Auf ein Gedicht und ein Glas Wein mit Camus

Immer, wenn der Blog unter den diversen Beanspruchungen des Alltagslebens länger mal im Schattendasein vor sich hindämmert, freue ich mich besonders, wenn jemand kommt und ihn aufweckt. In diesem Fall gilt mein Dank dem Autor Tuncay Gary aus Berlin. Er schreibt:

„Immer wieder schaue ich gerne in Ihren Blog ,365 Tage Camus‘. Mein neuer Gedichtband, erschienen im KLAK Verlag, trägt den Titel Camus trinkt ein Glas Wein. Sehr gerne sende ich Ihnen das Titelgebende Gedicht und auch das Umschlagbild des Buches. Vielleicht möchten Sie beides in Ihren Blog aufnehmen.“

Was ich hiermit gerne tue. Machen wir uns also zur Lektüre gleichmal eine Flasche Rotwein auf und trinken gemeinsam mit Camus ein Glas! In diesem Sinne: Ein schönes Restwochenende und santé!

Tuncay Gary ist Schauspieler & Dichter, Regisseur & Dramaturg, Literatur- & Theaterpädagoge und lebt in Berlin. Camus trinkt ein Glas Wein ist sein sechster Gedichtband und erscheint am 1. Januar 2022 im KLAK Verlag Berlin (ISBN: 978-3-948156-41-1;
15 Euro). www.tuncay-gary.de

Camus trinkt ein Glas Wein
steigt in sein Auto
fährt los
ohne Gallimard
die Landstraße entlang

Ruhig ist es auf
der Straße
leer und ohne Hindernis

Paris liegt weit
die Fensterscheiben
heruntergekurbelt
fährt er und fährt

Plötzlich bremst er
bleibt stehen
steigt aus
und beobachtet
einen Baum
ein Baum
wie jeder andere
aber dennoch
steht er davor
und ist erstarrt
für eine Weile

Ewigkeiten vergehen
oder einige Sekunden

Er steigt ein
in das Auto
fährt und fährt
nach Paris
weit weg von
Lourmarin
an diesem Novembertag

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7 Antworten zu Auf ein Gedicht und ein Glas Wein mit Camus

  1. Tuncay Gary sagt:

    Heute ist Camus gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht.
    04. Januar 2022

  2. jean-louis marie sagt:

    Chère Anne-Kathrin!

    J´ai le plus grand mal à m´imaginer un Albert Camus jouissant pleinemant du spectacle de Tipasa sur fond de Chenoua et “ du grand libertinage de la nature “ sans avoir goûté aux délices d´un Mascara bien corsé.
    Mit einem herzlichen Dank für den heutigen Sonnenstrahl in diesem Blog
    J-L M

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Cher Jean-Louis, merci beaucoup pour ton commentaire. Je suis tout à fait d’accord avec toi! Et après tout, il était le fils d’un maître de chai…

  3. PIERRE SCHOTT sagt:

    Bien chère Anne-Kathrin,

    Je me suis laissé dire que Camus n’était pas tellement amateur de vin. En sauriez-vous plus, à ce sujet ? Cela m’intéresserait énormément…

    Soleilleuse pensée de Manosque,
    Petrus

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Cher Petrus, ich bedaure, darüber weiß ich leider nichts. Aber so recht vorstellen, kann ich es mir nicht… Er wird er es bestimmt nicht ablehnen, mit uns ein Glas zu trinken ;-). cordialement, Anne-Kathrin

  4. HGB Gerhard Heise sagt:

    Derzeit schreibe ich einen ersten Entwurf zu einem Text dem ich den Titel „Ein gutes Buch“ geben möchte. Meine private Bibliothek ist umfangreich. Ein Regal gilt dem Werk Albert Camus. Seine eigenen Werke, Biographien, literaturwissenschaftliche Auslegungen, Kommentare, ja sogar jene neuzeitlichen Comics um uns die Denkwelten Alber Camus näher zu bringen. Beim Stöbern in meiner Bibliothek viel mir dann ein verstaubter Bildrahmen wieder einmal in die Hände. Die schwarz weiß Fotografie zeigt einen verschmitzt grinsenden Alber Camus. Als ich das Bild in den Händen hielt fragte ich mich erneut: Wie viele Werke Camus schlummern wohl weltweit in den regalen privater Bibliotheken? Den ganzen Monat September verbrachte ich in Cruix – Rousse / Lyon. Dort finden die Flaneure hier und dort jene offenen Buchschränke. Tatsächlich fand ich in französischer Sprache ´Die Pest´; mir wurde direkt übel als ich dieses für mich bis heute zentrale Werk in Händen hielt. Wie tragisch das Leben Camus doch endete und wie unsere Gegenwart doch heute ist.

    • Anne-Kathrin Reif sagt:

      Lieber Herr Heise, herzlichen Dank für Ihren Beitrag! Wie schön, dass Camus bei Ihnen gleich ein ganzes Regal gewidmet ist. Und ja, „Die Pest“ berührt uns in unserer Gegenwart noch einmal mehr, als uns lieb ist… Dabei endet der Roman doch zumindest zum Teil auch hoffnungsvoll, während ich mir da gerade nicht mehr so sicher bin… Das große Freudenfest am Ende, wenn die Heimsuchung vorbei ist, wird es jedenfalls für uns wohl eher nicht geben…Aber lassen wir uns nicht verdrießen – in diesem Sinne alles Gute und herzliche Grüße, Anne-Kathrin Reif

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