Altbaugebiete mit Bebauung überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und der Jahrhundertwende in Deutschland, das glücklicher Weise von den verheerenden Bombenangriffen auf Wuppertal im Zweiten Weltkrieg verschont blieb. Ich finde: Auch wenn die Idee dieses Lesefestival vielleicht erstmal die war, dass Nachbarn sich gegenseitig und ihr eigenes Viertel besser kennenlernen, ist es auch für auswärtige Besucher eine ganz besondere Gelegenheit, einen sehr schönen Teil von Wuppertal zu entdecken und seine netten Bewohner kennenzulernen. Und wollten Sie nicht sowieso immer schon mal mit der Schwebebahn fahren?

Die Idee zu diesem Lesefestival, das heuer schon zum vierten Mal stattfindet, hatte der Verein „Unternehmer/innen für die Nordstadt e.V.“. Der Verein koordiniert die Aktion und organisiert die Öffentlichkeitsarbeit. Beim letzten Mal gab es 200 Lesungen an 70 Orten, und die Veranstalter hoffen natürlich, dass diese Zahl auch in diesem Jahr wieder erreicht wird. Für Nordstädter und Ölbergerinnen, die hier mitlesen: Bis zum 14. September kann man sich noch anmelden. Macht doch auch mit!

Bei so einem Angebot fällt die Auswahl natürlich schwer, aber ich hoffe, dass doch der ein oder die andere den Weg zu mir und Camus finden wird. Ich lese allerdings nicht im Wohnzimmer sondern in unmittelbarer Nachbarschaft in der Diakoniekirche, Friedrichstraße 1. Keine Sorge, sakral wird es nicht. Die frühere Kreuzkirche wird von der Diakonie als ein sozio-kultureller Nachbarschaftstreffpunkt betrieben, mit einem Gemeinschaftsgarten, Suppenküche und Café und verschiedenen Angeboten. Sie liegt freilich am Rande des „Ölbergs“ und somit nicht im Zentrum des Geschehens. Umso besser geeignet als Ausgangs- oder Endpunkt der Lesetour, für die man am 1. Oktober von 10 Uhr bis Mitternacht Zeit hat. Alle Leseorte werden in einer Karte verzeichnet, die man sich hier schon mal anschauen kann. Sicher werden aber noch Stationen hinzukommen.

Bis dahin habe ich noch Zeit mich zu entscheiden, was ich Ihnen vorlesen werde. Fest steht bislang nur, dass es eine Auswahl aus den Literarischen Essays von Camus sein wird (und vielleicht auch die ein oder andere Kleinigkeit aus dem Blog). In kleinen Portionen von 20 bis maximal 30 Minuten, und zwar um 15.10 Uhr, 16.20 Uhr, 17.45 Uhr, 19.10 Uhr, 20.20 Uhr. Am besten, Sie merken sich das schon mal vor. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, Sie zu sehen! In diesem Sinne: à bientôt!

Termin: 1. Oktober 2017. Sie treffen mich in der Diakoniekirche, Friedrichstr. 1, Wuppertal-Elberfeld. Uhrzeiten siehe oben.

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2 Kommentare zu „Der Berg liest“ – und 365 Tage Camus ist auch dabei

  1. Ruth Schlette sagt:

    Schade, liebe Anne-Kathrin: Am 1. Oktober sind wir in Bamberg! Viele aufmerksame Zuhörer wünscht Dir
    Ruth

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Liebe Ruth, Bamberg ist ja auch eine Reise wert! Und Euch beiden braucht man nun wirklich nicht mehr Camus‘ Essays ans Herz legen… Danke für die lieben Wünsche und Euch eine schöne Reise!

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