„Albert Camus, philosophisch“ – Heinz Robert Schlette im Gespräch

Bevor ich mich daran mache, die monatliche Übersicht für den Mai zusammenzusuchen, ist ein wichtiger Termin am 30. April nachzutragen: In der philosophischen Reihe „Neben dem Bahnhof“ in der Buchhandlung Böttger in Bonn kann man mit Prof. Dr. Dr. Heinz Robert Schlette den deutschen Camus-Experten schlechthin, die „graue Eminenz” der Deutschen Camus-Forschung im Gespräch erleben. „Albert Camus, philosophisch“ ist dieser Abend überschrieben – ein recht allgemeiner Titel, aber auch passend, wenn man so aus dem Vollen schöpfen kann. Gesprächspartner ist der Journalist und einstige Student von Prof. Schlette Dr. Manuel Gogos. Von ihm stammt das Radio-Feature „Schuld an allem war die Sonne“, das am Camus-Geburtstag 2013 innerhalb der WDR-Sendung Neugier genügt ausgestrahlt wurde und für das ich seinerzeit Gesprächspartnerin sein durfte, und ebenso der Beitrag „Mein Reich ist nur von dieser Welt. Albert Camus und die Philosophie als Lebensgefühl“ mit Heinz Robert Schlette für den Deutschlandfunk im Dezember 2013. Ich freue mich auf einen zweifellos anregenden Abend mit zwei ausgewiesenen Camus-Kennern, denen es niemals um die boulevardeske Ausschlachtung der Camus-Biographie geht sondern stets um Camus‘  leidenschaftliches Denken.

Termin: Mittwoch, 30. April, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung Böttger, Maximilianstr. 44, in Bonn (neben dem Hauptbahnhof). Eintritt frei, Reservierung empfohlen (0228 / 350 27 19).

Heinz Robert Schlette – Zur Person
In der Festschrift zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. Heinz Robert Schlette 2011 schrieb Dr. Klaus-Peter Pfeiffer (Köln):  „Schlettes Denken ist geprägt von einem radikalen Ernstnehmen des Leidens und des Bösen. Das bezieht sich nicht zuletzt auf sein Verständnis von Religion. Er ist skeptisch gegenüber einer Auffassung von Religion, die auf ein metaphysisches Einverständnis abzielt. Authentisch ist Religion für ihn heute nur dann, wenn sie aus einem Dissens zu einer leidvollen und fragwürdigen Wirklichkeit gedacht wird. Besondere Verdienste erwarb er sich als renommierter Kenner der französischen Philosophie. Seine Arbeiten zu Albert Camus und Simone Weil sind wegweisend. Er war auch der Erste, der in Deutschland auf das Werk von Emil Cioran aufmerksam machte. Seine umfangreichen Veröffentlichungen umfassen Arbeiten zur Theologie, Philosophie, Politik und Kultur. Durchgängig zeigen sie ihn als kritisch-engagierten Zeitgenossen. Seine religionsphilosophischen Arbeiten harren weithin noch einer nachhaltigen theologischen Rezeption.“

Schriften von Heinz Robert Schlette zu Camus (Auswahl):

Wege der deutschen Camus-Rezeption. Darmstadt 1975
Albert Camus. Welt und Revolte
. Freiburg/ München 1980
Albert Camus: L’Homme révolté, Einführung und Register. Essen 1987 (Hg. gemeinsam mit Martina Yadel)
Erkenntnis und Erinnerung. Albert Camus’ Pest-Chronik; Interpretation und Aktualität. Königswinter 1988 (Hg.)
Helenas Exil. Albert Camus als Anwalt des Griechischen in der Moderne. Stuttgart 1991 (Hg. gemeinsam mit Franz Josef Klehr)
Der Sinn der Geschichte von morgen“, Albert Camus‘ Hoffnung. Frankfurt/M. 1995
„Mein Reich ist von dieser Welt” : das Menschenbild Albert Camus‘. Stuttgart, Berlin, Köln 2000 (Hg.)
Camus‘ Père Paneloux und die Aporetik des Leidens, in: Vergewisserungen. Aufsätze zur Lage der Philosophie und des Christentums. Königswinter 2002
Der Künstler und seine Zeit. Zu Camus‘ Vorträgen in Schweden. Königswinter 2010
Zur Kritik des «philosophischen Selbstmords» bei Camus, in: Notwendige Verneinungen. Auf der Suche nach dem Gültigen. Königswinter 2011

 

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Ein Kommentar zu „Albert Camus, philosophisch“ – Heinz Robert Schlette im Gespräch

  1. Prof.DR.med., Neurologe, Missonsstrasse 19, 4055 Basel, CH sagt:

    Sehr geehrter Herr Kollege Schlette,
    ich habe 2008 einen kleinen Beitrag publiziert; Albert Camus, seine Leiden. Ich beschäftige mich noch mit Camus. Mein Beitrag auf Deutsch fand keinen grossen Anklang im deutschsprachigen Europa. Wenn ich Camus lese, finde ich allgemeinen wenig über seine Leiden. Ich möchte Sie anfragen, ob es sinnvoll wäre, die ersten 30 Seiten auf französisch übersetzen und ihn in Frankreich zu publizieren. Ich wäre Ihnen dankbar um Ihre Meinung. Auch kann ich den heutigen Publikationen meist wenig darüber finden. Für mich ist Camus einer der grössten Schriftsteller, wenn nicht der Grösste.

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